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Podcast #DigiDUS

Folge 3: Familienunternehmen in der Corona-Krise

Podcast #DigiDUS

Folge 3: Familienunternehmen in der Corona-Krise

  • Erfahrungen aus der Praxis eines Familienunternehmers
  • Tipps und Empfehlungen für Unternehmen
  • Gast: David Zülow, Landesvorsitzender des Verbandes DIE FAMILIENUNTERNEHMER und Vorstand der Zülow AG  
#DigiDUS

#DigiDUS

Rund 39 Millionen Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie „Digitalisierung“ bei Google eingeben. Ist also schon alles zum Thema gesagt? Wir beantworten diese Frage mit einem klaren „Nein“ – und mit unserem Podcast #DigiDUS. In #DigiDUS erfahren Sie, welche Chancen die  Digitalisierung für den Mittelstand bietet und welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir blicken auf die politische Tragweite der  Digitalisierung, auf Cyber-Security, das Potenzial von Daten, auf künstliche Intelligenz und stellen Best-Practices vor. Gleichzeitig  zeigen wir, wie wir als Stadtsparkasse Düsseldorf den Mittelstand hinsichtlich der Digitalisierung beraten und unterstützen können.

Aktueller Podcast

Folge #3 Familienunternehmen in der Corona-Krise

Unsicherheit, kompletter Kurswechsel, Existenzangst: Die COVID-19-Pandemie hat vor allem Kleinst- und Kleinbetriebe sowie Familienunternehmen stark getroffen. Denn: Manche mussten Teile ihres Unternehmens, andere sogar ihr komplettes Portfolio überdenken. Anders machen, innovativ sein, digitalisieren, quasi von 0 auf 100, ist da nicht immer leicht. Genau deshalb sprechen wir in der dritten Folge von #DigiDUS mit einem Familienunternehmer, der selbst frisch von seinen Erfahrungen berichten kann – und direkt einige Tipps und auch Forderungen mit auf den Weg gibt.

Gäste: David Zülow, Zülow AG und Sebastian Drath, Stadtsparkasse Düsseldorf

Transkript zur Folge #3

SSKD Podcast DigiDUS #

Jeannine-Malcherek Wirtz: Unsicherheit, kompletter
Kurswechsel, Existenzangst. Die COVID-19 Pandemie hat vor allem Kleinst- und
Kleinbetriebe sowie Familienunternehmen sehr stark getroffen. Denn manche
mussten Teil ihres Unternehmens, andere sogar ihr komplettes Portfolio
überdenken. Anders machen. Innovativ sein. Digitalisieren. Alles quasi von null
auf hundert. Das ist nicht immer leicht. Genau deshalb sprechen wir in der
dritten Folge von #DigiDUS mit einem Familienunternehmer, der selbst von seinen
eigenen Erfahrungen berichten kann und direkt einige Tipps, aber auch
Forderungen mit auf den Weg gibt. Wir von der Stadtsparkasse Düsseldorf können
zwar ihr Unternehmen nicht von jetzt auf gleich zu 100 Prozent digital machen,
aber was wir können: Wir können von Sekunde eins an Ihrer Seite sein und mit
unserem großen Partnernetzwerk dafür sorgen, dass Digitalisierung auch unter Zeitdruck
gelingt. Und auch darauf gehen wir in dieser Folge ein. Mein Name ist Jeannine
Malcherek-Wirtz und ich freue mich sehr, dass Sie uns heute wieder zuhören.

00:01:13

Jeannine-Malcherek Wirtz: Ich freue mich, dass Sie da sind. Für unsere
dritte Folge von #DigiDUS zum Thema „Familienunternehmen in und nach der Corona-Krise“,
wobei man ja nicht davon sprechen kann, dass die vorbei ist. Für dieses Thema
habe ich einen Gast heute, der prädestiniert dafür ist, um mit mir darüber zu
sprechen. Ich freue mich sehr, dass David Zülow heute da ist, als
Landesvorsitzender in NRW des Verbandes „Die Familienunternehmer“ und natürlich
selber Vorstand eines Familienunternehmens, nämlich der Zülow AG Neuss für
Gebäudetechnik. Ja, Herr Zülow, Sie als Vorsitzender des Verbandes haben ja
einmal den kompletten Blick, den Blick auf das große Ganze. Aber Sie sind ja
selber Vorstand eines Familienunternehmens. Könnten Sie uns noch einmal kurz
skizzieren, was waren die Voraussetzungen? Was sind nach wie vor die
Herausforderungen vor allem für Familienunternehmen in und nach der Krise?
Wobei wir die Krise noch nicht beendet haben.

00:02:13

David Zülow: Die Herausforderungen sind eigentlich für alle die
gleichen. Die ganze Situation ist für alle fallbeilartig runtergekommen. Wir hatten
von heute auf morgen nichts mehr zu tun. Sie haben sich Sorgen gemacht um ihre
eigenen Angehörigen, um die eigene Gesundheit, um die Gesundheit ihrer
Mitarbeiter. Also von jetzt auf gleich standen wir alle vor einer Situation,
die wir bis dahin in der Form noch gar nicht kannten. Und insofern sind die
Herausforderungen für alle gleich. Man muss sich mit einer Situation
auseinandersetzen, wo man A nicht weiß, wie lange es geht und B auch nicht
weiß, was auf einen überhaupt noch zukommt und was zu tun ist.

00:02:48

Jeannine-Malcherek Wirtz: Das heißt also, ging es Ihnen nicht anders als
anderen Mittelständlern oder gibt es für Familienunternehmen doch nochmal, ich
sag mal noch verschärfte Herausforderungen in der Krise, als vielleicht für ein
kleines mittelständisches Unternehmen?

00:03:02

David Zülow: Also die Herausforderungen sind tatsächlich, glaube ich,
für alle gleich. Das ist eine Frage der Größenordnung, der Intensität. Das ist
vielleicht auch eine Frage „Wie sehr ist man unmittelbar davon betroffen?“ Als
Familienunternehmer sind Sie ja auch immer mit dem eigenen Vermögen dran. Also
Sie reden nicht über irgendwelche diffusen Anlegergelder oder irgendwelche
Gesellschafterstrukturen, die kaum überschaubar sind, sondern sie kennen ihren
Gesellschafterkreis meistens persönlich ganz gut. Und demzufolge ist es
natürlich auch immer die Frage, wieviel muss man vielleicht selber nochmal ans
wirklich ersparte Eingemachte gehen. In so einer Krise haben Sie es von heute
auf morgen ja damit zu tun, die Umsätze bleiben aus. Die Kosten sind die
gleichen. Sie haben eine Belegschaft, an der Sie normalerweise festhalten
wollen. Also auch wenn mal so der Wind von vorne kommt. Wir haben vor der
Corona-Krise über Fachkräftemangel gesprochen, der ist ja deswegen nicht
erledigt. Und insofern stehen sie auch kaufmännisch vor der Frage „Halte ich
jetzt an meinen Beschäftigten fest? Wenn ja, wie lange? Wie lange halte ich sie
bei Laune?“ Und das Ganze muss irgendwie finanziert werden. Und dann schauen
Sie als Privatunternehmer oder als Eigentümer-Unternehmer tatsächlich ins
eigene Portemonnaie.

00:04:10

Jeannine-Malcherek Wirtz: Es gab ja vor allem auch von Bund und Ländern
jede Menge Konjunkturpakete und Soforthilfen, vor allem auch für Unternehmen.
Wie sehen Sie das? War das hilfreich für Sie als Familienunternehmen? Konnten
Sie da auch dran partizipieren?

00:04:24

David Zülow: Nee, also hilfreich ist das überhaupt nicht. Ich halte das
für blinden Aktionismus, was da passiert ist. Das ist ein verdammt teurer Spaß,
den wir uns alle noch in den nächsten Jahren über Steuern werden leisten können
und müssen. Das hatte kein Maß und kein Ziel. Es gibt einige wenige, die haben
kurzzeitig davon profitiert. Gerade die ganz Kleinen mit ihren Soforthilfen.
Diese Pakete sind ja schon ziemlich unstrukturiert beschrieben worden. Da geben
sie einem Einzelunternehmer Geld, damit er über die Runden kommt. Und dann darf
er das aber nicht dafür ausgeben, um über die Runden zu kommen. Also der hat ja
keine anderen Ausgaben außer Miete und ein Laptop zum Beispiel. Und bei uns im
Mittelstand ist faktisch nichts angekommen. Wir sind in so einer Situation zu
groß, um eine Soforthilfe zu kriegen und zu klein, um systemrelevant zu sein.

00:05:13

Jeannine-Malcherek Wirtz: Was hätten Sie sich gewünscht?

00:05:13

David Zülow: Dass man schnell wieder anfangen darf zu arbeiten, dass man
Augenmaß hat bei den Maßnahmen, die kommen, dass man vielleicht auch etwas mehr
auf die Eigenverantwortung der Menschen setzt, dass man nicht alles von jetzt
auf gleich schließt und dann die Unternehmen tatsächlich auf den Kosten alleine
sitzen lässt.

00:05:32

Jeannine-Malcherek Wirtz: Die Krise hat ja vor allem dem Thema
Digitalisierung nochmal ganz neue Bedeutung beigemessen, was ich glaube, was
auch richtig ist und was zu einem gewissen Grad sicherlich auch sehr gut war.
Nichtsdestotrotz wie sehen Sie das? Vor allem auch jetzt in der Krise, die ja
noch nicht beendet ist, noch längst wahrscheinlich nicht beendet ist. Welche
Bedeutung hat die Digitalisierung für den Mittelstand?

00:05:57

David Zülow: Also Digitalisierung heißt ja nicht, dass man von
Zettelwirtschaft auf E-Mail umsteigt. Das ist ein bisschen kurz gedacht,
sondern Digitalisierung heißt, dass eigentlich sämtliche vor allem
wiederkehrende Prozesse möglichst elektronisch ablaufen, dass viel
automatisiert ablaufen kann. Dass ist am Ende eine Effizienzfrage. Wie
effizient gestalte ich eigentlich meine Arbeitsprozesse? Und dass ich dafür
technische Hilfen habe. Das ist halt das Instrument oder das Werkzeug, dessen ich
mich bediene. Ich glaube, ein Unternehmen, was auch schon vor der Krise nicht
digital unterwegs war, die gibt es gar nicht mehr oder die gibt es kaum noch.
Die haben auf dem Markt schlichtweg nichts verloren. Also jetzt zeigt sich
natürlich, bei wem welcher Digitalisierung grad wie hoch und wie ausgeprägt
war, wie ernst man schon im Vorfeld die Notwendigkeit genommen hat, auch in
diesen Bereich zu investieren. Auch in dem Bereich Mitarbeiter weiterzubilden
und auch in dem Bereich seine Prozesse umzustrukturieren. Wir wissen also alle,
wenn dann so ein neues Programm reinkommt und man mit einem neuen Tool arbeiten
muss, dann ist das erst einmal nicht vergnügungssteuerpflichtig und verdammt
nochmal viel Arbeit für die, die damit arbeiten müssen. Da muss man halt durch.
Und die, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, die profitieren natürlich im
Augenblick insofern davon, dass viele Dinge leichter von der Hand gehen und
eben doch noch möglich sind als die, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.

00:07:14

Jeannine-Malcherek Wirtz: Das heißt also, wenn man überhaupt davon
sprechen kann, dass man die Möglichkeit hat zu investieren, halten sie das für
die Zukunft weiterhin für unabdingbar, was das Thema Digitalisierung angeht?

00:07:29

David Zülow: Das haben Sie richtig verstanden. Also Investitionen sind
grundsätzlich richtig. Also wer nicht investiert, der bleibt da stehen, wo er
ist. Für Investitionen brauchen Sie natürlich auch möglichst liquide Mittel und
auch einen Investitionsplan. Das ist jetzt sehr altbacken, aber deswegen
genauso aktuell, also aufzuhören zu investieren, das ist nicht die Lösung, auch
wenn die Kassen jetzt gerade etwas knapper sind. Die Frage ist, wofür
investiert man? Und ich glaube, dass gerade vielleicht auch viele ganz gut
beraten sind, wieder etwas mehr ins eigene Unternehmen reinzustecken und
vielleicht auch mal zu schauen. Eben solche Themen anzupacken wie
Arbeitsprozesse, wie Digitalisierungsprozesse. Das muss aber nicht das einzige
sein. Aber keine Empfehlung, nicht zu investieren.

00:08:12

Jeannine-Malcherek Wirtz: Was ich auch noch ganz spannend finde, in
dieser Diskussion um Digitalisierung spricht man ja einerseits von
digitalisierten Prozessen, mehr Effizienz et cetera. Und ein Baustein davon ist
ja auch das Thema Künstliche Intelligenz. Wenn man dem Glauben schenkt, was
Studien sagen: Wer jetzt nicht in Künstliche Intelligenz investiert bzw. sich
damit beschäftigt, der wird ganz, ganz schnell, und wir sprechen bei
Digitalisierung ja immer wirklich von schnell, den Anschluss verlieren. Wie
sehen Sie das? Was glauben Sie, welche Rolle die Digitalisierung und als Teil
davon, ich sage mal als ein zusätzlicher Baustein, die künstliche Intelligenz
spielt? Welche Rolle wird die zukünftig spielen?

00:08:55

David Zülow: Es geht darum, dass KI-Systeme – also künstliche
intelligente Systeme – selbstlernend sind. Ich bringe dir irgendetwas bei und
damit weißt du dann was anzufangen. Und man macht sich selber entsprechend
schlauer. Das ist ja eine Frage von Intelligenz. Das ersetzt aber am Ende des
Tages nicht das eigenverantwortliche Denken und Handeln des Unternehmers. Also
wer davon träumt, dass ich jetzt mit KI-Systemen künftig aufhören kann zu
arbeiten und selber Entscheidungen zu fällen – das funktioniert halt auch
nicht. Ob damit KI-Systeme der Heilsbringer für alle sind, lasse ich mal
dahingestellt. Es gibt Prozesse, gerade im Produktionsbereich oder gerade in
der Logistik. Die kommen ohne nicht aus. Da ist so eine Routenplanung
beispielsweise, die so ein vernünftiges Tool auskaspert, dreimal schneller und
dreimal intelligenter, als wenn wir zwei uns jetzt über den Stadtplan hermachen
würden und anfangen: Wo ist die beste Strecke? Solche Themen. Das kann man
machen, aber das über einen Kamm zu scheren, halte ich für fraglich.

00:09:53

Jeannine-Malcherek Wirtz: Also ich glaube, ich bin da bei Ihnen, dass es
nicht darum geht, Menschen zu ersetzen. Ich glaube, das wird auch keine KI so
schnell tun. Aber es bringt natürlich in gewisser Weise andere Vorteile. Wo ich
sagen kann, ich kann Prozesse ein Stück weit durch künstliche Intelligenz
optimieren. Dann habe ich auch wieder für Menschen andere Aufgaben, vielleicht
auch andere, noch hochwertigere Aufgaben im Unternehmen.

Was meinen Sie? Das finde ich auch ganz spannend, weil darüber
sprechen jetzt auch viele nach wie vor. Sie haben anfangs gesagt, Sie glauben
gar nicht, dass es noch Unternehmen gibt, die nicht digital sind. Trotzdem
sprechen viele darüber, dass die Digitalisierung gerade der Mittelständler in
Deutschland, noch sehr großen Nachholbedarf hat. Sehen Sie das auch so oder
glauben Sie, das ist nur was Branchenspezifisches?

00:10:40

David Zülow: Ich kann diese Einschätzung ehrlicherweise überhaupt nicht
teilen. Ganz im Gegenteil sogar, ich bin fest davon überzeugt, dass gerade der
Mittelstand in den letzten Jahren besonders intensiv in digitale Infrastruktur
investiert hat. Dass Arbeitsprozesse digital geworden sind. Gerade der
Mittelstand ist ja besonders bekannt dafür, sehr schnell agieren zu können,
auch sehr schnell neue Strukturen zu schaffen. Das ist es ja gerade, was
besonders Familienunternehmen so auszeichnet. Die Zeichen der Zeit zu erkennen
und möglichst kurze Entscheidungswege zu haben, um dann allerdings mit Augenmaß
immer die richtigen Entscheidungen zu fällen. Das bedeutet ja nicht, dass man
ausnahmslos auf jeden Zug aufspringt, der gerade durch den Bahnhof rollt. Aber
wie wir eingangs bereits sagten: Wer den Zug ganz verpasst hat, der ist
entweder gar nicht mehr am Markt oder tut sich gerade besonders schwer. Und wir
dürfen nicht vergessen: Die ureigenste Aufgabe jedes Unternehmers ist es, sein
Unternehmen zukunftsfähig und krisenfest zu machen. Dieser Aufgabe haben sich
jedenfalls die meisten Unternehmer gerade aus dem Mittelstand erkennbar mit
sehr großem Erfolg gestellt und die Digitalisierung des Unternehmens ist dabei
sicherlich ein wesentlicher Schlüsselfaktor.

00:12:01

Jeannine-Malcherek Wirtz: Ja, vielen Dank, Herr Zülow, für Ihre
Einschätzung und ja, auch wir bei der Stadtsparkasse Düsseldorf hoffen, dass
diese Krise bald vorbei ist. Denn wir haben in vielen Fällen hautnah
mitbekommen, wie sehr Unternehmen unter Druck geraten sind und vor allem, vor
welchen Herausforderungen sie standen und stehen. Einer, der solche Themen sehr
nah mitbekommt, ist Sebastian Drath, Abteilungsleiter für das
Firmenkundengeschäft bei der Stadtsparkasse Düsseldorf. Sebastian, schön, dass
du heute dabei bist. Sebastian: In deiner Abteilung betreut ihr auch einige
Familienunternehmen. Wie hast du das erlebt? Was war gerade für diese
Unternehmen die Hauptsorge?

00:12:39

Sebastian Drath: Ja, es war im Endeffekt der helle Wahnsinn, als Corona
Anfang März zum Tragen kam oder die Auswirkungen spürbar waren. Wir haben von
morgens bis abends am Telefon gesessen und haben versucht, den Kunden ihre
Sorgen zu nehmen, zu informieren oder auch erst einmal da zu sein. Um den
Kunden ein Gefühl zu geben. Man ist nicht alleine mit dieser Situation. Und ich
sage mal, die Beweggründe waren so so vielfältig. Wir haben uns jeden Morgen im
Team in einer gemeinsamen Telko ausgetauscht und haben über Erfahrungen
berichtet, weil es unheimlich wichtig war, in dieser Situation diese
Informationen weiterzugeben. Das Ganze war von einer Aufbruchsstimmung, die
direkt am Anfang spürbar war, bis hin zu sehr, sehr viel Verunsicherung, die
erst einmal bei den Unternehmern herrschte, bis zu einer sehr, sehr großen
Angst, bis hin in die Existenzangst. Und ja, da gibt es Beispiele, die, wenn
ich davon erzähle, muss ich sagen, hab ich jetzt noch Gänsehaut. Das sind
Fälle, wo Unternehmer eigentlich schon am Ende ihrer, ich sage mal Laufbahn
waren, die Nachfolge schon mehr oder weniger geplant oder auch durchgeführt
haben oder auch ein ganz klares Exit hatten. Dann zu sagen „Ich mache das Ganze
noch zwei, drei Jahre und dann gehe ich in den Ruhestand“ und jetzt standen sie
vor einer Situation, sich entscheiden zu müssen. Die waren teilweise sehr gut
aufgestellt, nicht verschuldet und denen war klar, wenn Sie jetzt weitermachen,
dann müssen sie Schulden aufnehmen. Müssen KfW-Mittel oder andere
Verbindlichkeiten und Kredite nehmen, um das Ganze zu unterstützen und diese
Umsatzausfälle zu kompensieren. Und ich muss sagen, da sieht man dann diese
unternehmerische Verantwortung. Größtenteils wurde gesagt „Wissen Sie, was Herr
Drath“ oder welcher Betreuer auch immer am Telefon war. „Die Alternative ist,
ich muss hier 40 Mitarbeiter freistellen, da arbeite ich lieber 15 Jahre weiter
und zahle den Kredit zurück. Diese unternehmerische Verantwortung habe ich und
die werde ich auch tragen.“ Und ich sage mal, das sind Gespräche, die lassen
einen nie wieder los. Und das haben wir in der ganzen Zeit erlebt, dass ja
diese Bewegung von der Unsicherheit, teilweise von einer Situation nicht weiter
zu wissen, sich dann doch relativ schnell entwickelt hat, zu einer
Aufbruchsstimmung. Zu sagen teilweise jetzt erst recht. Und das gemeinsam hat
unheimlich viel Schwung gegeben, dass die Unternehmer nicht den Kopf in den
Sand gesteckt haben, sondern weitergemacht haben.

00:15:03

Jeannine-Malcherek Wirtz: Du hattest auch gerade schon das Thema
Lösungen angesprochen. Es ging ja, oder es gab ja sehr viele Soforthilfen,
Konjunkturprogramme, Förderprogramme. Der Herr Zülow hat dazu tatsächlich sehr
deutlich Position bezogen. Wie stehst du dazu? Wie ordnest du das ein?

00:15:20

Sebastian Drath: Die KfW oder ich sag mal die die Soforthilfen und die
Konjunkturpakete haben gerade in dieser ersten Situation auch relativ schnell
und zügig die Situation ein Stück weit entschärft. Für mich aus Banksicht ist nicht
immer nur im Fokus, das Geld rauszugeben, sondern auch in welcher Form kann ich
diese Kreditierung vornehmen? Welche Unterstützung bekomme ich? Und da spielen
natürlich auch Sicherheiten in der Situation eine Rolle. Und wenn der Staat und
die KfW und der Bund sich dann entsprechend hinter diese Programme stellt, um
das Ganze zu beschleunigen, hat das dem Ganzen natürlich geholfen. Das muss man
ganz klar sagen.

00:16:01

Sebastian Drath: Wenn man sich die Frage stellt „Ist das das
Allheilmittel gewesen oder auch jetzt noch? Und hat das das Problem im
Endeffekt besiegt?“ Nein, das muss ich auch ganz klar sagen. Das ist ein
Baustein von vielen. Ja, das sind verschiedene Punkte, die zusammenkommen. Klar
ist auch Es gab Soforthilfen, die wurden gewährt, die auch nicht zurückzuzahlen
sind. Ja, das war sicherlich für die Kleinunternehmer oder Kleinstunternehmen
in der Anfangsphase erst einmal gut. Da aber auch nicht die Lösung, sondern ein
Stück weit auch der Tropfen auf den heißen Stein. Die nächste Sphäre ist
natürlich, dass es sich um Kredite handelt. Ja, alle Maßnahmen, die jetzt von
der KfW verabschiedet wurden und sei es mit einer 90 oder auch mit einer
hundertprozentigen Haftungsfreistellung dort hinter. Es sind Kredite und diese
Kredite müssen zurückgezahlt werden. Das heißt, wir hatten die Herausforderung
natürlich auch mit den Unternehmen darüber zu sprechen, dass wir trotz einer
hohen Sicherheitsleistung des Bundes unsere normalen Kreditparameter nicht
ausschalten können, weil wir mussten natürlich gucken, ist das Unternehmen auch
wirtschaftlich in der Lage, dieses Geld zurückzuzahlen. Weil eins muss man
sagen, wir tun dem Unternehmen und auch uns natürlich keinen Gefallen, wenn wir
Umsatzausfälle kompensieren, in so erheblichem Maße dagegen Kredite geben und
aber im Endeffekt wissen, dass – auf Basis der „alten Welt“, ich sage mal vor
März 2020, – das Unternehmen nicht in der Lage gewesen wäre, diese Kredite auf
6, 10 oder 8 Jahre zurückzuzahlen. So, und wenn Herr Zülow dann auch zurecht
sagte, dass das am Ende des Tages die Familienunternehmen nicht gerettet hat
oder bzw. auch noch nicht zu dem Punkt gebracht hat, dass man sagt, damit ist
das Thema vom Tisch, dann kann ich das absolut verstehen. Aus unserer
Perspektive als Bank kann ich nur sagen, waren das hilfreiche Mittel, um so
viel Unterstützung wie möglich zu geben. Aber man kann dieses Thema nicht
pauschalisieren. Das ist wirklich im Einzelnen zu betrachten, wie wirksam es
war, wie schnell es geholfen hat. Und wir haben auch Fälle, wo wir gesehen haben,
wo wir die Mittel zur Verfügung gestellt haben, die am Ende des Tages gar nicht
nötig waren, weil dann doch nicht so eine Schwere eingetreten ist. Weil diese
Themen wie z. B. dass Mitarbeiter von Corona betroffen waren und damit ganze
Produktionsstrecken ausgefallen war, Gott sei Dank dann nicht zum Tragen
gekommen sind. Und diese Unternehmen stehen jetzt auch vor der Herausforderung
zu überlegen „Was mache ich mit diesen Mitteln, wie setze ich die jetzt
strategisch am besten ein?“ Und ich sage mal, da kommen wir zu dem Punkt, dass
das Resultat aus ganz vielen Themen natürlich ist, wer sich vorher schon mit
Digitalisierung, mit Automatisierung, mit Mobilität, mit Unabhängigkeit des
Arbeitsplatzes, Flexibilität intensiv beschäftigt hat, dem ist es einfach
leichter gefallen. Das kann man sagen.

00:18:57

Jeannine-Malcherek Wirtz: Das hast du super nochmal zusammengefasst. Und
das ist eine tolle Überleitung zu meiner nächsten Frage. Darüber hatte ich auch
mit Herrn Zülow gesprochen, der auch nochmal sehr deutlich gemacht hat, wie
wichtig natürlich das Thema Digitalisierung für den Mittelstand ist und dass
auch trotz der wirklich schwierigen Lage Investitionen in diese Themen
unabdingbar sind. Wie können wir als Stadtsparkasse Düsseldorf unsere Kunden
hier unterstützen? Mal abgesehen nur von Finanzierungsfragen oder Finanzierungsprodukten?
Was steht da uns noch zur Seite?

00:19:31

Sebastian Drath: DasThema Digitalisierung als Wort oder auch künstliche
Intelligenz, Automatisierung, Industrie 4.0. Ja, also dieses ganze Potpourri
von Oberbegriffen. Das spielt natürlich schon sehr, sehr lange eine Rolle. Auch
wir als Stadtsparkasse Düsseldorf haben im Rahmen des letzten Jahres überlegt:
Was sind die wesentlichen Themen, die wir im Rahmen unserer Mittelstandsoffensive,
die wir dieses Jahr gestartet haben, thematisieren müssen und sollten? Ja, und
es bestätigt uns in diesem Moment, dass wir da auf das richtige Pferd gesetzt
haben, weil wir haben ganz klar gesagt, das Thema „Digitalisierung der
Unternehmen“ als Oberbegriff,  Einsatz
von künstlicher Intelligenz, diese Unabhängigkeit, die man sich damit auch
schafft – das wollen wir beraten beziehungsweise das wollen wir unterstützen.
Wir haben in dem Zusammenhang mit unserem Digitalisierungscheck, den wir mit
einer externen Unternehmensberatung kreiert und entworfen haben, noch vor Corona
ein fertiges Werk geschaffen, wo wir sehr aktiv auf unsere Kunden zugehen, um
mit dem Unternehmen darüber zu philosophieren und zu besprechen: Wie gut ist
man schon aufgestellt? Einfach mal so einen digitalen Reifegrad zu ermitteln,
um dann den Kunden Unterstützung durch unser breites Netzwerk zu geben. Weil
eins ist auch klar: Wir sind natürlich irgendwo dann auch in unserer Beratung
an einer Grenze, wenn es dann übergeht in die wirkliche technische Beratung
oder in eine Prozessautomatisierung et cetera. Da ist es wichtig, die richtigen
Partner an der Seite zu haben und den Kunden dabei zu begleiten. Und deswegen
bin ich da glaube ich sehr, sehr deckungsgleich zu Herrn Zülow. Das Thema ist
wichtig, das wird weiter wichtig sein. Und wer sich dort gut aufgestellt hat
schon vor Corona, hat es leichter gehabt und dass die Notwendigkeit da ist hat
Corona nochmal zusätzlich bewiesen.

00:21:27

Jeannine-Malcherek Wirtz: Wie wichtig ist eigentlich Digitalisierung für
den Mittelstand? Diese Frage hat die Corona-Krise ja ziemlich drastisch
beantwortet. Und genau da die Lücken aufgedeckt, wo keine oder bislang nur sehr
wenig Digitalisierung stattgefunden hat. Diese Folge von #DigiDUS hat mir
wieder gezeigt, dass speziell Familienunternehmen nicht zwingend anderen
Herausforderungen begegnet sind als der Mittelstand im Allgemeinen. Alle KMUs
haben gleichermaßen in diesen sehr bewegenden Zeiten zu kämpfen. Deshalb
interessieren wir uns an dieser Stelle vor allem auch für Ihre Meinung und Ihre
Erfahrung in Bezug auf Corona. Vor welchen Herausforderungen standen Sie?
Welche Lerneffekte gab es bisher und wie richten Sie sich in Zukunft aus? Wir
würden uns über Ihr Feedback sehr freuen. Und das geht auch ganz einfach per
Mail an die DigiDUS@SSKDuesseldorf.de. Ja, in den nächsten Folgen von #DigiDUS
blicken wir unter anderem noch auf das nicht ganz unumstrittene Thema
Künstliche Intelligenz und wie diese in sogenannten KI Designs Sprints
eingesetzt werden kann. Bis dahin bleiben Sie bitte gesund.

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Folge #1

In dieser ersten Folge von #DigiDUS dreht sich alles um den Krisenmodus. Nicht nur eine Pandemie, wie die durch COVID-19 ausgelöste, sondern auch andere Faktoren lösen Krisen im Mittelstand aus. Die Digitalisierung kann ein Hebel sein, um Krisen frühzeitig zu antizipieren, sich besser auf diese vorzubereiten und gestärkter aus ihnen hervorzugehen. „Die Krise ist ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg Anfang April 2020 der dpa.
Er ist der Überzeugung: „Die aktuelle Situation bietet eine echte Chance, einen Kickstart hinzulegen – und die sollte man nutzen.“
Wie die Stadtsparkasse Düsseldorf ihre mittelständischen Kunden bei der Digitalisierung unterstützt und wie sie im eigenen Haus die Digitalisierung angeht und meistert, erklären Karin-Brigitte Göbel, Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse und Vorstandsmitglied Uwe Baust.

Folge #2

Alle 39 Sekunden wird ein Unternehmen durch Cyberkriminelle angegriffen – klingt viel, ist es auch! Denn solche Angriffe können zu enormen Schäden führen – und Unternehmen in den Ruin treiben, wenn zum Beispiel hochsensible Daten mit der Welt geteilt werden. Deshalb widmen wir diese Folge unseres Podcasts #DigiDUS dem Thema „Cyber Security“. Wir erklären, was für Fehler Unternehmer häufig machen – vielleicht erkennen Sie ja den ein oder anderen bei sich selbst. Sollte das so sein, haben wir direkte Lösungen in petto, keine Sorge.

Transkript zur Folge #1

#DigiDUS: Digitalisierungstrends und Herausforderungen im Mittelstand

Ein Podcast der Stadtsparkasse Düsseldorf

Rund 39 Millionen Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie Digitalisierung bei Google eingeben. Ist also schon alles zu dem Thema gesagt? Wir, von der Stadtsparkasse Düsseldorf, beantworten diese Frage mit einem klaren „Nein“ – und unserem Podcast #DigiDUS. Mein Name ist Jeannine Malchareck-Wirtz und ich freue mich, Ihnen unseren Podcast zur Digitalisierung im Mittelstand präsentieren zu dürfen In #DigiDUS erfahren Sie, welche Chancen die Digitalisierung für den Mittelstand bietet und welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir blicken auf die politische Tragweite der Digitalisierung, auf Cybersecurity, das Potenzial von Daten, auf künstliche Intelligenz und stellen natürlich “Best Practices” vor. Gleichzeitig zeigen wir, wie wir als Stadtsparkasse Düsseldorf den Mittelstand hinsichtlich der Digitalisierung beraten und unterstützen können.

In dieser ersten Folge jedoch dreht sich alles um den Krisenmodus. Nicht nur eine Pandemie, wie die durch COVID-19 ausgelöste, auch andere Faktoren lösen Krisen im Mittelstand aus. Die Digitalisierung kann ein Hebel sein, um Krisen frühzeitig zu antizipieren, sich besser auf diese vorzubereiten und gestärkter aus ihnen hervorzugehen. Die Digitalisierung ist bereits seit den 70er Jahren ein Thema und so aktuell wie nie, denn die stetige technologische Weiterentwicklung macht es kleinen wie großen Unternehmen immer einfacher Services oder Prozesse zu digitalisieren, digitale Aspekte in ihre Strukturen zu integrieren oder sich komplett umzustellen. So scheint es zumindest, denn gerade in Krisenzeiten erhöht sich der Digitalisierungsdruck auf Kleinst- und Kleinbetriebe, sowie Mittelständler enorm. Gleichzeitig bieten sie enormes Potenzial.

“Die Krise ist ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben”, sagte Bitkom Präsident Achim Berg Anfang April 2020 der dpa. Man habe sich bisher zu viel Zeit gelassen. Er verweist zudem auf eine Bitkom Umfrage von Anfang des Jahres, die angibt, dass neun von zehn befragten Unternehmen, die damals im Raum stehenden Ausgangsbeschränkungen eher als Chance sehen würden, als ein Risiko. Gleichzeitig gebe aber auch jedes dritte Unternehmen an, Probleme bei der Digitalisierung zu haben. Jetzt hieße es, digitale Infrastrukturen massiv aufzubauen, Geschäftsprozesse umfassend zu digitalisieren und vor allem neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Der BITKOM Präsident ist der Überzeugung, die aktuelle Situation bietet eine echte Chance einen Kick Start hinzulegen und die sollte man nutzen.

Auch die Stadtsparkasse selbst stand und steht durch die COVID-19 Krise vor Herausforderungen, die teilweise durch Digitalisierung angegangen und gemeistert werden können. Durch die Krise sind wir gefordert uns anders als bisher aufzustellen. Karin-Brigitte Göbel ist die Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf und sie hat das Unternehmen in dieser Krise federführend transformiert.

Liebe Frau Göbel, die Krise hat uns alle privat wie beruflich in irgendeiner Form getroffen. Welche Auswirkungen sehen Sie vor allem für die Wirtschaft und die mittelständischen Unternehmen hier in der Region Düsseldorf?

„Die Corona Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft, vor allem mittelständische Unternehmen, weit schlimmer als in der Finanzkrise 2008. Lassen Sie mich zu einer Umfrage des deutschen Industrie- und Handelskammertages kommen, die aufgezeigt hat, wie viele Unternehmen betroffen sind, und zwar über 90%. Allen voran das Gastgewerbe und die Tourismusbranche und wenn ich jetzt dann einfach mal zu führenden Wirtschaftsforschungsinstituten schauen darf, dann sagen die eine Rezession voraus, die einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um bis zu 7,5% bedeuten können. Ich glaube das ist auch nicht aus der Welt.“

Frau Göbel, waren wir eigentlich als Stadtsparkasse auf einen solchen Krisenfall vorbereitet, oder gab es spontan Nachholbedarf ?

„Natürlich haben wir einen sogenannten „Pandemieplan“, nach welchem wir in diesen Zeiten arbeiten, aber niemand kann auf eine Pandemie dieses Ausmaßes komplett vorbereitet sein. Zum Glück kann ich sagen, dass wir schon lange in der Stadtsparkasse intensiv daran gearbeitet haben unser Haus stabil für die Zukunft aufzustellen. Wenn ich ehrlich bin, kommt uns das jetzt wirklich zugute. Was zählt dazu heute? Heute leben wir multikanal und unsere Online und Mobile Services werden weiter ausgebaut. Unsere Kunden müssen für viele Abschlüsse gar nicht mehr in die Filiale kommen, sie können diese online oder per Telefon erledigen und außerdem haben wir eine Kultur etabliert, die es ermöglicht uns schnell und unbürokratisch auf neue Situationen einzustellen, was in Zeiten wie dieser von großem Vorteil ist.“

Frau Göbel, wenn ich das noch mal kurz aufnehme, was sie gerade zum Thema Digitalisierung gesagt haben: Was sind denn dann die eigenen, aktuellen Baustellen und Herausforderungen in Bezug auf die Digitalisierung für die Stadtsparkasse Düsseldorf? Vor allem jetzt in einer solchen Krise.

„Eine ganz besondere Herausforderung in dieser Zeit ist es, unseren Kunden trotz der räumlichen Distanz persönlich nah zu bleiben, aber ich bin überzeugt, dass es uns telefonisch über die sogenannten „Care Calls“ in den vielen persönlichen Telefonaten oder auch online gelungen ist, eine persönliche Nähe zu unseren Kunden aufzubauen. Generell aber, um jetzt Fakten zu nennen, bauen wir unsere digitalen Produkte und Serviceangebote weiter aus, um unseren Kunden ein wirklich verlässlicher und starker Partner zu sein. Den Einsatz von künstlicher Intelligenz erarbeiten wir eng mit unserem Netzwerk zusammen, um dann Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung zur Seite stehen zu können und sie zu begleiten, ja um einfach schnell zu sein.“

Was konnten wir dann bereits nach dieser Zeit für unsere zukünftige Arbeit lernen, also als Stichwort beispielsweise „agiles und mobiles Arbeiten“? Und was können wir davon vor allem für unsere Kunden mitnehmen?

„Das „agile“, ja ich mag sogar sagen, dass super agile teamübergreifende Arbeiten hat gezeigt, dass so extrem vieles möglich ist. Wenn wir uns darauf konzentrieren, was geht und nicht darauf, was nicht geht, dann können wir quasi Berge versetzen. So sind innerhalb von 99 Stunden das Coronavirus Soforthilfeportal für unsere Firmenkunden und auch ein Gutscheinportal entstanden. Die ersten Kundenanträge auf Soforthilfe wurden bereits nach vier Tagen bewilligt. Der Erfolg des Projektes zeigt mir, dass wir wirklich trotz der hohen Arbeitsbelastung und des Zeitdrucks, alle an einem Strang gezogen haben und das obwohl über 60% der Mitarbeitenden mobil gearbeitet haben und dies für viele von uns eine ganz neue Erfahrung und ein ganz neues Umfeld ist. Da bin ich direkt beim nächsten Stichwort: Alles, was wir getan haben, haben wir für unsere Kunden entwickelt. Wir haben sehr viel dazu gelernt. Wir haben einen Quantensprung gemacht in der Weiterentwicklung unseres Hauses. Was jetzt wichtig ist, und darauf kommt es wirklich in den nächsten Wochen und Monaten an, dass wir das Erlernte nutzen, damit wir unsere Regelprozesse verbessern, schneller und kreativer machen können, und so nicht wieder in die Zeit vor Corona zurückgehen.“

Frau Göbel, Sie haben es gerade selbst beschrieben: Die dynamischen Situationen, die Schnelligkeit, die hohe Arbeitsbelastung. Wie nehmen Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtsparkasse Düsseldorf in dieser sich stetig verändernden Situation mit?

„Wie alle Unternehmen, erleben auch wir in der Stadtsparkasse Düsseldorf einen ständigen Wandel, sowohl organisatorisch als auch kulturell. In dieser Zeit hat insbesondere die Kommunikation einen extrem hohen Stellenwert. Lassen Sie mich da noch einmal tiefer drauf eingehen. In der Corona Pandemie haben wir beispielsweise einen neuen internen Blog ins Leben gerufen, unseren sogenannten „Corona Ticker“, der transparent alle Beschlüsse, alle internen Informationen, aber auch Tipps, Tricks und Ideen zusammenstellt und ebenfalls externe relevante Nachrichten mit hinzu nimmt, um so umfassend jeden einzelnen Mitarbeitenden, jede einzelne Mitarbeitende zu informieren. Es ist glaube ich keine Überraschung, wenn ich hier an dieser Stelle sage, dass das Feedback unserer Mitarbeitenden darauf mehr als überzeugend ist. Die Klickzahlen sprechen für sich.“

Und wie profitiert ihrer Meinung nach auch die Stadt Düsseldorf von der Arbeit der Stadtsparkasse in dieser Krisenzeit?

„Unser Ziel ist es nun, die regionale Wirtschaft, den Einzelhandel und die Handwerksbetriebe zu unterstützen. Es geht uns darum, Arbeitsplätze und die kulturelle Vielfalt in unserer tollen Stadt Düsseldorf zu sichern um unsere Lieblingsorte, die Cafés, Bars, Kinos oder den Krämer nebenan auch nach der Krise besuchen zu können. Das ist einer der großen Wünsche und da mitzuwirken, das treibt uns jeden Tag an. Wir tragen dazu verantwortlich bei, indem wir als Stadtsparkasse Düsseldorf einerseits unbürokratische finanzielle Soforthilfe bieten und andererseits den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, selbst aktiv zu werden. Wir haben mit anderen Partnern zusammen einen Gutscheinportal ins Leben gerufen, über das lokale Einzelhändler, aber auch Dienstleister, ganz unkompliziert Gutscheine für die Zeit nach Corona verkaufen können. Wir bieten das alles kostenlos an. So kann jeder durch den Erwerb von Gutscheinen dazu beitragen, dass wir gemeinsam diese Situation meistern können. Die Stadt profitiert, aber auch wir profitieren durch das gemeinsame Arbeiten mit den vielen Partnern und dem großen Schulter an Schulter an Lösungen suchen.“

Vielen Dank Frau Göbel, für diese Einblicke. Nicht nur wir als Stadtsparkasse stehen aktuell vor Herausforderungen, denen wir zu großen Teilen mit digitalen Maßnahmen begegnen können. Auch unsere Kunden im Mittelstand tun dies. Die können wir als Stadtsparkasse hier unterstützen. Genau das, frage ich unser Vorstandsmitglied Uwe Baust, verantwortlich für das Dezernat für den Kunden.

Herr Baust, die aktuelle Zeit fordert unsere Kunden in jeder Hinsicht enorm. Was tun wir um kurzfristig in der Krise zu helfen?

„Wir sind trotz erzwungener Distanz unseren Kunden und ihren Bedürfnissen nah. Wir lassen niemanden in der Krise allein, unsere Firmenkunden unterstützen wir kurzfristig im Sinne einer Akuthilfe, vor allem bei Liquiditätsengpässen. Schon Anfang März, also vor dem Lockdown, haben wir hier in der Stadtsparkasse Düsseldorf aktiv begonnen unsere Kunden auf die individuellen Auswirkungen der Pandemie anzusprechen. Bis heute haben wir proaktiv fast 4500 Firmenkunden, darauf sind wir wirklich stolz, persönlich angerufen. Mit denen, die Bedarf geäußert haben, haben wir dann zur Liquiditätsüberbrückung in der kurzen Zeit bereits in über 750 Fällen konkrete Anträge, insbesondere für KfW Förderkredite und über 120 Vereinbarungen über Tilgungsaussetzungen, bearbeitet. Ein besonderes Merkmal ist dabei, dass wir neben den Förderkrediten an sich auch eine sofortige hälftige Vorfinanzierung, dieser oft erst nach einigen Wochen fließenden Mittel, anbieten. Mitte März haben wir dazu innerhalb von weniger als einer Woche einen Online Eingangskanal für Liquiditätshilfe Kredite gebaut, der schnell und einfach, das ist meiner Meinung nach ganz wichtig für die Mittelstandskunden, funktioniert. Einen vergleichbaren Eingangskanal finden sie sonst kaum in der deutschen Bankenlandschaft.“

Herr Baust, und langfristig? Wie helfen wir denn unseren Kunden den Blick jetzt wieder strategisch nach vorne zu richten?

„Nach dem ersten Schock durch COVID-19 sind sich die meisten Kunden sehr wohl bewusst, dass sie sich nun auf strategische Fragen einstellen müssen. Es geht darum zu einer Art neuer Normalität zu finden, in der die Digitalisierung eine viel größere Rolle spielt, als früher. Hier stellen wir gezielt kleinen und mittelgroßen Unternehmen mit einem spezifischen Kreditprogramm, sowie modernsten Zahlungsverkehrslösungen und das alles eben auch mit persönlicher und konkreter Beratung und auch mit unserem großen Partnernetzwerk, zur Verfügung.“

Herr Baust, Krisen offenbaren ja auch immer sehr deutlich Nachholbedarf. Wo sollten Ihrer Meinung nach die Wirtschaft und mittelständische Unternehmen jetzt ansetzen? Also was ist sozusagen ein absolutes „Muss“?

„Nun zum einen, werden viele sicherlich ihr Liquiditätsmanagement überarbeiten und für die Zukunft definitiv großzügiger, sprich wetterfester gestalten, und auch gestalten müssen. Das ist wirklich ein „Muss“ für die Unternehmer. Außerdem sollten Betriebe ihre Lieferketten analysieren und gegebenenfalls adjustieren. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass nach der Krise wieder mehr in Europa produziert und beschafft wird, zumal sich dies auch auf den ökologischen und gesellschaftlichen immer wichtiger werdenden Aspekt der Nachhaltigkeit einzahlt. Der größte Nachholbedarf besteht aber ganz eindeutig bei der Digitalisierung. Quasi von einem Tag auf den anderen mussten Unternehmen, auch unser Haus, auf mobiles Arbeiten umstellen und Mitarbeitende müssen auf eine funktionsfähige und belastbare Serverstruktur zugreifen können. Der Spruch „Das haben wir doch immer so gemacht“ trägt definitiv nicht mehr. Die Digitalisierung verändert somit auch signifikant und relativ schnell die Bedarfsprofile und Einsatzgebiete für Mitarbeitende.“

Viele Unternehmen haben ja jetzt gerade ganz andere Sorgen, als sich um Investitionen in ihre digitale Infrastruktur zu kümmern. Was sagen wir diesen Kunden? Oder wie können wir diesen Kunden jetzt vor allem helfen?

„Um Unternehmerinnen und Unternehmer hier zu unterstützen haben wir gemeinsam mit unserem Netzwerkpartner Jungmut einen exklusiven Digitalisierungscheck – zugeschnitten auf kleine und mittelgroße Unternehmen (KMUs) – entwickelt. Das ist eine Webanwendung, die im Rahmen eines strategischen Dialogs mit unseren Firmenkundenbetreuern und Firmenkundenbetreuerinnen am Ende ganz konkrete Handlungsfelder Punkt für Punkt entlang der jeweils individuellen Wertschöpfungskette eines Kunden aufzeigt. Anschließend kann dann das Unternehmen daraus Prioritäten ableiten. Also dort, wo die Digitalisierung den größten spezifischen Nutzen stiften kann, ansetzen. Das kann auch ein sich Herantasten an eine überschaubare erste Anwendungslösung sein, wie zum Beispiel die Automatisierung der Zahlungseingänge oder einfacheren administrativen Vorgängen. Für die konkrete Umsetzung vermitteln wir unseren Kunden die zu KMU passenden Ansprechpartner aus unserem großen Netzwerk. Zur Finanzierung haben wir ein Sonderkreditprogramm für Investition in digitale Projekte im weitesten Sinne, generell in innovative Investition, entwickelt. Und wir koppeln diese, last but not least, mit einer Beratung darüber, welche staatlichen Förderprogramme geeignet sind. Im Übrigen bin ich davon fest überzeugt, dass die in Kürze kommenden sogenannten Konjunkturprogramme von Bund und Ländern genau hier in der Digitalisierung ein Schwerpunkt setzen werden. Also den sollten sich chancenorientierte Unternehmer nicht entgehen lassen.

Wir begleiten ja nicht nur unsere
Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung, sondern müssen das auch in unserem
eigenen Haus umsetzen. Wie treiben wir, als Stadtsparkasse Düsseldorf, das
Ganze voran?

„Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt. In unserem eigenen Haus haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr die Netzwerkstatt gegründet. Hier erleben Crossfunktionale Teams neue Formen der Zusammenarbeit und dies in einer ganz anderen Geschwindigkeit und mit einem viel besseren bereichsübergreifenden wechselseitigen Verständnis, als früher. Wir werden, darauf aufbauend, ab diesem Jahr gezielt unseren Multikanalvertrieb im Firmenkundengeschäft ausbauen, durch Investitionen in mediale Angebote, sprich in unser Internetangebot, sowie in telefonische Business Service Dienstleistungen. Wir haben dabei als erste Sparkasse in Deutschland ein Firmenkundenportal ins Netz gestellt. Wichtig ist, dass wir dabei für unsere kleinen und mittelgroßen Firmenkunden, also anders als viele Wettbewerber aus dem Kreis von Geschäftsbanken, direkt Banken und Fintechs, in ganz klaren Abgrenzungen auch mit unserem stationären Vertrieb vollumfänglich, in der parallel persönlichen Betreuung, hier vor Ort bleiben. Der Kunde ist also derjenige, der entscheidet, wann er welchen der drei Kanäle stationär, medial oder telefonisch nutzen möchte. Wir schauen aber auch immer über den Tellerrand hinaus. Wir sind zum Beispiel am Venture Capital Fonds von Capnamic Ventures beteiligt und haben darüber einen tiefen Einblick in die Startup Szene und auf innovative B2B Geschäftsmodelle bekommen. Und dieses Netzwerk öffnen wir auch systematisch für unsere Firmenkunden, um sie mit aufstrebenden Startups zusammenzubringen. Das Ziel ist dabei, dass die Teilnehmenden konkrete Impulse für ihr eigenes Geschäftsmodell mitnehmen, um sich dann zukunftssicher aufzustellen.“

Meine letzte Frage, Herr Baust, ist eher eine persönliche: Wie geht es Ihnen nach fast drei Monaten, die wir jetzt schon mit der COVID-19 Pandemie leben müssen?

„Ich denke, vielen Mitarbeitenden und auch mir ist in diesen Zeiten noch mal klar geworden, wozu wir eigentlich diesen Beruf ergriffen haben und warum er uns so erfüllt. Und auf die Gefahr hin, dass das jetzt pathetisch rüberkommt, aber ich meine das ganz ernst, wir liefern den Kunden unterschiedlichster Branchen und Größe in ganz konkreter und höchstpersönlicher Art und Weise Kreditmittel, Know-how Netzwerk und tragen so unmittelbar zur Stärkung unserer Wirtschaft und unserer Heimatregion bei. Wir sind in der Corona Krise maßgeblicher Teil der Lösung. Das ist es, was uns antreibt. Das ergibt für uns alle sehr viel Sinn und das ist es, was uns hier motiviert.“

Vielen Dank auch an Sie, Herr Baust, für das spannende Gespräch. Wir sehen also, die COVID-19 Pandemie stellt nicht nur unser Privatleben auf den Kopf, sondern sorgt auch für wirtschaftlichen Krisenmodus. Die Digitalisierung kann helfen, Geschäftsmodelle trotz Krise weiterzuführen, bzw. abzuändern, sodass sie sich an die aktuelle Lage anpassen. Aber auch langfristig wird diese Krise erheblichen Einfluss auf die Digitalisierung im Mittelstand haben. Laut Prognosen kann sie eine echte Chance sein.

Wenn Sie gerade vor ähnlichen Herausforderungen stehen, die wir in unserer Folge beschrieben haben und Sie Unterstützung brauchen oder Fragen haben, wir bei der Stadtsparkasse Düsseldorf beraten Sie gerne. Schauen Sie dafür einfach auf unserem Firmenkundenportal unter www.sskduesseldorf.de/firmenkunden vorbei.

In einer der nächsten Folgen von #DigiDUS beleuchten wir das Thema Cybersecurity und widmen uns den Herausforderungen in der Krise speziell für Familienunternehmen. Bis dahin bleiben Sie bitte gesund und wir freuen uns, wenn Sie dann wieder zuhören.

Transkript zur Folge #2

#DigiDUS: Digitalisierungstrends und Herausforderungen im Mittelstand

Ein Podcast der Stadtsparkasse Düsseldorf

Rund 39 Millionen Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie Digitalisierung bei Google eingeben. Ist also schon alles zu dem Thema gesagt? Wir, von der Stadtsparkasse Düsseldorf, beantworten diese Frage mit einem klaren „Nein“ – und unserem Podcast #DigiDUS. Mein Name ist Jeannine Malchareck-Wirtz und ich freue mich, Ihnen unseren Podcast zur Digitalisierung im Mittelstand präsentieren zu dürfen In #DigiDUS erfahren Sie, welche Chancen die Digitalisierung für den Mittelstand bietet und welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir blicken auf die politische Tragweite der Digitalisierung, auf Cybersecurity, das Potenzial von Daten, auf künstliche Intelligenz und stellen natürlich “Best Practices” vor. Gleichzeitig zeigen wir, wie wir als Stadtsparkasse Düsseldorf den Mittelstand hinsichtlich der Digitalisierung beraten und unterstützen können.

In dieser ersten Folge jedoch dreht sich alles um den Krisenmodus. Nicht nur eine Pandemie, wie die durch COVID-19 ausgelöste, auch andere Faktoren lösen Krisen im Mittelstand aus. Die Digitalisierung kann ein Hebel sein, um Krisen frühzeitig zu antizipieren, sich besser auf diese vorzubereiten und gestärkter aus ihnen hervorzugehen. Die Digitalisierung ist bereits seit den 70er Jahren ein Thema und so aktuell wie nie, denn die stetige technologische Weiterentwicklung macht es kleinen wie großen Unternehmen immer einfacher Services oder Prozesse zu digitalisieren, digitale Aspekte in ihre Strukturen zu integrieren oder sich komplett umzustellen. So scheint es zumindest, denn gerade in Krisenzeiten erhöht sich der Digitalisierungsdruck auf Kleinst- und Kleinbetriebe, sowie Mittelständler enorm. Gleichzeitig bieten sie enormes Potenzial.

“Die Krise ist ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben”, sagte Bitkom Präsident Achim Berg Anfang April 2020 der dpa. Man habe sich bisher zu viel Zeit gelassen. Er verweist zudem auf eine Bitkom Umfrage von Anfang des Jahres, die angibt, dass neun von zehn befragten Unternehmen, die damals im Raum stehenden Ausgangsbeschränkungen eher als Chance sehen würden, als ein Risiko. Gleichzeitig gebe aber auch jedes dritte Unternehmen an, Probleme bei der Digitalisierung zu haben. Jetzt hieße es, digitale Infrastrukturen massiv aufzubauen, Geschäftsprozesse umfassend zu digitalisieren und vor allem neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Der BITKOM Präsident ist der Überzeugung, die aktuelle Situation bietet eine echte Chance einen Kick Start hinzulegen und die sollte man nutzen.

Auch die Stadtsparkasse selbst stand und steht durch die COVID-19 Krise vor Herausforderungen, die teilweise durch Digitalisierung angegangen und gemeistert werden können. Durch die Krise sind wir gefordert uns anders als bisher aufzustellen. Karin-Brigitte Göbel ist die Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf und sie hat das Unternehmen in dieser Krise federführend transformiert.

Liebe Frau Göbel, die Krise hat uns alle privat wie beruflich in irgendeiner Form getroffen. Welche Auswirkungen sehen Sie vor allem für die Wirtschaft und die mittelständischen Unternehmen hier in der Region Düsseldorf?

„Die Corona Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft, vor allem mittelständische Unternehmen, weit schlimmer als in der Finanzkrise 2008. Lassen Sie mich zu einer Umfrage des deutschen Industrie- und Handelskammertages kommen, die aufgezeigt hat, wie viele Unternehmen betroffen sind, und zwar über 90%. Allen voran das Gastgewerbe und die Tourismusbranche und wenn ich jetzt dann einfach mal zu führenden Wirtschaftsforschungsinstituten schauen darf, dann sagen die eine Rezession voraus, die einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um bis zu 7,5% bedeuten können. Ich glaube das ist auch nicht aus der Welt.“

Frau Göbel, waren wir eigentlich als Stadtsparkasse auf einen solchen Krisenfall vorbereitet, oder gab es spontan Nachholbedarf ?

„Natürlich haben wir einen sogenannten „Pandemieplan“, nach welchem wir in diesen Zeiten arbeiten, aber niemand kann auf eine Pandemie dieses Ausmaßes komplett vorbereitet sein. Zum Glück kann ich sagen, dass wir schon lange in der Stadtsparkasse intensiv daran gearbeitet haben unser Haus stabil für die Zukunft aufzustellen. Wenn ich ehrlich bin, kommt uns das jetzt wirklich zugute. Was zählt dazu heute? Heute leben wir multikanal und unsere Online und Mobile Services werden weiter ausgebaut. Unsere Kunden müssen für viele Abschlüsse gar nicht mehr in die Filiale kommen, sie können diese online oder per Telefon erledigen und außerdem haben wir eine Kultur etabliert, die es ermöglicht uns schnell und unbürokratisch auf neue Situationen einzustellen, was in Zeiten wie dieser von großem Vorteil ist.“

Frau Göbel, wenn ich das noch mal kurz aufnehme, was sie gerade zum Thema Digitalisierung gesagt haben: Was sind denn dann die eigenen, aktuellen Baustellen und Herausforderungen in Bezug auf die Digitalisierung für die Stadtsparkasse Düsseldorf? Vor allem jetzt in einer solchen Krise.

„Eine ganz besondere Herausforderung in dieser Zeit ist es, unseren Kunden trotz der räumlichen Distanz persönlich nah zu bleiben, aber ich bin überzeugt, dass es uns telefonisch über die sogenannten „Care Calls“ in den vielen persönlichen Telefonaten oder auch online gelungen ist, eine persönliche Nähe zu unseren Kunden aufzubauen. Generell aber, um jetzt Fakten zu nennen, bauen wir unsere digitalen Produkte und Serviceangebote weiter aus, um unseren Kunden ein wirklich verlässlicher und starker Partner zu sein. Den Einsatz von künstlicher Intelligenz erarbeiten wir eng mit unserem Netzwerk zusammen, um dann Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung zur Seite stehen zu können und sie zu begleiten, ja um einfach schnell zu sein.“

Was konnten wir dann bereits nach dieser Zeit für unsere zukünftige Arbeit lernen, also als Stichwort beispielsweise „agiles und mobiles Arbeiten“? Und was können wir davon vor allem für unsere Kunden mitnehmen?

„Das „agile“, ja ich mag sogar sagen, dass super agile teamübergreifende Arbeiten hat gezeigt, dass so extrem vieles möglich ist. Wenn wir uns darauf konzentrieren, was geht und nicht darauf, was nicht geht, dann können wir quasi Berge versetzen. So sind innerhalb von 99 Stunden das Coronavirus Soforthilfeportal für unsere Firmenkunden und auch ein Gutscheinportal entstanden. Die ersten Kundenanträge auf Soforthilfe wurden bereits nach vier Tagen bewilligt. Der Erfolg des Projektes zeigt mir, dass wir wirklich trotz der hohen Arbeitsbelastung und des Zeitdrucks, alle an einem Strang gezogen haben und das obwohl über 60% der Mitarbeitenden mobil gearbeitet haben und dies für viele von uns eine ganz neue Erfahrung und ein ganz neues Umfeld ist. Da bin ich direkt beim nächsten Stichwort: Alles, was wir getan haben, haben wir für unsere Kunden entwickelt. Wir haben sehr viel dazu gelernt. Wir haben einen Quantensprung gemacht in der Weiterentwicklung unseres Hauses. Was jetzt wichtig ist, und darauf kommt es wirklich in den nächsten Wochen und Monaten an, dass wir das Erlernte nutzen, damit wir unsere Regelprozesse verbessern, schneller und kreativer machen können, und so nicht wieder in die Zeit vor Corona zurückgehen.“

Frau Göbel, Sie haben es gerade selbst beschrieben: Die dynamischen Situationen, die Schnelligkeit, die hohe Arbeitsbelastung. Wie nehmen Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtsparkasse Düsseldorf in dieser sich stetig verändernden Situation mit?

„Wie alle Unternehmen, erleben auch wir in der Stadtsparkasse Düsseldorf einen ständigen Wandel, sowohl organisatorisch als auch kulturell. In dieser Zeit hat insbesondere die Kommunikation einen extrem hohen Stellenwert. Lassen Sie mich da noch einmal tiefer drauf eingehen. In der Corona Pandemie haben wir beispielsweise einen neuen internen Blog ins Leben gerufen, unseren sogenannten „Corona Ticker“, der transparent alle Beschlüsse, alle internen Informationen, aber auch Tipps, Tricks und Ideen zusammenstellt und ebenfalls externe relevante Nachrichten mit hinzu nimmt, um so umfassend jeden einzelnen Mitarbeitenden, jede einzelne Mitarbeitende zu informieren. Es ist glaube ich keine Überraschung, wenn ich hier an dieser Stelle sage, dass das Feedback unserer Mitarbeitenden darauf mehr als überzeugend ist. Die Klickzahlen sprechen für sich.“

Und wie profitiert ihrer Meinung nach auch die Stadt Düsseldorf von der Arbeit der Stadtsparkasse in dieser Krisenzeit?

„Unser Ziel ist es nun, die regionale Wirtschaft, den Einzelhandel und die Handwerksbetriebe zu unterstützen. Es geht uns darum, Arbeitsplätze und die kulturelle Vielfalt in unserer tollen Stadt Düsseldorf zu sichern um unsere Lieblingsorte, die Cafés, Bars, Kinos oder den Krämer nebenan auch nach der Krise besuchen zu können. Das ist einer der großen Wünsche und da mitzuwirken, das treibt uns jeden Tag an. Wir tragen dazu verantwortlich bei, indem wir als Stadtsparkasse Düsseldorf einerseits unbürokratische finanzielle Soforthilfe bieten und andererseits den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, selbst aktiv zu werden. Wir haben mit anderen Partnern zusammen einen Gutscheinportal ins Leben gerufen, über das lokale Einzelhändler, aber auch Dienstleister, ganz unkompliziert Gutscheine für die Zeit nach Corona verkaufen können. Wir bieten das alles kostenlos an. So kann jeder durch den Erwerb von Gutscheinen dazu beitragen, dass wir gemeinsam diese Situation meistern können. Die Stadt profitiert, aber auch wir profitieren durch das gemeinsame Arbeiten mit den vielen Partnern und dem großen Schulter an Schulter an Lösungen suchen.“

Vielen Dank Frau Göbel, für diese Einblicke. Nicht nur wir als Stadtsparkasse stehen aktuell vor Herausforderungen, denen wir zu großen Teilen mit digitalen Maßnahmen begegnen können. Auch unsere Kunden im Mittelstand tun dies. Die können wir als Stadtsparkasse hier unterstützen. Genau das, frage ich unser Vorstandsmitglied Uwe Baust, verantwortlich für das Dezernat für den Kunden.

Herr Baust, die aktuelle Zeit fordert unsere Kunden in jeder Hinsicht enorm. Was tun wir um kurzfristig in der Krise zu helfen?

„Wir sind trotz erzwungener Distanz unseren Kunden und ihren Bedürfnissen nah. Wir lassen niemanden in der Krise allein, unsere Firmenkunden unterstützen wir kurzfristig im Sinne einer Akuthilfe, vor allem bei Liquiditätsengpässen. Schon Anfang März, also vor dem Lockdown, haben wir hier in der Stadtsparkasse Düsseldorf aktiv begonnen unsere Kunden auf die individuellen Auswirkungen der Pandemie anzusprechen. Bis heute haben wir proaktiv fast 4500 Firmenkunden, darauf sind wir wirklich stolz, persönlich angerufen. Mit denen, die Bedarf geäußert haben, haben wir dann zur Liquiditätsüberbrückung in der kurzen Zeit bereits in über 750 Fällen konkrete Anträge, insbesondere für KfW Förderkredite und über 120 Vereinbarungen über Tilgungsaussetzungen, bearbeitet. Ein besonderes Merkmal ist dabei, dass wir neben den Förderkrediten an sich auch eine sofortige hälftige Vorfinanzierung, dieser oft erst nach einigen Wochen fließenden Mittel, anbieten. Mitte März haben wir dazu innerhalb von weniger als einer Woche einen Online Eingangskanal für Liquiditätshilfe Kredite gebaut, der schnell und einfach, das ist meiner Meinung nach ganz wichtig für die Mittelstandskunden, funktioniert. Einen vergleichbaren Eingangskanal finden sie sonst kaum in der deutschen Bankenlandschaft.“

Herr Baust, und langfristig? Wie helfen wir denn unseren Kunden den Blick jetzt wieder strategisch nach vorne zu richten?

„Nach dem ersten Schock durch COVID-19 sind sich die meisten Kunden sehr wohl bewusst, dass sie sich nun auf strategische Fragen einstellen müssen. Es geht darum zu einer Art neuer Normalität zu finden, in der die Digitalisierung eine viel größere Rolle spielt, als früher. Hier stellen wir gezielt kleinen und mittelgroßen Unternehmen mit einem spezifischen Kreditprogramm, sowie modernsten Zahlungsverkehrslösungen und das alles eben auch mit persönlicher und konkreter Beratung und auch mit unserem großen Partnernetzwerk, zur Verfügung.“

Herr Baust, Krisen offenbaren ja auch immer sehr deutlich Nachholbedarf. Wo sollten Ihrer Meinung nach die Wirtschaft und mittelständische Unternehmen jetzt ansetzen? Also was ist sozusagen ein absolutes „Muss“?

„Nun zum einen, werden viele sicherlich ihr Liquiditätsmanagement überarbeiten und für die Zukunft definitiv großzügiger, sprich wetterfester gestalten, und auch gestalten müssen. Das ist wirklich ein „Muss“ für die Unternehmer. Außerdem sollten Betriebe ihre Lieferketten analysieren und gegebenenfalls adjustieren. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass nach der Krise wieder mehr in Europa produziert und beschafft wird, zumal sich dies auch auf den ökologischen und gesellschaftlichen immer wichtiger werdenden Aspekt der Nachhaltigkeit einzahlt. Der größte Nachholbedarf besteht aber ganz eindeutig bei der Digitalisierung. Quasi von einem Tag auf den anderen mussten Unternehmen, auch unser Haus, auf mobiles Arbeiten umstellen und Mitarbeitende müssen auf eine funktionsfähige und belastbare Serverstruktur zugreifen können. Der Spruch „Das haben wir doch immer so gemacht“ trägt definitiv nicht mehr. Die Digitalisierung verändert somit auch signifikant und relativ schnell die Bedarfsprofile und Einsatzgebiete für Mitarbeitende.“

Viele Unternehmen haben ja jetzt gerade ganz andere Sorgen, als sich um Investitionen in ihre digitale Infrastruktur zu kümmern. Was sagen wir diesen Kunden? Oder wie können wir diesen Kunden jetzt vor allem helfen?

„Um Unternehmerinnen und Unternehmer hier zu unterstützen haben wir gemeinsam mit unserem Netzwerkpartner Jungmut einen exklusiven Digitalisierungscheck – zugeschnitten auf kleine und mittelgroße Unternehmen (KMUs) – entwickelt. Das ist eine Webanwendung, die im Rahmen eines strategischen Dialogs mit unseren Firmenkundenbetreuern und Firmenkundenbetreuerinnen am Ende ganz konkrete Handlungsfelder Punkt für Punkt entlang der jeweils individuellen Wertschöpfungskette eines Kunden aufzeigt. Anschließend kann dann das Unternehmen daraus Prioritäten ableiten. Also dort, wo die Digitalisierung den größten spezifischen Nutzen stiften kann, ansetzen. Das kann auch ein sich Herantasten an eine überschaubare erste Anwendungslösung sein, wie zum Beispiel die Automatisierung der Zahlungseingänge oder einfacheren administrativen Vorgängen. Für die konkrete Umsetzung vermitteln wir unseren Kunden die zu KMU passenden Ansprechpartner aus unserem großen Netzwerk. Zur Finanzierung haben wir ein Sonderkreditprogramm für Investition in digitale Projekte im weitesten Sinne, generell in innovative Investition, entwickelt. Und wir koppeln diese, last but not least, mit einer Beratung darüber, welche staatlichen Förderprogramme geeignet sind. Im Übrigen bin ich davon fest überzeugt, dass die in Kürze kommenden sogenannten Konjunkturprogramme von Bund und Ländern genau hier in der Digitalisierung ein Schwerpunkt setzen werden. Also den sollten sich chancenorientierte Unternehmer nicht entgehen lassen.

Wir begleiten ja nicht nur unsere
Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung, sondern müssen das auch in unserem
eigenen Haus umsetzen. Wie treiben wir, als Stadtsparkasse Düsseldorf, das
Ganze voran?

„Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt. In unserem eigenen Haus haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr die Netzwerkstatt gegründet. Hier erleben Crossfunktionale Teams neue Formen der Zusammenarbeit und dies in einer ganz anderen Geschwindigkeit und mit einem viel besseren bereichsübergreifenden wechselseitigen Verständnis, als früher. Wir werden, darauf aufbauend, ab diesem Jahr gezielt unseren Multikanalvertrieb im Firmenkundengeschäft ausbauen, durch Investitionen in mediale Angebote, sprich in unser Internetangebot, sowie in telefonische Business Service Dienstleistungen. Wir haben dabei als erste Sparkasse in Deutschland ein Firmenkundenportal ins Netz gestellt. Wichtig ist, dass wir dabei für unsere kleinen und mittelgroßen Firmenkunden, also anders als viele Wettbewerber aus dem Kreis von Geschäftsbanken, direkt Banken und Fintechs, in ganz klaren Abgrenzungen auch mit unserem stationären Vertrieb vollumfänglich, in der parallel persönlichen Betreuung, hier vor Ort bleiben. Der Kunde ist also derjenige, der entscheidet, wann er welchen der drei Kanäle stationär, medial oder telefonisch nutzen möchte. Wir schauen aber auch immer über den Tellerrand hinaus. Wir sind zum Beispiel am Venture Capital Fonds von Capnamic Ventures beteiligt und haben darüber einen tiefen Einblick in die Startup Szene und auf innovative B2B Geschäftsmodelle bekommen. Und dieses Netzwerk öffnen wir auch systematisch für unsere Firmenkunden, um sie mit aufstrebenden Startups zusammenzubringen. Das Ziel ist dabei, dass die Teilnehmenden konkrete Impulse für ihr eigenes Geschäftsmodell mitnehmen, um sich dann zukunftssicher aufzustellen.“

Meine letzte Frage, Herr Baust, ist eher eine persönliche: Wie geht es Ihnen nach fast drei Monaten, die wir jetzt schon mit der COVID-19 Pandemie leben müssen?

„Ich denke, vielen Mitarbeitenden und auch mir ist in diesen Zeiten noch mal klar geworden, wozu wir eigentlich diesen Beruf ergriffen haben und warum er uns so erfüllt. Und auf die Gefahr hin, dass das jetzt pathetisch rüberkommt, aber ich meine das ganz ernst, wir liefern den Kunden unterschiedlichster Branchen und Größe in ganz konkreter und höchstpersönlicher Art und Weise Kreditmittel, Know-how Netzwerk und tragen so unmittelbar zur Stärkung unserer Wirtschaft und unserer Heimatregion bei. Wir sind in der Corona Krise maßgeblicher Teil der Lösung. Das ist es, was uns antreibt. Das ergibt für uns alle sehr viel Sinn und das ist es, was uns hier motiviert.“

Vielen Dank auch an Sie, Herr Baust, für das spannende Gespräch. Wir sehen also, die COVID-19 Pandemie stellt nicht nur unser Privatleben auf den Kopf, sondern sorgt auch für wirtschaftlichen Krisenmodus. Die Digitalisierung kann helfen, Geschäftsmodelle trotz Krise weiterzuführen, bzw. abzuändern, sodass sie sich an die aktuelle Lage anpassen. Aber auch langfristig wird diese Krise erheblichen Einfluss auf die Digitalisierung im Mittelstand haben. Laut Prognosen kann sie eine echte Chance sein.

Wenn Sie gerade vor ähnlichen Herausforderungen stehen, die wir in unserer Folge beschrieben haben und Sie Unterstützung brauchen oder Fragen haben, wir bei der Stadtsparkasse Düsseldorf beraten Sie gerne. Schauen Sie dafür einfach auf unserem Firmenkundenportal unter www.sskduesseldorf.de/firmenkunden vorbei.

In einer der nächsten Folgen von #DigiDUS beleuchten wir das Thema Cybersecurity und widmen uns den Herausforderungen in der Krise speziell für Familienunternehmen. Bis dahin bleiben Sie bitte gesund und wir freuen uns, wenn Sie dann wieder zuhören.

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