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Podcast #DigiDUS

Folge 7: Start-up meets Mittelstand

Podcast #DigiDUS

Folge 7: Start-up meets Mittelstand

  • Wie und wo lernen sich Start-ups und Mittelständler*innen am besten kennen? Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus?
  • Welche Vorteile bringt diese Kooperation Start-ups sowie mittelständischen Unternehmen?     
  • Welche Partner unterstützen Start-ups und Unternehmen bei der Vernetzung?
#DigiDUS

#DigiDUS

Rund 39 Millionen Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie „Digitalisierung“ bei Google eingeben. Ist also schon alles zum Thema gesagt? Wir beantworten diese Frage mit einem klaren „Nein“ – und mit unserem Podcast #DigiDUS. In #DigiDUS erfahren Sie, welche Chancen die  Digitalisierung für den Mittelstand bietet und welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir blicken auf die politische Tragweite der  Digitalisierung, auf Cyber-Security, das Potenzial von Daten, auf künstliche Intelligenz und stellen Best-Practices vor. Gleichzeitig  zeigen wir, wie wir als Stadtsparkasse Düsseldorf den Mittelstand hinsichtlich der Digitalisierung beraten und unterstützen können.

Aktueller Podcast

Folge #7 Start-ups meets Mittelstand

Jung –innovativ – digital. Diese Eigenschaften schreibt man Start-ups zu. Sie greifen Technologietrends auf und entwickeln daraus innovative Lösungen. Ihre digitalen Geschäftsmodelle vereinfachen und beschleunigen Prozesse. Davon können kleine und mittelständische Firmen enorm profitieren. Und darum geht’s in der siebten Folge:
Start-up meets Mittelstand – wie beide Seiten voneinander lernen können. Zu Gast: Chiara Aengevelt, Geschäftsführerin Aengevelt Immobilien GmbH & Co. KG sowie Christian Knott, Managing Partner Capnamic Ventures und Robin Nehring, Leiter Unternehmensstrategie der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Podcast Archiv

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Folge #1

In dieser ersten Folge von #DigiDUS dreht sich alles um den Krisenmodus. Nicht nur eine Pandemie, wie die durch COVID-19 ausgelöste, sondern auch andere Faktoren lösen Krisen im Mittelstand aus. Die Digitalisierung kann ein Hebel sein, um Krisen frühzeitig zu antizipieren, sich besser auf diese vorzubereiten und gestärkter aus ihnen hervorzugehen. „Die Krise ist ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg Anfang April 2020 der dpa.
Er ist der Überzeugung: „Die aktuelle Situation bietet eine echte Chance, einen Kickstart hinzulegen – und die sollte man nutzen.“
Wie die Stadtsparkasse Düsseldorf ihre mittelständischen Kunden bei der Digitalisierung unterstützt und wie sie im eigenen Haus die Digitalisierung angeht und meistert, erklären Karin-Brigitte Göbel, Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse und Vorstandsmitglied Uwe Baust.

Folge #2

Alle 39 Sekunden wird ein Unternehmen durch Cyberkriminelle angegriffen – klingt viel, ist es auch! Denn solche Angriffe können zu enormen Schäden führen – und Unternehmen in den Ruin treiben, wenn zum Beispiel hochsensible Daten mit der Welt geteilt werden. Deshalb widmen wir diese Folge unseres Podcasts #DigiDUS dem Thema „Cyber Security“. Wir erklären, was für Fehler Unternehmer häufig machen – vielleicht erkennen Sie ja den ein oder anderen bei sich selbst. Sollte das so sein, haben wir direkte Lösungen in petto, keine Sorge.

Folge #3

Unsicherheit, kompletter Kurswechsel, Existenzangst:
Die COVID-19-Pandemie hat vor allem Kleinst- und Kleinbetriebe sowie Familienunternehmen stark getroffen. Denn: Manche mussten Teile ihres Unternehmens, andere sogar ihr komplettes Portfolio überdenken. Anders machen, innovativ sein, digitalisieren, quasi von 0 auf 100, ist da nicht immer leicht. Genau deshalb sprechen wir in der dritten Folge von #DigiDUS mit einem Familienunternehmer, der selbst frisch von seinen Erfahrungen berichten kann – und direkt einige Tipps und auch Forderungen mit auf den Weg gibt.
Gäste: David Zülow, Zülow AG und Sebastian Drath, Stadtsparkasse Düsseldorf

Folge #4

Die Frauenquote ist ein viel diskutiertes Thema. Klar ist: Von einem Überschuss an Frauen in Führungspositionen sind wir in  Deutschland noch weit entfernt. Nur jede dritte Führungskraft ist weiblich. Noch schlechter sehen die Zahlen aus, wenn wir auf die Vorstände der Top 30 DAX-Unternehmen blicken: 12,8 % Frauen, davon keine einzige in der Rolle der Vorstandssprecherin. Jetzt kommt noch Corona hinzu: In Deutschland führt die Krise scheinbar auch noch zu einer Abnahme der Frauen in Dax-Vorständen, wie die Tagesschau im Oktober berichtete. Wir von der Stadtsparkasse Düsseldorf finden: Das Thema muss
sichtbarer gemacht werden! Daher reden wir darüber – in der 4. Podcast-Folge von #DigiDUS. Unser Gast: Zerrin Börcek, Gründerin, Technik-Nerd und selbst in Führungspositionen unterwegs. Wir sprechen darüber, ob Frauen als Gewinnerinnen oder Verliererinnen der Digitalisierung bezeichnet werden können, welche besonderen Herausforderungen auf dem Weg in eine Führungsposition warten und welche Rolle neue Technologien im Berufsalltag spielen.
Gäste: Zerrin Börcek, fe:male Innovation Hub und Britta Neisen, Geschäftsführerin Kommunikationsagentur K12 und Tanja Küpper-Schlotmann, Geschäftsführerin Fritz Manke GmbH

Folge #5

Künstliche Intelligenz (KI) ist schon seit vielen Jahren ein heiß diskutiertes Thema. Die einen loben sie als Allheilsbringer, die anderen verteufeln sie. Die Wahrheit liegt wohl zwischen diesen beiden Extremen. Denn KI kann – passend eingesetzt – vieles automatisieren, effizienter machen und Redundanzen vermeiden. Doch wie identifiziert man KI-Potenziale im eigenen Unternehmen? Und mit welchen Schritten fängt man bei einem KI-Projekt an? Diese und weitere Fragen stellt unsere Moderatorin Jeannine Malcherek-Wirtz unserem Gast Mike Brandt in der 5. Folge von #DigiDUS. Mike Brandt hat gemeinsam mit Jonas Wenke das KI Design Unternehmen „33A“ gegründet und berät Unternehmen bei genau diesen Punkten.

Lösungsangebote der Stadtsparkasse Düsseldorf zur Künstlichen Intelligenz gibt es hier:

Folge #6

Alle reden über KI, doch wie kann sie eingesetzt werden? Gerade für mittelständische Unternehmen eine große Herausforderung. Deshalb haben wir für die 6. Podcastfolge von #DigiDUS mit Wolfram Schäfer (Walther Flender GmbH) und Tim Hufermann (Jungmut GmbH) gesprochen. Die beiden wissen, wie man KI-Projekte angeht – und erzählen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Transkript zur Folge #1

#DigiDUS: Digitalisierungstrends und Herausforderungen im Mittelstand

Ein Podcast der Stadtsparkasse Düsseldorf

Rund 39 Millionen Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie Digitalisierung bei Google eingeben. Ist also schon alles zu dem Thema gesagt? Wir, von der Stadtsparkasse Düsseldorf, beantworten diese Frage mit einem klaren „Nein“ – und unserem Podcast #DigiDUS. Mein Name ist Jeannine Malchareck-Wirtz und ich freue mich, Ihnen unseren Podcast zur Digitalisierung im Mittelstand präsentieren zu dürfen In #DigiDUS erfahren Sie, welche Chancen die Digitalisierung für den Mittelstand bietet und welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir blicken auf die politische Tragweite der Digitalisierung, auf Cybersecurity, das Potenzial von Daten, auf künstliche Intelligenz und stellen natürlich “Best Practices” vor. Gleichzeitig zeigen wir, wie wir als Stadtsparkasse Düsseldorf den Mittelstand hinsichtlich der Digitalisierung beraten und unterstützen können.

In dieser ersten Folge jedoch dreht sich alles um den Krisenmodus. Nicht nur eine Pandemie, wie die durch COVID-19 ausgelöste, auch andere Faktoren lösen Krisen im Mittelstand aus. Die Digitalisierung kann ein Hebel sein, um Krisen frühzeitig zu antizipieren, sich besser auf diese vorzubereiten und gestärkter aus ihnen hervorzugehen. Die Digitalisierung ist bereits seit den 70er Jahren ein Thema und so aktuell wie nie, denn die stetige technologische Weiterentwicklung macht es kleinen wie großen Unternehmen immer einfacher Services oder Prozesse zu digitalisieren, digitale Aspekte in ihre Strukturen zu integrieren oder sich komplett umzustellen. So scheint es zumindest, denn gerade in Krisenzeiten erhöht sich der Digitalisierungsdruck auf Kleinst- und Kleinbetriebe, sowie Mittelständler enorm. Gleichzeitig bieten sie enormes Potenzial.

“Die Krise ist ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben”, sagte Bitkom Präsident Achim Berg Anfang April 2020 der dpa. Man habe sich bisher zu viel Zeit gelassen. Er verweist zudem auf eine Bitkom Umfrage von Anfang des Jahres, die angibt, dass neun von zehn befragten Unternehmen, die damals im Raum stehenden Ausgangsbeschränkungen eher als Chance sehen würden, als ein Risiko. Gleichzeitig gebe aber auch jedes dritte Unternehmen an, Probleme bei der Digitalisierung zu haben. Jetzt hieße es, digitale Infrastrukturen massiv aufzubauen, Geschäftsprozesse umfassend zu digitalisieren und vor allem neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Der BITKOM Präsident ist der Überzeugung, die aktuelle Situation bietet eine echte Chance einen Kick Start hinzulegen und die sollte man nutzen.

Auch die Stadtsparkasse selbst stand und steht durch die COVID-19 Krise vor Herausforderungen, die teilweise durch Digitalisierung angegangen und gemeistert werden können. Durch die Krise sind wir gefordert uns anders als bisher aufzustellen. Karin-Brigitte Göbel ist die Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf und sie hat das Unternehmen in dieser Krise federführend transformiert.

Liebe Frau Göbel, die Krise hat uns alle privat wie beruflich in irgendeiner Form getroffen. Welche Auswirkungen sehen Sie vor allem für die Wirtschaft und die mittelständischen Unternehmen hier in der Region Düsseldorf?

„Die Corona Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft, vor allem mittelständische Unternehmen, weit schlimmer als in der Finanzkrise 2008. Lassen Sie mich zu einer Umfrage des deutschen Industrie- und Handelskammertages kommen, die aufgezeigt hat, wie viele Unternehmen betroffen sind, und zwar über 90%. Allen voran das Gastgewerbe und die Tourismusbranche und wenn ich jetzt dann einfach mal zu führenden Wirtschaftsforschungsinstituten schauen darf, dann sagen die eine Rezession voraus, die einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um bis zu 7,5% bedeuten können. Ich glaube das ist auch nicht aus der Welt.“

Frau Göbel, waren wir eigentlich als Stadtsparkasse auf einen solchen Krisenfall vorbereitet, oder gab es spontan Nachholbedarf ?

„Natürlich haben wir einen sogenannten „Pandemieplan“, nach welchem wir in diesen Zeiten arbeiten, aber niemand kann auf eine Pandemie dieses Ausmaßes komplett vorbereitet sein. Zum Glück kann ich sagen, dass wir schon lange in der Stadtsparkasse intensiv daran gearbeitet haben unser Haus stabil für die Zukunft aufzustellen. Wenn ich ehrlich bin, kommt uns das jetzt wirklich zugute. Was zählt dazu heute? Heute leben wir multikanal und unsere Online und Mobile Services werden weiter ausgebaut. Unsere Kunden müssen für viele Abschlüsse gar nicht mehr in die Filiale kommen, sie können diese online oder per Telefon erledigen und außerdem haben wir eine Kultur etabliert, die es ermöglicht uns schnell und unbürokratisch auf neue Situationen einzustellen, was in Zeiten wie dieser von großem Vorteil ist.“

Frau Göbel, wenn ich das noch mal kurz aufnehme, was sie gerade zum Thema Digitalisierung gesagt haben: Was sind denn dann die eigenen, aktuellen Baustellen und Herausforderungen in Bezug auf die Digitalisierung für die Stadtsparkasse Düsseldorf? Vor allem jetzt in einer solchen Krise.

„Eine ganz besondere Herausforderung in dieser Zeit ist es, unseren Kunden trotz der räumlichen Distanz persönlich nah zu bleiben, aber ich bin überzeugt, dass es uns telefonisch über die sogenannten „Care Calls“ in den vielen persönlichen Telefonaten oder auch online gelungen ist, eine persönliche Nähe zu unseren Kunden aufzubauen. Generell aber, um jetzt Fakten zu nennen, bauen wir unsere digitalen Produkte und Serviceangebote weiter aus, um unseren Kunden ein wirklich verlässlicher und starker Partner zu sein. Den Einsatz von künstlicher Intelligenz erarbeiten wir eng mit unserem Netzwerk zusammen, um dann Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung zur Seite stehen zu können und sie zu begleiten, ja um einfach schnell zu sein.“

Was konnten wir dann bereits nach dieser Zeit für unsere zukünftige Arbeit lernen, also als Stichwort beispielsweise „agiles und mobiles Arbeiten“? Und was können wir davon vor allem für unsere Kunden mitnehmen?

„Das „agile“, ja ich mag sogar sagen, dass super agile teamübergreifende Arbeiten hat gezeigt, dass so extrem vieles möglich ist. Wenn wir uns darauf konzentrieren, was geht und nicht darauf, was nicht geht, dann können wir quasi Berge versetzen. So sind innerhalb von 99 Stunden das Coronavirus Soforthilfeportal für unsere Firmenkunden und auch ein Gutscheinportal entstanden. Die ersten Kundenanträge auf Soforthilfe wurden bereits nach vier Tagen bewilligt. Der Erfolg des Projektes zeigt mir, dass wir wirklich trotz der hohen Arbeitsbelastung und des Zeitdrucks, alle an einem Strang gezogen haben und das obwohl über 60% der Mitarbeitenden mobil gearbeitet haben und dies für viele von uns eine ganz neue Erfahrung und ein ganz neues Umfeld ist. Da bin ich direkt beim nächsten Stichwort: Alles, was wir getan haben, haben wir für unsere Kunden entwickelt. Wir haben sehr viel dazu gelernt. Wir haben einen Quantensprung gemacht in der Weiterentwicklung unseres Hauses. Was jetzt wichtig ist, und darauf kommt es wirklich in den nächsten Wochen und Monaten an, dass wir das Erlernte nutzen, damit wir unsere Regelprozesse verbessern, schneller und kreativer machen können, und so nicht wieder in die Zeit vor Corona zurückgehen.“

Frau Göbel, Sie haben es gerade selbst beschrieben: Die dynamischen Situationen, die Schnelligkeit, die hohe Arbeitsbelastung. Wie nehmen Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtsparkasse Düsseldorf in dieser sich stetig verändernden Situation mit?

„Wie alle Unternehmen, erleben auch wir in der Stadtsparkasse Düsseldorf einen ständigen Wandel, sowohl organisatorisch als auch kulturell. In dieser Zeit hat insbesondere die Kommunikation einen extrem hohen Stellenwert. Lassen Sie mich da noch einmal tiefer drauf eingehen. In der Corona Pandemie haben wir beispielsweise einen neuen internen Blog ins Leben gerufen, unseren sogenannten „Corona Ticker“, der transparent alle Beschlüsse, alle internen Informationen, aber auch Tipps, Tricks und Ideen zusammenstellt und ebenfalls externe relevante Nachrichten mit hinzu nimmt, um so umfassend jeden einzelnen Mitarbeitenden, jede einzelne Mitarbeitende zu informieren. Es ist glaube ich keine Überraschung, wenn ich hier an dieser Stelle sage, dass das Feedback unserer Mitarbeitenden darauf mehr als überzeugend ist. Die Klickzahlen sprechen für sich.“

Und wie profitiert ihrer Meinung nach auch die Stadt Düsseldorf von der Arbeit der Stadtsparkasse in dieser Krisenzeit?

„Unser Ziel ist es nun, die regionale Wirtschaft, den Einzelhandel und die Handwerksbetriebe zu unterstützen. Es geht uns darum, Arbeitsplätze und die kulturelle Vielfalt in unserer tollen Stadt Düsseldorf zu sichern um unsere Lieblingsorte, die Cafés, Bars, Kinos oder den Krämer nebenan auch nach der Krise besuchen zu können. Das ist einer der großen Wünsche und da mitzuwirken, das treibt uns jeden Tag an. Wir tragen dazu verantwortlich bei, indem wir als Stadtsparkasse Düsseldorf einerseits unbürokratische finanzielle Soforthilfe bieten und andererseits den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, selbst aktiv zu werden. Wir haben mit anderen Partnern zusammen einen Gutscheinportal ins Leben gerufen, über das lokale Einzelhändler, aber auch Dienstleister, ganz unkompliziert Gutscheine für die Zeit nach Corona verkaufen können. Wir bieten das alles kostenlos an. So kann jeder durch den Erwerb von Gutscheinen dazu beitragen, dass wir gemeinsam diese Situation meistern können. Die Stadt profitiert, aber auch wir profitieren durch das gemeinsame Arbeiten mit den vielen Partnern und dem großen Schulter an Schulter an Lösungen suchen.“

Vielen Dank Frau Göbel, für diese Einblicke. Nicht nur wir als Stadtsparkasse stehen aktuell vor Herausforderungen, denen wir zu großen Teilen mit digitalen Maßnahmen begegnen können. Auch unsere Kunden im Mittelstand tun dies. Die können wir als Stadtsparkasse hier unterstützen. Genau das, frage ich unser Vorstandsmitglied Uwe Baust, verantwortlich für das Dezernat für den Kunden.

Herr Baust, die aktuelle Zeit fordert unsere Kunden in jeder Hinsicht enorm. Was tun wir um kurzfristig in der Krise zu helfen?

„Wir sind trotz erzwungener Distanz unseren Kunden und ihren Bedürfnissen nah. Wir lassen niemanden in der Krise allein, unsere Firmenkunden unterstützen wir kurzfristig im Sinne einer Akuthilfe, vor allem bei Liquiditätsengpässen. Schon Anfang März, also vor dem Lockdown, haben wir hier in der Stadtsparkasse Düsseldorf aktiv begonnen unsere Kunden auf die individuellen Auswirkungen der Pandemie anzusprechen. Bis heute haben wir proaktiv fast 4500 Firmenkunden, darauf sind wir wirklich stolz, persönlich angerufen. Mit denen, die Bedarf geäußert haben, haben wir dann zur Liquiditätsüberbrückung in der kurzen Zeit bereits in über 750 Fällen konkrete Anträge, insbesondere für KfW Förderkredite und über 120 Vereinbarungen über Tilgungsaussetzungen, bearbeitet. Ein besonderes Merkmal ist dabei, dass wir neben den Förderkrediten an sich auch eine sofortige hälftige Vorfinanzierung, dieser oft erst nach einigen Wochen fließenden Mittel, anbieten. Mitte März haben wir dazu innerhalb von weniger als einer Woche einen Online Eingangskanal für Liquiditätshilfe Kredite gebaut, der schnell und einfach, das ist meiner Meinung nach ganz wichtig für die Mittelstandskunden, funktioniert. Einen vergleichbaren Eingangskanal finden sie sonst kaum in der deutschen Bankenlandschaft.“

Herr Baust, und langfristig? Wie helfen wir denn unseren Kunden den Blick jetzt wieder strategisch nach vorne zu richten?

„Nach dem ersten Schock durch COVID-19 sind sich die meisten Kunden sehr wohl bewusst, dass sie sich nun auf strategische Fragen einstellen müssen. Es geht darum zu einer Art neuer Normalität zu finden, in der die Digitalisierung eine viel größere Rolle spielt, als früher. Hier stellen wir gezielt kleinen und mittelgroßen Unternehmen mit einem spezifischen Kreditprogramm, sowie modernsten Zahlungsverkehrslösungen und das alles eben auch mit persönlicher und konkreter Beratung und auch mit unserem großen Partnernetzwerk, zur Verfügung.“

Herr Baust, Krisen offenbaren ja auch immer sehr deutlich Nachholbedarf. Wo sollten Ihrer Meinung nach die Wirtschaft und mittelständische Unternehmen jetzt ansetzen? Also was ist sozusagen ein absolutes „Muss“?

„Nun zum einen, werden viele sicherlich ihr Liquiditätsmanagement überarbeiten und für die Zukunft definitiv großzügiger, sprich wetterfester gestalten, und auch gestalten müssen. Das ist wirklich ein „Muss“ für die Unternehmer. Außerdem sollten Betriebe ihre Lieferketten analysieren und gegebenenfalls adjustieren. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass nach der Krise wieder mehr in Europa produziert und beschafft wird, zumal sich dies auch auf den ökologischen und gesellschaftlichen immer wichtiger werdenden Aspekt der Nachhaltigkeit einzahlt. Der größte Nachholbedarf besteht aber ganz eindeutig bei der Digitalisierung. Quasi von einem Tag auf den anderen mussten Unternehmen, auch unser Haus, auf mobiles Arbeiten umstellen und Mitarbeitende müssen auf eine funktionsfähige und belastbare Serverstruktur zugreifen können. Der Spruch „Das haben wir doch immer so gemacht“ trägt definitiv nicht mehr. Die Digitalisierung verändert somit auch signifikant und relativ schnell die Bedarfsprofile und Einsatzgebiete für Mitarbeitende.“

Viele Unternehmen haben ja jetzt gerade ganz andere Sorgen, als sich um Investitionen in ihre digitale Infrastruktur zu kümmern. Was sagen wir diesen Kunden? Oder wie können wir diesen Kunden jetzt vor allem helfen?

„Um Unternehmerinnen und Unternehmer hier zu unterstützen haben wir gemeinsam mit unserem Netzwerkpartner Jungmut einen exklusiven Digitalisierungscheck – zugeschnitten auf kleine und mittelgroße Unternehmen (KMUs) – entwickelt. Das ist eine Webanwendung, die im Rahmen eines strategischen Dialogs mit unseren Firmenkundenbetreuern und Firmenkundenbetreuerinnen am Ende ganz konkrete Handlungsfelder Punkt für Punkt entlang der jeweils individuellen Wertschöpfungskette eines Kunden aufzeigt. Anschließend kann dann das Unternehmen daraus Prioritäten ableiten. Also dort, wo die Digitalisierung den größten spezifischen Nutzen stiften kann, ansetzen. Das kann auch ein sich Herantasten an eine überschaubare erste Anwendungslösung sein, wie zum Beispiel die Automatisierung der Zahlungseingänge oder einfacheren administrativen Vorgängen. Für die konkrete Umsetzung vermitteln wir unseren Kunden die zu KMU passenden Ansprechpartner aus unserem großen Netzwerk. Zur Finanzierung haben wir ein Sonderkreditprogramm für Investition in digitale Projekte im weitesten Sinne, generell in innovative Investition, entwickelt. Und wir koppeln diese, last but not least, mit einer Beratung darüber, welche staatlichen Förderprogramme geeignet sind. Im Übrigen bin ich davon fest überzeugt, dass die in Kürze kommenden sogenannten Konjunkturprogramme von Bund und Ländern genau hier in der Digitalisierung ein Schwerpunkt setzen werden. Also den sollten sich chancenorientierte Unternehmer nicht entgehen lassen.

Wir begleiten ja nicht nur unsere
Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung, sondern müssen das auch in unserem
eigenen Haus umsetzen. Wie treiben wir, als Stadtsparkasse Düsseldorf, das
Ganze voran?

„Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt. In unserem eigenen Haus haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr die Netzwerkstatt gegründet. Hier erleben Crossfunktionale Teams neue Formen der Zusammenarbeit und dies in einer ganz anderen Geschwindigkeit und mit einem viel besseren bereichsübergreifenden wechselseitigen Verständnis, als früher. Wir werden, darauf aufbauend, ab diesem Jahr gezielt unseren Multikanalvertrieb im Firmenkundengeschäft ausbauen, durch Investitionen in mediale Angebote, sprich in unser Internetangebot, sowie in telefonische Business Service Dienstleistungen. Wir haben dabei als erste Sparkasse in Deutschland ein Firmenkundenportal ins Netz gestellt. Wichtig ist, dass wir dabei für unsere kleinen und mittelgroßen Firmenkunden, also anders als viele Wettbewerber aus dem Kreis von Geschäftsbanken, direkt Banken und Fintechs, in ganz klaren Abgrenzungen auch mit unserem stationären Vertrieb vollumfänglich, in der parallel persönlichen Betreuung, hier vor Ort bleiben. Der Kunde ist also derjenige, der entscheidet, wann er welchen der drei Kanäle stationär, medial oder telefonisch nutzen möchte. Wir schauen aber auch immer über den Tellerrand hinaus. Wir sind zum Beispiel am Venture Capital Fonds von Capnamic Ventures beteiligt und haben darüber einen tiefen Einblick in die Startup Szene und auf innovative B2B Geschäftsmodelle bekommen. Und dieses Netzwerk öffnen wir auch systematisch für unsere Firmenkunden, um sie mit aufstrebenden Startups zusammenzubringen. Das Ziel ist dabei, dass die Teilnehmenden konkrete Impulse für ihr eigenes Geschäftsmodell mitnehmen, um sich dann zukunftssicher aufzustellen.“

Meine letzte Frage, Herr Baust, ist eher eine persönliche: Wie geht es Ihnen nach fast drei Monaten, die wir jetzt schon mit der COVID-19 Pandemie leben müssen?

„Ich denke, vielen Mitarbeitenden und auch mir ist in diesen Zeiten noch mal klar geworden, wozu wir eigentlich diesen Beruf ergriffen haben und warum er uns so erfüllt. Und auf die Gefahr hin, dass das jetzt pathetisch rüberkommt, aber ich meine das ganz ernst, wir liefern den Kunden unterschiedlichster Branchen und Größe in ganz konkreter und höchstpersönlicher Art und Weise Kreditmittel, Know-how Netzwerk und tragen so unmittelbar zur Stärkung unserer Wirtschaft und unserer Heimatregion bei. Wir sind in der Corona Krise maßgeblicher Teil der Lösung. Das ist es, was uns antreibt. Das ergibt für uns alle sehr viel Sinn und das ist es, was uns hier motiviert.“

Vielen Dank auch an Sie, Herr Baust, für das spannende Gespräch. Wir sehen also, die COVID-19 Pandemie stellt nicht nur unser Privatleben auf den Kopf, sondern sorgt auch für wirtschaftlichen Krisenmodus. Die Digitalisierung kann helfen, Geschäftsmodelle trotz Krise weiterzuführen, bzw. abzuändern, sodass sie sich an die aktuelle Lage anpassen. Aber auch langfristig wird diese Krise erheblichen Einfluss auf die Digitalisierung im Mittelstand haben. Laut Prognosen kann sie eine echte Chance sein.

Wenn Sie gerade vor ähnlichen Herausforderungen stehen, die wir in unserer Folge beschrieben haben und Sie Unterstützung brauchen oder Fragen haben, wir bei der Stadtsparkasse Düsseldorf beraten Sie gerne. Schauen Sie dafür einfach auf unserem Firmenkundenportal unter www.sskduesseldorf.de/firmenkunden vorbei.

In einer der nächsten Folgen von #DigiDUS beleuchten wir das Thema Cybersecurity und widmen uns den Herausforderungen in der Krise speziell für Familienunternehmen. Bis dahin bleiben Sie bitte gesund und wir freuen uns, wenn Sie dann wieder zuhören.

Transkript zur Folge #2

#DigiDUS: Digitalisierungstrends und Herausforderungen im Mittelstand

Ein Podcast der Stadtsparkasse Düsseldorf

Rund 39 Millionen Ergebnisse erhalten Sie, wenn Sie Digitalisierung bei Google eingeben. Ist also schon alles zu dem Thema gesagt? Wir, von der Stadtsparkasse Düsseldorf, beantworten diese Frage mit einem klaren „Nein“ – und unserem Podcast #DigiDUS. Mein Name ist Jeannine Malchareck-Wirtz und ich freue mich, Ihnen unseren Podcast zur Digitalisierung im Mittelstand präsentieren zu dürfen In #DigiDUS erfahren Sie, welche Chancen die Digitalisierung für den Mittelstand bietet und welche Herausforderungen sie mit sich bringt. Wir blicken auf die politische Tragweite der Digitalisierung, auf Cybersecurity, das Potenzial von Daten, auf künstliche Intelligenz und stellen natürlich “Best Practices” vor. Gleichzeitig zeigen wir, wie wir als Stadtsparkasse Düsseldorf den Mittelstand hinsichtlich der Digitalisierung beraten und unterstützen können.

In dieser ersten Folge jedoch dreht sich alles um den Krisenmodus. Nicht nur eine Pandemie, wie die durch COVID-19 ausgelöste, auch andere Faktoren lösen Krisen im Mittelstand aus. Die Digitalisierung kann ein Hebel sein, um Krisen frühzeitig zu antizipieren, sich besser auf diese vorzubereiten und gestärkter aus ihnen hervorzugehen. Die Digitalisierung ist bereits seit den 70er Jahren ein Thema und so aktuell wie nie, denn die stetige technologische Weiterentwicklung macht es kleinen wie großen Unternehmen immer einfacher Services oder Prozesse zu digitalisieren, digitale Aspekte in ihre Strukturen zu integrieren oder sich komplett umzustellen. So scheint es zumindest, denn gerade in Krisenzeiten erhöht sich der Digitalisierungsdruck auf Kleinst- und Kleinbetriebe, sowie Mittelständler enorm. Gleichzeitig bieten sie enormes Potenzial.

“Die Krise ist ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben”, sagte Bitkom Präsident Achim Berg Anfang April 2020 der dpa. Man habe sich bisher zu viel Zeit gelassen. Er verweist zudem auf eine Bitkom Umfrage von Anfang des Jahres, die angibt, dass neun von zehn befragten Unternehmen, die damals im Raum stehenden Ausgangsbeschränkungen eher als Chance sehen würden, als ein Risiko. Gleichzeitig gebe aber auch jedes dritte Unternehmen an, Probleme bei der Digitalisierung zu haben. Jetzt hieße es, digitale Infrastrukturen massiv aufzubauen, Geschäftsprozesse umfassend zu digitalisieren und vor allem neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Der BITKOM Präsident ist der Überzeugung, die aktuelle Situation bietet eine echte Chance einen Kick Start hinzulegen und die sollte man nutzen.

Auch die Stadtsparkasse selbst stand und steht durch die COVID-19 Krise vor Herausforderungen, die teilweise durch Digitalisierung angegangen und gemeistert werden können. Durch die Krise sind wir gefordert uns anders als bisher aufzustellen. Karin-Brigitte Göbel ist die Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Düsseldorf und sie hat das Unternehmen in dieser Krise federführend transformiert.

Liebe Frau Göbel, die Krise hat uns alle privat wie beruflich in irgendeiner Form getroffen. Welche Auswirkungen sehen Sie vor allem für die Wirtschaft und die mittelständischen Unternehmen hier in der Region Düsseldorf?

„Die Corona Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft, vor allem mittelständische Unternehmen, weit schlimmer als in der Finanzkrise 2008. Lassen Sie mich zu einer Umfrage des deutschen Industrie- und Handelskammertages kommen, die aufgezeigt hat, wie viele Unternehmen betroffen sind, und zwar über 90%. Allen voran das Gastgewerbe und die Tourismusbranche und wenn ich jetzt dann einfach mal zu führenden Wirtschaftsforschungsinstituten schauen darf, dann sagen die eine Rezession voraus, die einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um bis zu 7,5% bedeuten können. Ich glaube das ist auch nicht aus der Welt.“

Frau Göbel, waren wir eigentlich als Stadtsparkasse auf einen solchen Krisenfall vorbereitet, oder gab es spontan Nachholbedarf ?

„Natürlich haben wir einen sogenannten „Pandemieplan“, nach welchem wir in diesen Zeiten arbeiten, aber niemand kann auf eine Pandemie dieses Ausmaßes komplett vorbereitet sein. Zum Glück kann ich sagen, dass wir schon lange in der Stadtsparkasse intensiv daran gearbeitet haben unser Haus stabil für die Zukunft aufzustellen. Wenn ich ehrlich bin, kommt uns das jetzt wirklich zugute. Was zählt dazu heute? Heute leben wir multikanal und unsere Online und Mobile Services werden weiter ausgebaut. Unsere Kunden müssen für viele Abschlüsse gar nicht mehr in die Filiale kommen, sie können diese online oder per Telefon erledigen und außerdem haben wir eine Kultur etabliert, die es ermöglicht uns schnell und unbürokratisch auf neue Situationen einzustellen, was in Zeiten wie dieser von großem Vorteil ist.“

Frau Göbel, wenn ich das noch mal kurz aufnehme, was sie gerade zum Thema Digitalisierung gesagt haben: Was sind denn dann die eigenen, aktuellen Baustellen und Herausforderungen in Bezug auf die Digitalisierung für die Stadtsparkasse Düsseldorf? Vor allem jetzt in einer solchen Krise.

„Eine ganz besondere Herausforderung in dieser Zeit ist es, unseren Kunden trotz der räumlichen Distanz persönlich nah zu bleiben, aber ich bin überzeugt, dass es uns telefonisch über die sogenannten „Care Calls“ in den vielen persönlichen Telefonaten oder auch online gelungen ist, eine persönliche Nähe zu unseren Kunden aufzubauen. Generell aber, um jetzt Fakten zu nennen, bauen wir unsere digitalen Produkte und Serviceangebote weiter aus, um unseren Kunden ein wirklich verlässlicher und starker Partner zu sein. Den Einsatz von künstlicher Intelligenz erarbeiten wir eng mit unserem Netzwerk zusammen, um dann Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung zur Seite stehen zu können und sie zu begleiten, ja um einfach schnell zu sein.“

Was konnten wir dann bereits nach dieser Zeit für unsere zukünftige Arbeit lernen, also als Stichwort beispielsweise „agiles und mobiles Arbeiten“? Und was können wir davon vor allem für unsere Kunden mitnehmen?

„Das „agile“, ja ich mag sogar sagen, dass super agile teamübergreifende Arbeiten hat gezeigt, dass so extrem vieles möglich ist. Wenn wir uns darauf konzentrieren, was geht und nicht darauf, was nicht geht, dann können wir quasi Berge versetzen. So sind innerhalb von 99 Stunden das Coronavirus Soforthilfeportal für unsere Firmenkunden und auch ein Gutscheinportal entstanden. Die ersten Kundenanträge auf Soforthilfe wurden bereits nach vier Tagen bewilligt. Der Erfolg des Projektes zeigt mir, dass wir wirklich trotz der hohen Arbeitsbelastung und des Zeitdrucks, alle an einem Strang gezogen haben und das obwohl über 60% der Mitarbeitenden mobil gearbeitet haben und dies für viele von uns eine ganz neue Erfahrung und ein ganz neues Umfeld ist. Da bin ich direkt beim nächsten Stichwort: Alles, was wir getan haben, haben wir für unsere Kunden entwickelt. Wir haben sehr viel dazu gelernt. Wir haben einen Quantensprung gemacht in der Weiterentwicklung unseres Hauses. Was jetzt wichtig ist, und darauf kommt es wirklich in den nächsten Wochen und Monaten an, dass wir das Erlernte nutzen, damit wir unsere Regelprozesse verbessern, schneller und kreativer machen können, und so nicht wieder in die Zeit vor Corona zurückgehen.“

Frau Göbel, Sie haben es gerade selbst beschrieben: Die dynamischen Situationen, die Schnelligkeit, die hohe Arbeitsbelastung. Wie nehmen Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtsparkasse Düsseldorf in dieser sich stetig verändernden Situation mit?

„Wie alle Unternehmen, erleben auch wir in der Stadtsparkasse Düsseldorf einen ständigen Wandel, sowohl organisatorisch als auch kulturell. In dieser Zeit hat insbesondere die Kommunikation einen extrem hohen Stellenwert. Lassen Sie mich da noch einmal tiefer drauf eingehen. In der Corona Pandemie haben wir beispielsweise einen neuen internen Blog ins Leben gerufen, unseren sogenannten „Corona Ticker“, der transparent alle Beschlüsse, alle internen Informationen, aber auch Tipps, Tricks und Ideen zusammenstellt und ebenfalls externe relevante Nachrichten mit hinzu nimmt, um so umfassend jeden einzelnen Mitarbeitenden, jede einzelne Mitarbeitende zu informieren. Es ist glaube ich keine Überraschung, wenn ich hier an dieser Stelle sage, dass das Feedback unserer Mitarbeitenden darauf mehr als überzeugend ist. Die Klickzahlen sprechen für sich.“

Und wie profitiert ihrer Meinung nach auch die Stadt Düsseldorf von der Arbeit der Stadtsparkasse in dieser Krisenzeit?

„Unser Ziel ist es nun, die regionale Wirtschaft, den Einzelhandel und die Handwerksbetriebe zu unterstützen. Es geht uns darum, Arbeitsplätze und die kulturelle Vielfalt in unserer tollen Stadt Düsseldorf zu sichern um unsere Lieblingsorte, die Cafés, Bars, Kinos oder den Krämer nebenan auch nach der Krise besuchen zu können. Das ist einer der großen Wünsche und da mitzuwirken, das treibt uns jeden Tag an. Wir tragen dazu verantwortlich bei, indem wir als Stadtsparkasse Düsseldorf einerseits unbürokratische finanzielle Soforthilfe bieten und andererseits den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, selbst aktiv zu werden. Wir haben mit anderen Partnern zusammen einen Gutscheinportal ins Leben gerufen, über das lokale Einzelhändler, aber auch Dienstleister, ganz unkompliziert Gutscheine für die Zeit nach Corona verkaufen können. Wir bieten das alles kostenlos an. So kann jeder durch den Erwerb von Gutscheinen dazu beitragen, dass wir gemeinsam diese Situation meistern können. Die Stadt profitiert, aber auch wir profitieren durch das gemeinsame Arbeiten mit den vielen Partnern und dem großen Schulter an Schulter an Lösungen suchen.“

Vielen Dank Frau Göbel, für diese Einblicke. Nicht nur wir als Stadtsparkasse stehen aktuell vor Herausforderungen, denen wir zu großen Teilen mit digitalen Maßnahmen begegnen können. Auch unsere Kunden im Mittelstand tun dies. Die können wir als Stadtsparkasse hier unterstützen. Genau das, frage ich unser Vorstandsmitglied Uwe Baust, verantwortlich für das Dezernat für den Kunden.

Herr Baust, die aktuelle Zeit fordert unsere Kunden in jeder Hinsicht enorm. Was tun wir um kurzfristig in der Krise zu helfen?

„Wir sind trotz erzwungener Distanz unseren Kunden und ihren Bedürfnissen nah. Wir lassen niemanden in der Krise allein, unsere Firmenkunden unterstützen wir kurzfristig im Sinne einer Akuthilfe, vor allem bei Liquiditätsengpässen. Schon Anfang März, also vor dem Lockdown, haben wir hier in der Stadtsparkasse Düsseldorf aktiv begonnen unsere Kunden auf die individuellen Auswirkungen der Pandemie anzusprechen. Bis heute haben wir proaktiv fast 4500 Firmenkunden, darauf sind wir wirklich stolz, persönlich angerufen. Mit denen, die Bedarf geäußert haben, haben wir dann zur Liquiditätsüberbrückung in der kurzen Zeit bereits in über 750 Fällen konkrete Anträge, insbesondere für KfW Förderkredite und über 120 Vereinbarungen über Tilgungsaussetzungen, bearbeitet. Ein besonderes Merkmal ist dabei, dass wir neben den Förderkrediten an sich auch eine sofortige hälftige Vorfinanzierung, dieser oft erst nach einigen Wochen fließenden Mittel, anbieten. Mitte März haben wir dazu innerhalb von weniger als einer Woche einen Online Eingangskanal für Liquiditätshilfe Kredite gebaut, der schnell und einfach, das ist meiner Meinung nach ganz wichtig für die Mittelstandskunden, funktioniert. Einen vergleichbaren Eingangskanal finden sie sonst kaum in der deutschen Bankenlandschaft.“

Herr Baust, und langfristig? Wie helfen wir denn unseren Kunden den Blick jetzt wieder strategisch nach vorne zu richten?

„Nach dem ersten Schock durch COVID-19 sind sich die meisten Kunden sehr wohl bewusst, dass sie sich nun auf strategische Fragen einstellen müssen. Es geht darum zu einer Art neuer Normalität zu finden, in der die Digitalisierung eine viel größere Rolle spielt, als früher. Hier stellen wir gezielt kleinen und mittelgroßen Unternehmen mit einem spezifischen Kreditprogramm, sowie modernsten Zahlungsverkehrslösungen und das alles eben auch mit persönlicher und konkreter Beratung und auch mit unserem großen Partnernetzwerk, zur Verfügung.“

Herr Baust, Krisen offenbaren ja auch immer sehr deutlich Nachholbedarf. Wo sollten Ihrer Meinung nach die Wirtschaft und mittelständische Unternehmen jetzt ansetzen? Also was ist sozusagen ein absolutes „Muss“?

„Nun zum einen, werden viele sicherlich ihr Liquiditätsmanagement überarbeiten und für die Zukunft definitiv großzügiger, sprich wetterfester gestalten, und auch gestalten müssen. Das ist wirklich ein „Muss“ für die Unternehmer. Außerdem sollten Betriebe ihre Lieferketten analysieren und gegebenenfalls adjustieren. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass nach der Krise wieder mehr in Europa produziert und beschafft wird, zumal sich dies auch auf den ökologischen und gesellschaftlichen immer wichtiger werdenden Aspekt der Nachhaltigkeit einzahlt. Der größte Nachholbedarf besteht aber ganz eindeutig bei der Digitalisierung. Quasi von einem Tag auf den anderen mussten Unternehmen, auch unser Haus, auf mobiles Arbeiten umstellen und Mitarbeitende müssen auf eine funktionsfähige und belastbare Serverstruktur zugreifen können. Der Spruch „Das haben wir doch immer so gemacht“ trägt definitiv nicht mehr. Die Digitalisierung verändert somit auch signifikant und relativ schnell die Bedarfsprofile und Einsatzgebiete für Mitarbeitende.“

Viele Unternehmen haben ja jetzt gerade ganz andere Sorgen, als sich um Investitionen in ihre digitale Infrastruktur zu kümmern. Was sagen wir diesen Kunden? Oder wie können wir diesen Kunden jetzt vor allem helfen?

„Um Unternehmerinnen und Unternehmer hier zu unterstützen haben wir gemeinsam mit unserem Netzwerkpartner Jungmut einen exklusiven Digitalisierungscheck – zugeschnitten auf kleine und mittelgroße Unternehmen (KMUs) – entwickelt. Das ist eine Webanwendung, die im Rahmen eines strategischen Dialogs mit unseren Firmenkundenbetreuern und Firmenkundenbetreuerinnen am Ende ganz konkrete Handlungsfelder Punkt für Punkt entlang der jeweils individuellen Wertschöpfungskette eines Kunden aufzeigt. Anschließend kann dann das Unternehmen daraus Prioritäten ableiten. Also dort, wo die Digitalisierung den größten spezifischen Nutzen stiften kann, ansetzen. Das kann auch ein sich Herantasten an eine überschaubare erste Anwendungslösung sein, wie zum Beispiel die Automatisierung der Zahlungseingänge oder einfacheren administrativen Vorgängen. Für die konkrete Umsetzung vermitteln wir unseren Kunden die zu KMU passenden Ansprechpartner aus unserem großen Netzwerk. Zur Finanzierung haben wir ein Sonderkreditprogramm für Investition in digitale Projekte im weitesten Sinne, generell in innovative Investition, entwickelt. Und wir koppeln diese, last but not least, mit einer Beratung darüber, welche staatlichen Förderprogramme geeignet sind. Im Übrigen bin ich davon fest überzeugt, dass die in Kürze kommenden sogenannten Konjunkturprogramme von Bund und Ländern genau hier in der Digitalisierung ein Schwerpunkt setzen werden. Also den sollten sich chancenorientierte Unternehmer nicht entgehen lassen.

Wir begleiten ja nicht nur unsere
Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung, sondern müssen das auch in unserem
eigenen Haus umsetzen. Wie treiben wir, als Stadtsparkasse Düsseldorf, das
Ganze voran?

„Ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt. In unserem eigenen Haus haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr die Netzwerkstatt gegründet. Hier erleben Crossfunktionale Teams neue Formen der Zusammenarbeit und dies in einer ganz anderen Geschwindigkeit und mit einem viel besseren bereichsübergreifenden wechselseitigen Verständnis, als früher. Wir werden, darauf aufbauend, ab diesem Jahr gezielt unseren Multikanalvertrieb im Firmenkundengeschäft ausbauen, durch Investitionen in mediale Angebote, sprich in unser Internetangebot, sowie in telefonische Business Service Dienstleistungen. Wir haben dabei als erste Sparkasse in Deutschland ein Firmenkundenportal ins Netz gestellt. Wichtig ist, dass wir dabei für unsere kleinen und mittelgroßen Firmenkunden, also anders als viele Wettbewerber aus dem Kreis von Geschäftsbanken, direkt Banken und Fintechs, in ganz klaren Abgrenzungen auch mit unserem stationären Vertrieb vollumfänglich, in der parallel persönlichen Betreuung, hier vor Ort bleiben. Der Kunde ist also derjenige, der entscheidet, wann er welchen der drei Kanäle stationär, medial oder telefonisch nutzen möchte. Wir schauen aber auch immer über den Tellerrand hinaus. Wir sind zum Beispiel am Venture Capital Fonds von Capnamic Ventures beteiligt und haben darüber einen tiefen Einblick in die Startup Szene und auf innovative B2B Geschäftsmodelle bekommen. Und dieses Netzwerk öffnen wir auch systematisch für unsere Firmenkunden, um sie mit aufstrebenden Startups zusammenzubringen. Das Ziel ist dabei, dass die Teilnehmenden konkrete Impulse für ihr eigenes Geschäftsmodell mitnehmen, um sich dann zukunftssicher aufzustellen.“

Meine letzte Frage, Herr Baust, ist eher eine persönliche: Wie geht es Ihnen nach fast drei Monaten, die wir jetzt schon mit der COVID-19 Pandemie leben müssen?

„Ich denke, vielen Mitarbeitenden und auch mir ist in diesen Zeiten noch mal klar geworden, wozu wir eigentlich diesen Beruf ergriffen haben und warum er uns so erfüllt. Und auf die Gefahr hin, dass das jetzt pathetisch rüberkommt, aber ich meine das ganz ernst, wir liefern den Kunden unterschiedlichster Branchen und Größe in ganz konkreter und höchstpersönlicher Art und Weise Kreditmittel, Know-how Netzwerk und tragen so unmittelbar zur Stärkung unserer Wirtschaft und unserer Heimatregion bei. Wir sind in der Corona Krise maßgeblicher Teil der Lösung. Das ist es, was uns antreibt. Das ergibt für uns alle sehr viel Sinn und das ist es, was uns hier motiviert.“

Vielen Dank auch an Sie, Herr Baust, für das spannende Gespräch. Wir sehen also, die COVID-19 Pandemie stellt nicht nur unser Privatleben auf den Kopf, sondern sorgt auch für wirtschaftlichen Krisenmodus. Die Digitalisierung kann helfen, Geschäftsmodelle trotz Krise weiterzuführen, bzw. abzuändern, sodass sie sich an die aktuelle Lage anpassen. Aber auch langfristig wird diese Krise erheblichen Einfluss auf die Digitalisierung im Mittelstand haben. Laut Prognosen kann sie eine echte Chance sein.

Wenn Sie gerade vor ähnlichen Herausforderungen stehen, die wir in unserer Folge beschrieben haben und Sie Unterstützung brauchen oder Fragen haben, wir bei der Stadtsparkasse Düsseldorf beraten Sie gerne. Schauen Sie dafür einfach auf unserem Firmenkundenportal unter www.sskduesseldorf.de/firmenkunden vorbei.

In einer der nächsten Folgen von #DigiDUS beleuchten wir das Thema Cybersecurity und widmen uns den Herausforderungen in der Krise speziell für Familienunternehmen. Bis dahin bleiben Sie bitte gesund und wir freuen uns, wenn Sie dann wieder zuhören.

Transkript zur Folge #3

SSKD Podcast DigiDUS #

Jeannine-Malcherek Wirtz: Unsicherheit, kompletter
Kurswechsel, Existenzangst. Die COVID-19 Pandemie hat vor allem Kleinst- und
Kleinbetriebe sowie Familienunternehmen sehr stark getroffen. Denn manche
mussten Teil ihres Unternehmens, andere sogar ihr komplettes Portfolio
überdenken. Anders machen. Innovativ sein. Digitalisieren. Alles quasi von null
auf hundert. Das ist nicht immer leicht. Genau deshalb sprechen wir in der
dritten Folge von #DigiDUS mit einem Familienunternehmer, der selbst von seinen
eigenen Erfahrungen berichten kann und direkt einige Tipps, aber auch
Forderungen mit auf den Weg gibt. Wir von der Stadtsparkasse Düsseldorf können
zwar ihr Unternehmen nicht von jetzt auf gleich zu 100 Prozent digital machen,
aber was wir können: Wir können von Sekunde eins an Ihrer Seite sein und mit
unserem großen Partnernetzwerk dafür sorgen, dass Digitalisierung auch unter Zeitdruck
gelingt. Und auch darauf gehen wir in dieser Folge ein. Mein Name ist Jeannine
Malcherek-Wirtz und ich freue mich sehr, dass Sie uns heute wieder zuhören.

00:01:13

Jeannine-Malcherek Wirtz: Ich freue mich, dass Sie da sind. Für unsere
dritte Folge von #DigiDUS zum Thema „Familienunternehmen in und nach der Corona-Krise“,
wobei man ja nicht davon sprechen kann, dass die vorbei ist. Für dieses Thema
habe ich einen Gast heute, der prädestiniert dafür ist, um mit mir darüber zu
sprechen. Ich freue mich sehr, dass David Zülow heute da ist, als
Landesvorsitzender in NRW des Verbandes „Die Familienunternehmer“ und natürlich
selber Vorstand eines Familienunternehmens, nämlich der Zülow AG Neuss für
Gebäudetechnik. Ja, Herr Zülow, Sie als Vorsitzender des Verbandes haben ja
einmal den kompletten Blick, den Blick auf das große Ganze. Aber Sie sind ja
selber Vorstand eines Familienunternehmens. Könnten Sie uns noch einmal kurz
skizzieren, was waren die Voraussetzungen? Was sind nach wie vor die
Herausforderungen vor allem für Familienunternehmen in und nach der Krise?
Wobei wir die Krise noch nicht beendet haben.

00:02:13

David Zülow: Die Herausforderungen sind eigentlich für alle die
gleichen. Die ganze Situation ist für alle fallbeilartig runtergekommen. Wir hatten
von heute auf morgen nichts mehr zu tun. Sie haben sich Sorgen gemacht um ihre
eigenen Angehörigen, um die eigene Gesundheit, um die Gesundheit ihrer
Mitarbeiter. Also von jetzt auf gleich standen wir alle vor einer Situation,
die wir bis dahin in der Form noch gar nicht kannten. Und insofern sind die
Herausforderungen für alle gleich. Man muss sich mit einer Situation
auseinandersetzen, wo man A nicht weiß, wie lange es geht und B auch nicht
weiß, was auf einen überhaupt noch zukommt und was zu tun ist.

00:02:48

Jeannine-Malcherek Wirtz: Das heißt also, ging es Ihnen nicht anders als
anderen Mittelständlern oder gibt es für Familienunternehmen doch nochmal, ich
sag mal noch verschärfte Herausforderungen in der Krise, als vielleicht für ein
kleines mittelständisches Unternehmen?

00:03:02

David Zülow: Also die Herausforderungen sind tatsächlich, glaube ich,
für alle gleich. Das ist eine Frage der Größenordnung, der Intensität. Das ist
vielleicht auch eine Frage „Wie sehr ist man unmittelbar davon betroffen?“ Als
Familienunternehmer sind Sie ja auch immer mit dem eigenen Vermögen dran. Also
Sie reden nicht über irgendwelche diffusen Anlegergelder oder irgendwelche
Gesellschafterstrukturen, die kaum überschaubar sind, sondern sie kennen ihren
Gesellschafterkreis meistens persönlich ganz gut. Und demzufolge ist es
natürlich auch immer die Frage, wieviel muss man vielleicht selber nochmal ans
wirklich ersparte Eingemachte gehen. In so einer Krise haben Sie es von heute
auf morgen ja damit zu tun, die Umsätze bleiben aus. Die Kosten sind die
gleichen. Sie haben eine Belegschaft, an der Sie normalerweise festhalten
wollen. Also auch wenn mal so der Wind von vorne kommt. Wir haben vor der
Corona-Krise über Fachkräftemangel gesprochen, der ist ja deswegen nicht
erledigt. Und insofern stehen sie auch kaufmännisch vor der Frage „Halte ich
jetzt an meinen Beschäftigten fest? Wenn ja, wie lange? Wie lange halte ich sie
bei Laune?“ Und das Ganze muss irgendwie finanziert werden. Und dann schauen
Sie als Privatunternehmer oder als Eigentümer-Unternehmer tatsächlich ins
eigene Portemonnaie.

00:04:10

Jeannine-Malcherek Wirtz: Es gab ja vor allem auch von Bund und Ländern
jede Menge Konjunkturpakete und Soforthilfen, vor allem auch für Unternehmen.
Wie sehen Sie das? War das hilfreich für Sie als Familienunternehmen? Konnten
Sie da auch dran partizipieren?

00:04:24

David Zülow: Nee, also hilfreich ist das überhaupt nicht. Ich halte das
für blinden Aktionismus, was da passiert ist. Das ist ein verdammt teurer Spaß,
den wir uns alle noch in den nächsten Jahren über Steuern werden leisten können
und müssen. Das hatte kein Maß und kein Ziel. Es gibt einige wenige, die haben
kurzzeitig davon profitiert. Gerade die ganz Kleinen mit ihren Soforthilfen.
Diese Pakete sind ja schon ziemlich unstrukturiert beschrieben worden. Da geben
sie einem Einzelunternehmer Geld, damit er über die Runden kommt. Und dann darf
er das aber nicht dafür ausgeben, um über die Runden zu kommen. Also der hat ja
keine anderen Ausgaben außer Miete und ein Laptop zum Beispiel. Und bei uns im
Mittelstand ist faktisch nichts angekommen. Wir sind in so einer Situation zu
groß, um eine Soforthilfe zu kriegen und zu klein, um systemrelevant zu sein.

00:05:13

Jeannine-Malcherek Wirtz: Was hätten Sie sich gewünscht?

00:05:13

David Zülow: Dass man schnell wieder anfangen darf zu arbeiten, dass man
Augenmaß hat bei den Maßnahmen, die kommen, dass man vielleicht auch etwas mehr
auf die Eigenverantwortung der Menschen setzt, dass man nicht alles von jetzt
auf gleich schließt und dann die Unternehmen tatsächlich auf den Kosten alleine
sitzen lässt.

00:05:32

Jeannine-Malcherek Wirtz: Die Krise hat ja vor allem dem Thema
Digitalisierung nochmal ganz neue Bedeutung beigemessen, was ich glaube, was
auch richtig ist und was zu einem gewissen Grad sicherlich auch sehr gut war.
Nichtsdestotrotz wie sehen Sie das? Vor allem auch jetzt in der Krise, die ja
noch nicht beendet ist, noch längst wahrscheinlich nicht beendet ist. Welche
Bedeutung hat die Digitalisierung für den Mittelstand?

00:05:57

David Zülow: Also Digitalisierung heißt ja nicht, dass man von
Zettelwirtschaft auf E-Mail umsteigt. Das ist ein bisschen kurz gedacht,
sondern Digitalisierung heißt, dass eigentlich sämtliche vor allem
wiederkehrende Prozesse möglichst elektronisch ablaufen, dass viel
automatisiert ablaufen kann. Dass ist am Ende eine Effizienzfrage. Wie
effizient gestalte ich eigentlich meine Arbeitsprozesse? Und dass ich dafür
technische Hilfen habe. Das ist halt das Instrument oder das Werkzeug, dessen ich
mich bediene. Ich glaube, ein Unternehmen, was auch schon vor der Krise nicht
digital unterwegs war, die gibt es gar nicht mehr oder die gibt es kaum noch.
Die haben auf dem Markt schlichtweg nichts verloren. Also jetzt zeigt sich
natürlich, bei wem welcher Digitalisierung grad wie hoch und wie ausgeprägt
war, wie ernst man schon im Vorfeld die Notwendigkeit genommen hat, auch in
diesen Bereich zu investieren. Auch in dem Bereich Mitarbeiter weiterzubilden
und auch in dem Bereich seine Prozesse umzustrukturieren. Wir wissen also alle,
wenn dann so ein neues Programm reinkommt und man mit einem neuen Tool arbeiten
muss, dann ist das erst einmal nicht vergnügungssteuerpflichtig und verdammt
nochmal viel Arbeit für die, die damit arbeiten müssen. Da muss man halt durch.
Und die, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, die profitieren natürlich im
Augenblick insofern davon, dass viele Dinge leichter von der Hand gehen und
eben doch noch möglich sind als die, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.

00:07:14

Jeannine-Malcherek Wirtz: Das heißt also, wenn man überhaupt davon
sprechen kann, dass man die Möglichkeit hat zu investieren, halten sie das für
die Zukunft weiterhin für unabdingbar, was das Thema Digitalisierung angeht?

00:07:29

David Zülow: Das haben Sie richtig verstanden. Also Investitionen sind
grundsätzlich richtig. Also wer nicht investiert, der bleibt da stehen, wo er
ist. Für Investitionen brauchen Sie natürlich auch möglichst liquide Mittel und
auch einen Investitionsplan. Das ist jetzt sehr altbacken, aber deswegen
genauso aktuell, also aufzuhören zu investieren, das ist nicht die Lösung, auch
wenn die Kassen jetzt gerade etwas knapper sind. Die Frage ist, wofür
investiert man? Und ich glaube, dass gerade vielleicht auch viele ganz gut
beraten sind, wieder etwas mehr ins eigene Unternehmen reinzustecken und
vielleicht auch mal zu schauen. Eben solche Themen anzupacken wie
Arbeitsprozesse, wie Digitalisierungsprozesse. Das muss aber nicht das einzige
sein. Aber keine Empfehlung, nicht zu investieren.

00:08:12

Jeannine-Malcherek Wirtz: Was ich auch noch ganz spannend finde, in
dieser Diskussion um Digitalisierung spricht man ja einerseits von
digitalisierten Prozessen, mehr Effizienz et cetera. Und ein Baustein davon ist
ja auch das Thema Künstliche Intelligenz. Wenn man dem Glauben schenkt, was
Studien sagen: Wer jetzt nicht in Künstliche Intelligenz investiert bzw. sich
damit beschäftigt, der wird ganz, ganz schnell, und wir sprechen bei
Digitalisierung ja immer wirklich von schnell, den Anschluss verlieren. Wie
sehen Sie das? Was glauben Sie, welche Rolle die Digitalisierung und als Teil
davon, ich sage mal als ein zusätzlicher Baustein, die künstliche Intelligenz
spielt? Welche Rolle wird die zukünftig spielen?

00:08:55

David Zülow: Es geht darum, dass KI-Systeme – also künstliche
intelligente Systeme – selbstlernend sind. Ich bringe dir irgendetwas bei und
damit weißt du dann was anzufangen. Und man macht sich selber entsprechend
schlauer. Das ist ja eine Frage von Intelligenz. Das ersetzt aber am Ende des
Tages nicht das eigenverantwortliche Denken und Handeln des Unternehmers. Also
wer davon träumt, dass ich jetzt mit KI-Systemen künftig aufhören kann zu
arbeiten und selber Entscheidungen zu fällen – das funktioniert halt auch
nicht. Ob damit KI-Systeme der Heilsbringer für alle sind, lasse ich mal
dahingestellt. Es gibt Prozesse, gerade im Produktionsbereich oder gerade in
der Logistik. Die kommen ohne nicht aus. Da ist so eine Routenplanung
beispielsweise, die so ein vernünftiges Tool auskaspert, dreimal schneller und
dreimal intelligenter, als wenn wir zwei uns jetzt über den Stadtplan hermachen
würden und anfangen: Wo ist die beste Strecke? Solche Themen. Das kann man
machen, aber das über einen Kamm zu scheren, halte ich für fraglich.

00:09:53

Jeannine-Malcherek Wirtz: Also ich glaube, ich bin da bei Ihnen, dass es
nicht darum geht, Menschen zu ersetzen. Ich glaube, das wird auch keine KI so
schnell tun. Aber es bringt natürlich in gewisser Weise andere Vorteile. Wo ich
sagen kann, ich kann Prozesse ein Stück weit durch künstliche Intelligenz
optimieren. Dann habe ich auch wieder für Menschen andere Aufgaben, vielleicht
auch andere, noch hochwertigere Aufgaben im Unternehmen.

Was meinen Sie? Das finde ich auch ganz spannend, weil darüber
sprechen jetzt auch viele nach wie vor. Sie haben anfangs gesagt, Sie glauben
gar nicht, dass es noch Unternehmen gibt, die nicht digital sind. Trotzdem
sprechen viele darüber, dass die Digitalisierung gerade der Mittelständler in
Deutschland, noch sehr großen Nachholbedarf hat. Sehen Sie das auch so oder
glauben Sie, das ist nur was Branchenspezifisches?

00:10:40

David Zülow: Ich kann diese Einschätzung ehrlicherweise überhaupt nicht
teilen. Ganz im Gegenteil sogar, ich bin fest davon überzeugt, dass gerade der
Mittelstand in den letzten Jahren besonders intensiv in digitale Infrastruktur
investiert hat. Dass Arbeitsprozesse digital geworden sind. Gerade der
Mittelstand ist ja besonders bekannt dafür, sehr schnell agieren zu können,
auch sehr schnell neue Strukturen zu schaffen. Das ist es ja gerade, was
besonders Familienunternehmen so auszeichnet. Die Zeichen der Zeit zu erkennen
und möglichst kurze Entscheidungswege zu haben, um dann allerdings mit Augenmaß
immer die richtigen Entscheidungen zu fällen. Das bedeutet ja nicht, dass man
ausnahmslos auf jeden Zug aufspringt, der gerade durch den Bahnhof rollt. Aber
wie wir eingangs bereits sagten: Wer den Zug ganz verpasst hat, der ist
entweder gar nicht mehr am Markt oder tut sich gerade besonders schwer. Und wir
dürfen nicht vergessen: Die ureigenste Aufgabe jedes Unternehmers ist es, sein
Unternehmen zukunftsfähig und krisenfest zu machen. Dieser Aufgabe haben sich
jedenfalls die meisten Unternehmer gerade aus dem Mittelstand erkennbar mit
sehr großem Erfolg gestellt und die Digitalisierung des Unternehmens ist dabei
sicherlich ein wesentlicher Schlüsselfaktor.

00:12:01

Jeannine-Malcherek Wirtz: Ja, vielen Dank, Herr Zülow, für Ihre
Einschätzung und ja, auch wir bei der Stadtsparkasse Düsseldorf hoffen, dass
diese Krise bald vorbei ist. Denn wir haben in vielen Fällen hautnah
mitbekommen, wie sehr Unternehmen unter Druck geraten sind und vor allem, vor
welchen Herausforderungen sie standen und stehen. Einer, der solche Themen sehr
nah mitbekommt, ist Sebastian Drath, Abteilungsleiter für das
Firmenkundengeschäft bei der Stadtsparkasse Düsseldorf. Sebastian, schön, dass
du heute dabei bist. Sebastian: In deiner Abteilung betreut ihr auch einige
Familienunternehmen. Wie hast du das erlebt? Was war gerade für diese
Unternehmen die Hauptsorge?

00:12:39

Sebastian Drath: Ja, es war im Endeffekt der helle Wahnsinn, als Corona
Anfang März zum Tragen kam oder die Auswirkungen spürbar waren. Wir haben von
morgens bis abends am Telefon gesessen und haben versucht, den Kunden ihre
Sorgen zu nehmen, zu informieren oder auch erst einmal da zu sein. Um den
Kunden ein Gefühl zu geben. Man ist nicht alleine mit dieser Situation. Und ich
sage mal, die Beweggründe waren so so vielfältig. Wir haben uns jeden Morgen im
Team in einer gemeinsamen Telko ausgetauscht und haben über Erfahrungen
berichtet, weil es unheimlich wichtig war, in dieser Situation diese
Informationen weiterzugeben. Das Ganze war von einer Aufbruchsstimmung, die
direkt am Anfang spürbar war, bis hin zu sehr, sehr viel Verunsicherung, die
erst einmal bei den Unternehmern herrschte, bis zu einer sehr, sehr großen
Angst, bis hin in die Existenzangst. Und ja, da gibt es Beispiele, die, wenn
ich davon erzähle, muss ich sagen, hab ich jetzt noch Gänsehaut. Das sind
Fälle, wo Unternehmer eigentlich schon am Ende ihrer, ich sage mal Laufbahn
waren, die Nachfolge schon mehr oder weniger geplant oder auch durchgeführt
haben oder auch ein ganz klares Exit hatten. Dann zu sagen „Ich mache das Ganze
noch zwei, drei Jahre und dann gehe ich in den Ruhestand“ und jetzt standen sie
vor einer Situation, sich entscheiden zu müssen. Die waren teilweise sehr gut
aufgestellt, nicht verschuldet und denen war klar, wenn Sie jetzt weitermachen,
dann müssen sie Schulden aufnehmen. Müssen KfW-Mittel oder andere
Verbindlichkeiten und Kredite nehmen, um das Ganze zu unterstützen und diese
Umsatzausfälle zu kompensieren. Und ich muss sagen, da sieht man dann diese
unternehmerische Verantwortung. Größtenteils wurde gesagt „Wissen Sie, was Herr
Drath“ oder welcher Betreuer auch immer am Telefon war. „Die Alternative ist,
ich muss hier 40 Mitarbeiter freistellen, da arbeite ich lieber 15 Jahre weiter
und zahle den Kredit zurück. Diese unternehmerische Verantwortung habe ich und
die werde ich auch tragen.“ Und ich sage mal, das sind Gespräche, die lassen
einen nie wieder los. Und das haben wir in der ganzen Zeit erlebt, dass ja
diese Bewegung von der Unsicherheit, teilweise von einer Situation nicht weiter
zu wissen, sich dann doch relativ schnell entwickelt hat, zu einer
Aufbruchsstimmung. Zu sagen teilweise jetzt erst recht. Und das gemeinsam hat
unheimlich viel Schwung gegeben, dass die Unternehmer nicht den Kopf in den
Sand gesteckt haben, sondern weitergemacht haben.

00:15:03

Jeannine-Malcherek Wirtz: Du hattest auch gerade schon das Thema
Lösungen angesprochen. Es ging ja, oder es gab ja sehr viele Soforthilfen,
Konjunkturprogramme, Förderprogramme. Der Herr Zülow hat dazu tatsächlich sehr
deutlich Position bezogen. Wie stehst du dazu? Wie ordnest du das ein?

00:15:20

Sebastian Drath: Die KfW oder ich sag mal die die Soforthilfen und die
Konjunkturpakete haben gerade in dieser ersten Situation auch relativ schnell
und zügig die Situation ein Stück weit entschärft. Für mich aus Banksicht ist nicht
immer nur im Fokus, das Geld rauszugeben, sondern auch in welcher Form kann ich
diese Kreditierung vornehmen? Welche Unterstützung bekomme ich? Und da spielen
natürlich auch Sicherheiten in der Situation eine Rolle. Und wenn der Staat und
die KfW und der Bund sich dann entsprechend hinter diese Programme stellt, um
das Ganze zu beschleunigen, hat das dem Ganzen natürlich geholfen. Das muss man
ganz klar sagen.

00:16:01

Sebastian Drath: Wenn man sich die Frage stellt „Ist das das
Allheilmittel gewesen oder auch jetzt noch? Und hat das das Problem im
Endeffekt besiegt?“ Nein, das muss ich auch ganz klar sagen. Das ist ein
Baustein von vielen. Ja, das sind verschiedene Punkte, die zusammenkommen. Klar
ist auch Es gab Soforthilfen, die wurden gewährt, die auch nicht zurückzuzahlen
sind. Ja, das war sicherlich für die Kleinunternehmer oder Kleinstunternehmen
in der Anfangsphase erst einmal gut. Da aber auch nicht die Lösung, sondern ein
Stück weit auch der Tropfen auf den heißen Stein. Die nächste Sphäre ist
natürlich, dass es sich um Kredite handelt. Ja, alle Maßnahmen, die jetzt von
der KfW verabschiedet wurden und sei es mit einer 90 oder auch mit einer
hundertprozentigen Haftungsfreistellung dort hinter. Es sind Kredite und diese
Kredite müssen zurückgezahlt werden. Das heißt, wir hatten die Herausforderung
natürlich auch mit den Unternehmen darüber zu sprechen, dass wir trotz einer
hohen Sicherheitsleistung des Bundes unsere normalen Kreditparameter nicht
ausschalten können, weil wir mussten natürlich gucken, ist das Unternehmen auch
wirtschaftlich in der Lage, dieses Geld zurückzuzahlen. Weil eins muss man
sagen, wir tun dem Unternehmen und auch uns natürlich keinen Gefallen, wenn wir
Umsatzausfälle kompensieren, in so erheblichem Maße dagegen Kredite geben und
aber im Endeffekt wissen, dass – auf Basis der „alten Welt“, ich sage mal vor
März 2020, – das Unternehmen nicht in der Lage gewesen wäre, diese Kredite auf
6, 10 oder 8 Jahre zurückzuzahlen. So, und wenn Herr Zülow dann auch zurecht
sagte, dass das am Ende des Tages die Familienunternehmen nicht gerettet hat
oder bzw. auch noch nicht zu dem Punkt gebracht hat, dass man sagt, damit ist
das Thema vom Tisch, dann kann ich das absolut verstehen. Aus unserer
Perspektive als Bank kann ich nur sagen, waren das hilfreiche Mittel, um so
viel Unterstützung wie möglich zu geben. Aber man kann dieses Thema nicht
pauschalisieren. Das ist wirklich im Einzelnen zu betrachten, wie wirksam es
war, wie schnell es geholfen hat. Und wir haben auch Fälle, wo wir gesehen haben,
wo wir die Mittel zur Verfügung gestellt haben, die am Ende des Tages gar nicht
nötig waren, weil dann doch nicht so eine Schwere eingetreten ist. Weil diese
Themen wie z. B. dass Mitarbeiter von Corona betroffen waren und damit ganze
Produktionsstrecken ausgefallen war, Gott sei Dank dann nicht zum Tragen
gekommen sind. Und diese Unternehmen stehen jetzt auch vor der Herausforderung
zu überlegen „Was mache ich mit diesen Mitteln, wie setze ich die jetzt
strategisch am besten ein?“ Und ich sage mal, da kommen wir zu dem Punkt, dass
das Resultat aus ganz vielen Themen natürlich ist, wer sich vorher schon mit
Digitalisierung, mit Automatisierung, mit Mobilität, mit Unabhängigkeit des
Arbeitsplatzes, Flexibilität intensiv beschäftigt hat, dem ist es einfach
leichter gefallen. Das kann man sagen.

00:18:57

Jeannine-Malcherek Wirtz: Das hast du super nochmal zusammengefasst. Und
das ist eine tolle Überleitung zu meiner nächsten Frage. Darüber hatte ich auch
mit Herrn Zülow gesprochen, der auch nochmal sehr deutlich gemacht hat, wie
wichtig natürlich das Thema Digitalisierung für den Mittelstand ist und dass
auch trotz der wirklich schwierigen Lage Investitionen in diese Themen
unabdingbar sind. Wie können wir als Stadtsparkasse Düsseldorf unsere Kunden
hier unterstützen? Mal abgesehen nur von Finanzierungsfragen oder Finanzierungsprodukten?
Was steht da uns noch zur Seite?

00:19:31

Sebastian Drath: DasThema Digitalisierung als Wort oder auch künstliche
Intelligenz, Automatisierung, Industrie 4.0. Ja, also dieses ganze Potpourri
von Oberbegriffen. Das spielt natürlich schon sehr, sehr lange eine Rolle. Auch
wir als Stadtsparkasse Düsseldorf haben im Rahmen des letzten Jahres überlegt:
Was sind die wesentlichen Themen, die wir im Rahmen unserer Mittelstandsoffensive,
die wir dieses Jahr gestartet haben, thematisieren müssen und sollten? Ja, und
es bestätigt uns in diesem Moment, dass wir da auf das richtige Pferd gesetzt
haben, weil wir haben ganz klar gesagt, das Thema „Digitalisierung der
Unternehmen“ als Oberbegriff,  Einsatz
von künstlicher Intelligenz, diese Unabhängigkeit, die man sich damit auch
schafft – das wollen wir beraten beziehungsweise das wollen wir unterstützen.
Wir haben in dem Zusammenhang mit unserem Digitalisierungscheck, den wir mit
einer externen Unternehmensberatung kreiert und entworfen haben, noch vor Corona
ein fertiges Werk geschaffen, wo wir sehr aktiv auf unsere Kunden zugehen, um
mit dem Unternehmen darüber zu philosophieren und zu besprechen: Wie gut ist
man schon aufgestellt? Einfach mal so einen digitalen Reifegrad zu ermitteln,
um dann den Kunden Unterstützung durch unser breites Netzwerk zu geben. Weil
eins ist auch klar: Wir sind natürlich irgendwo dann auch in unserer Beratung
an einer Grenze, wenn es dann übergeht in die wirkliche technische Beratung
oder in eine Prozessautomatisierung et cetera. Da ist es wichtig, die richtigen
Partner an der Seite zu haben und den Kunden dabei zu begleiten. Und deswegen
bin ich da glaube ich sehr, sehr deckungsgleich zu Herrn Zülow. Das Thema ist
wichtig, das wird weiter wichtig sein. Und wer sich dort gut aufgestellt hat
schon vor Corona, hat es leichter gehabt und dass die Notwendigkeit da ist hat
Corona nochmal zusätzlich bewiesen.

00:21:27

Jeannine-Malcherek Wirtz: Wie wichtig ist eigentlich Digitalisierung für
den Mittelstand? Diese Frage hat die Corona-Krise ja ziemlich drastisch
beantwortet. Und genau da die Lücken aufgedeckt, wo keine oder bislang nur sehr
wenig Digitalisierung stattgefunden hat. Diese Folge von #DigiDUS hat mir
wieder gezeigt, dass speziell Familienunternehmen nicht zwingend anderen
Herausforderungen begegnet sind als der Mittelstand im Allgemeinen. Alle KMUs
haben gleichermaßen in diesen sehr bewegenden Zeiten zu kämpfen. Deshalb
interessieren wir uns an dieser Stelle vor allem auch für Ihre Meinung und Ihre
Erfahrung in Bezug auf Corona. Vor welchen Herausforderungen standen Sie?
Welche Lerneffekte gab es bisher und wie richten Sie sich in Zukunft aus? Wir
würden uns über Ihr Feedback sehr freuen. Und das geht auch ganz einfach per
Mail an die DigiDUS@SSKDuesseldorf.de. Ja, in den nächsten Folgen von #DigiDUS
blicken wir unter anderem noch auf das nicht ganz unumstrittene Thema
Künstliche Intelligenz und wie diese in sogenannten KI Designs Sprints
eingesetzt werden kann. Bis dahin bleiben Sie bitte gesund.

Transkript zur Folge #4

JeannineMalcherek-Wirtz: Wussten Sie eigentlich, dass nur jede dritte Führungskraft weiblich ist? Das besagen zumindest die Zahlen des statistischen Bundesamtes. Noch extremer wird das
Ganze, wenn wir uns mal genauer die Vorstände der 30 Top DAX-Unternehmen
anschauen. 12,8 % davon Frauen, aber keine einzige in der Rolle einer Vorstandssprecherin.
Es kommt noch Corona hinzu und scheinbar führt diese Krise in Deutschland auch
noch zu einer Abnahme der Frauen in DAX Vorständen. Zumindest berichtete auch
die Tagesschau im Oktober darüber. Das sieht also nicht wirklich rosig aus,
wenn man sich diese Zahlen ansieht. Aber neben den Diskussionen um Frauenquoten
und Förderprogrammen ist es aus unserer Sicht als Stadtsparkasse Düsseldorf
umso wichtiger, das Thema sichtbarer zu machen, indem wir darüber reden. Heute
im Podcast, also von Frau zu Frau.

Ich habe nämlich Zerrin Börcek zu Gast, die unter anderem als Gründerin des Female Innovation Hubs habe,
selber schon lange in Führungspositionen unterwegs ist. Und das vor allem im Technik-Umfeld,
also da, wo Frauen in Führungspositionen in Deutschland immer noch fehlen. Also
was für Herausforderungen Frauen heutzutage zu meistern haben als
Führungskraft, wenn sie erfolgreich sein wollen, was das vielleicht auch als
Gründerin oder als Mittelständler bedeutet und was die Digitalisierung damit zu
tun hat. Das wollen wir heute besprechen und herausfinden. Wichtig an dieser
Stelle: Diese Folge ist nicht nur für Zuhörerinnen. Mein Name ist Jeannine
Malcherek-Wirtz und ich freue mich, dass Sie uns heute zuhören.

Kennen Sie diese Lebensläufe, die einfach nur beeindruckend sind, wenn man sie liest und denkt
Wow, was für eine Person muss dahinter stehen? Dieses Gefühl hatte ich
tatsächlich direkt, als ich mir den Lebenslauf von Zerrin Börcek angesehen
habe. Studium der Technikkommunikation mit Kommunikationswissenschaften und
Informatik, Jobs in den Branchen Elektronik sowie Anlagenbau, Gründung einer
eigenen Beratung mit Botschafterin und wie wir bereits heute erwähnt haben,
Gründerin des Female Innovation Hubs. Soll ich noch mehr sagen? Kein Wunder:
Zerrin Börcek  ist genau die Richtige, um
über das Thema Frauen in der Führung vor allem mit dem Blick auf die
technischen und digitalen Berufe zu legen. Ich freue mich sehr, dass Zerrin
Börcek heute bei uns ist. Zu Gast bei #DigiDUS, bei unserem Podcast.

Zerrin Börcek: Vielen lieben Dank für die Einladung.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ich habe mich gestern die ganze Zeit gefragt:
Mit welcher Frage starte ich wohl diesen Podcast? Und ich erinnerte mich dann,
dass ich ein Video-Podcast von Ihnen gesehen habe. Da wurde Ihnen die Frage
unter anderem gestellt, ob Sie sich als Nerd bezeichnen würden. Und da dachte
ich: Die Frage nehme ich mal. Wie oft wird Ihnen diese Frage gestellt? Wie sehr
nervt Sie diese Frage schon? Und was antworten Sie in der Regel auf?

Zerrin Börcek: Ich bezeichne mich gerne als Nerd. Das ist ein Teil von
meiner Denkweise durch ein Hauptfach namens Informatik. Seitdem habe ich mich
auch von Grund auf verändert und das Verständnis für Technik hat meine
Denkweise, meine Arbeitsweise und natürlich auch mein Selbstbewusstsein
verändert.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ist es so, dass Frauen mehr leisten müssen,
wenn sie in Führungspositionen kommen wollen oder wenn sie als
Führungspersönlichkeit gelten wollen?

Zerrin Börcek: Ich habe auch die Erfahrung gemacht, im Mittelstand und
im Konzern zu arbeiten. Und wenn ich etwas erkannt habe in dieser Zeit, ist es,
dass Frauen nicht mehr leisten müssen. Denn Frauen sind von Grund auf fleißig
und tun sehr viel, haben eine große Kompetenz. Und das genau muss ins
Tageslicht gebracht werden, um auf Augenhöhe zu kommunizieren. Das ist mein
Glaubenssatz. Und das braucht natürlich Beharrlichkeit, Gradlinigkeit und
Stabilität in der Persönlichkeit.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wenn wir über Frauen in der Digitalisierung
sprechen, gehören sie entweder zu den Gewinnerinnen oder zu den Verliererinnen.

Zerrin Börcek: Ich glaube fest daran, dass Frauen jetzt schon zu den
Gewinnerinnen gehören, weil viele Frauen Social Media und Personal Branding für
sich entdeckt haben, aber auch das Ausprobieren für sich entdeckt haben, sich
durchzusetzen und sich zu zeigen. Ich glaube auch fest daran, dass viele Frauen
schon viele digitale Tools ausprobiert haben, dass sie sich mit ihren
beruflichen, aber auch persönlichen Themen auf den digitalen Medien auch
positionieren und ihre Team sichtbar machen und sich gleichzeitig sichtbar
machen. Und ich glaube, das wird sehr, sehr entscheidend sein. Ich glaube aber
auch fest daran, dass die Zukunft den Frauen und den Männern gehört und wir
gemeinsam die Zukunft gestalten – die Haltung, die Werte und das gemeinsame
Anliegen. Und das ist sehr, sehr entscheidend und wichtig als
Führungspersönlichkeit. Denn das macht am Ende den Unterschied und die Qualität
der Führungspersönlichkeit aus.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wir sind ja schon mittendrin im Thema
Digitalisierung. Das ist ja auch das Fokusthema unseres Podcast.
Digitalisierung und künstliche Intelligenz: Was oder was für eine Rolle spielen
diese beiden Themen in ihrem Berufsalltag?

Zerrin Börcek: Natürlich ist Digitalisierung ein Teil meines Lebens. Ich
mag Themen, die sich rund um Zukunftstechnologien drehen. Ich glaube, dass
Technik auf mehreren Ebenen betrachtet werden muss. Ich muss auf die Schule
schauen, auf die digitale Bildung in den Schulen und darüber nachdenken: Wie
kann es uns eigentlich gelingen, Schülerinnen in dem Sinne auch die Zukunft
beizubringen oder ihnen zu vermitteln? Was braucht es eigentlich in der
Zukunft? Welche agilen Methoden brauchen wir? Was bedeutet überhaupt
Technologie, Zukunftstechnologie oder die Entwicklung des Verständnisses?
Einfach, dass ich nicht direkt programmieren muss, sondern dass ich wirklich
einfach nur verstehen muss, was passiert eigentlich hinter meiner App? Es geht
auch um gesellschaftliche Problemerkennungskompetenz. Was wir durch unsere
durch unser Format namens „starte digital“ auch integriert haben. Wo wir
einfach den Kindern die Möglichkeit geben, im Grunde so wie in der Zukunft zu
arbeiten. Und auf der anderen Seite dürfen wir natürlich nicht vergessen, haben
wir auch das Thema künstliche Intelligenz. Viele haben natürlich Angst vor
diesem Thema, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die künstliche Intelligenz uns
in bestimmten Phasen unseres Lebens auch das Leben erleichtern wird, z.B. als
Sprachassistenten, was wir schon heute erleben dürfen. Alleine schon, wenn ich
Auto fahre und nach Siri rufen kann oder nach Cortana; es erleichtert mir das
Autofahren. Also denken wir gerade mit meinem Team darüber nach, wie wir eine
digitale Helferinnen für Senioren entwickeln können. Darüber müssen wir
nachdenken. Wir stehen davor und das wir können nicht mehr davor weglaufen und
Corona hat es wirklich sichtbar gemacht.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wenn Sie jetzt einen Wunsch frei hätten: Was
müsste sich in der Digitalisierung verändern? Was müsste da passieren, dass wir
mehr Geschlechtergleichheit hätten?

Zerrin Börcek: Ich wünsche mir Persönlichkeiten, die ihre Werte leben und
die eine Haltung haben und die wohlwollend sind. Das würde ich mir wünschen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Damit kommen wir sozusagen schon zu meiner
Abschlussfrage. Wir beim bei unserem Podcast #DigiDUS wollen auch immer gerne
praktische Tipps, geben Empfehlungen. Was würden Sie Frauen an Tipps, an
Empfehlungen geben, die gerne eine Führungsposition einnehmen wollen, die gerne
gründen möchten, die gerne selbstständig arbeiten wollen?

 

Zerrin Börcek: Ich empfehle eine Wertearbeit, um herauszufinden, wohin
der berufliche Weg sie treiben mag. Es ist fast schon wie eine Vision zur
Arbeit. Das heißt, dass man in die Zukunft blickt und eine Vorstellung von der
eigenen Person hat. Es ist eine Entwicklung. Führung braucht Persönlichkeiten
und Führung braucht genau diese Vorarbeit, um sich dann auch wirklich
hinzustellen und die Richtung zu zeigen. Denn das möchten dann auch die
Menschen. Besonders als Gründerin merke ich das immer wieder tagtäglich, dass
das eine meiner Grundfähigkeiten ist, auch die Richtung zu zeigen, wohin es
geht. Das gibt dem Ganzen auch eine Orientierung, eine Vision, eine Lenkung.
Was für mich auch ganz, ganz besonders wichtig ist, ist das Thema natürlich
Netzwerk. Menschen, mit denen ich die gemeinsame Vision teile, bzw. Menschen,
mit denen ich in eine Richtung schaue. Ein gemeinsames Anliegen habe und darin
verborgen die Partnerschaften.

 

Jeannine Malcherek-Wirtz: Zerrin Börcek, selbst ernannter Nerd, hat uns
viele, viele spannende Einblicke gegeben, wie sie als Frau ja ihre
Führungsrolle ausfüllt und was die Digitalisierung hier auch für eine Rolle und
eine Wirkung hat. An dieser Stelle nochmal vielen, vielen lieben Dank Zerrin
Börcek für das tolle Interview. Und weil wir von den Erfahrungen anderer für
unser eigenes Berufsleben viel lernen können, haben wir auch noch bei anderen
Frauen nachgefragt. Frauen in Führungspositionen. Und wollten wissen: Was war
die größte digitale Herausforderung in ihrem Berufsleben bislang? Und wie haben
Sie auf diese reagiert? Wir starten mit der Geschäftsführerin Britta Neisen von
der Kommunikationsagentur K12 in Düsseldorf. Sie hat diese Antwort darauf.

 

Britta Neisen: Digitale Projekte begleiten mich schon viele Jahre und
auf dem Weg gab es sicherlich viele technische Stolpersteine. Doch aktuell ist
es so, dass wir vor einer großen Herausforderung stehen. Und diese
Herausforderung ist so gar nicht technisch. Eher das Gegenteil. Es fehlt
nämlich an Talenten, die die vielen Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung
bietet, auf smarte Weise umsetzen und kreative Lösungen entwickeln. Es ist
schwer, gute Leute zu finden und das fordert mich als Führungskraft. Ich
investiere viel Zeit und eruiere immer wieder neue Recruiting Möglichkeiten. Es
fordert uns aber auch insgesamt als Agentur, weil wir immer wieder schauen
müssen, wie wir uns präsentieren und wie wir Begeisterung für uns auslösen und
unsere Kultur erlebbar machen. Und deshalb möchte ich die Herausforderung auch
als Chance begreifen, weil ich fasziniert bin, welche kulturellen Werte wir in
diesem Prozess bei uns aufdecken und wie wir uns bei aller technischen
Weiterentwicklung, die wir in den Projekten haben, vor allem auch als Team
menschlich entwickeln und auf neue Art und Weise zusammenwachsen.

 

Jeannine Malcherek-Wirtz: Und Tanja Küpper-Schlotmann von der Fritz
Manke GmbH, hat folgende Herausforderungen parat

Tanja Küpper-Schlotmann: Als ich vor knapp vier Jahren die Fritz Manke
GmbH gekauft und damit übernommen habe in fünfter Generation, mussten wir
erstmal unsere komplette Infrastruktur modernisieren. Das lag daran, dass wir
ein neues ERP-System für unser Unternehmen Einführung wollten. Wir mussten
nämlich erst einmal eine Grundlage schaffen, um überhaupt Schritt für Schritt
alle unsere Prozesse zu digitalisieren. Dazu gehörte am Anfang schon eine Menge
Mut für uns in der Geschäftsführung. Auch diese Investition zu tätigen. Aber
die Digitalisierung bringt uns so viele Mehrwerte und wundervolle
Optimierungsmöglichkeiten, dass wir nicht gezögert haben und es getan haben.
Unser Fazit ist heute: Der Erfolg gibt uns Recht und bestätigt uns jeden Tag
auf diesem Weg. Nächster Meilenstein für uns wird sein, die neu gewonnene
Umsetzung Geschwindigkeit weiter zu optimieren und die Erfolge weiter
auszubauen.

 

Jeannine Malcherek-Wirtz: Vielfältig. Das ist meiner Meinung nach der
Begriff, mit dem man unsere heutige Folge von #DigiDUS am besten zusammenfassen
kann. Vielfältig mit Blick auf die unterschiedlichen Laufbahnen von weiblichen
Führungskräften, aber auch vielfältig mit Blick auf die Herausforderungen und
Chancen, die die Digitalisierung für Frauen mit sich bringt. Wir haben viel
gelernt in dieser Folge. Vor allem, dass es um Werte geht, sowohl um die
Besinnung auf, aber auch die Arbeit an den eigenen Werten für Frauen. Ein ganz
entscheidender Punkt übrigens. Alle bisherigen Podcastfolgen finden Sie auch
online auf der Website der Stadtsparkasse Düsseldorf zum nachhören unter www.sskduesseldorf.de/podcast.
Und weitere Infos und Tipps zum Thema Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Mittelstand finden Sie wie immer
auch auf unserem Firmenkundenportal unter www.sskduesseldorf.de
unter „Digitaler Mittelstand“. Ja, wir freuen uns, wenn Sie auch bei der nächsten
Folge wieder zuhören. Und bis dahin bleiben Sie bitte gesund.

Transkript zur Folge #5

Transkript:

Jeannine Malcherek-Wirtz: Durchstarten im KI
Design Sprint. Das klingt nach einem spannenden Thema und ist daher perfekt für
unsere neue Podcastfolge bei #DigiDUS. Künstliche Intelligenz ist ein Thema,
das in aller Munde ist und scheint ja auch der Schlüssel zu so vielen offenen
Fragen zu sein, zu neuen Märkten, zu mehr Prozess-Effizienz, zu nachhaltigem
Wirtschaften. Das klingt immer sehr gut. Aber wo fängt man eigentlich an, wenn
es nämlich darum geht, künstliche Intelligenz für das eigene Unternehmen
einzusetzen und zu nutzen? Da stehen viele Unternehmerinnen und Unternehmer vor
jeder Menge Fragen: Muss es immer gleich eine ganz große KI Lösung sein? Lege
ich damit den Betrieb über Wochen und Monate lahm? Und wie sorge ich eigentlich
auch dafür, dass ich meine Belegschaft mitnehme bei so weitreichenden
Veränderungen? Vielleicht kommen Ihnen ja einige dieser Fragen bekannt vor. Und
ganz ehrlich: Ohne KI Expertise sind die auch nur sehr schwer zu beantworten.
Daher habe ich mir für diese Folge von #DigiUDUS genau solche Expertise vors
Mikro geholt. Mein Name ist Jeannine Malcherek-Wirtz und ich freue mich sehr,
dass Sie uns heute wieder zuhören.

KI Auf jeden Fall. Aber
wie? Diese Frage beantwortet Mike Brandt für ziemlich viele Unternehmer, darunter
auch sehr viele Mittelständler. Denn zusammen mit seinem Kompagnon Jonas Wenke
hat er das KI Design Unternehmen 33A gegründet. Die beiden erarbeiten mit ihren
Kunden zusammen in interdisziplinären Teams KI Lösungsansätze. Jede Abteilung
kann sich einbringen und am Ende liegt dann auch ein ziemlich genaues Bild auf
dem Tisch, wo vorher nur Fragezeichen waren. Die Beteiligten wissen dann: Wofür
wollen wir eigentlich KI nutzen? Und was sind auch die ersten Schritte auf
unserem gemeinsamen Weg? Wie das genau funktioniert und mit welcher Methode, genau
darüber habe ich mit Mike gesprochen. Hallo Mike. Du bist uns quasi live
zugeschaltet aus Kopenhagen. Ich habe gestern noch mal darüber nachgedacht und
dann ist mir eingefallen, dass du mal gesagt hast, dass man 80 % dessen, was
man tut, eigentlich noch besser machen kann. Und ich war insofern sehr
erstaunt, weil ich finde, dass gerade in den letzten Jahren viele, viele
Unternehmen sich ja sehr stark mit Prozessen beschäftigt haben, sich neu
aufgestellt haben, geschaut haben, wo kann ich mich optimieren. Trotzdem, sagt
ihr, bleibt noch sehr, sehr viel Potenzial nach oben. Ist das wirklich so?
Warum brauche ich eigentlich ein KI Design Sprint?

 

Mike Brandt: Also mit den 80 %, da lehnen wir uns an Hans-Christian Boos
an, der Managing Director von Arango AG ist – und ein KI Pionier in
Deutschland. Und der hat gesagt 80 % aller Prozesse in Unternehmen können mit KI
durchgeführt werden, mit heutiger Technologie. Das ist natürlich dann schon
erstaunlich. Also wenn man jetzt sehen würde: Okay, ich habe ein Unternehmen,
vielleicht bin ich ein Mittelständler, besonders auch in Zeiten jetzt hier von
Corona, wo man sowieso schon auch sein Personal umschulen muss und gucken muss,
wie macht man es jetzt alles Remote und wie organisiert man alles jetzt in
Zeiten dieser Krise? Das wäre natürlich von hohem Vorteil, wenn 80 % meines
Unternehmens von der Organisation her automatisch laufen könnte.

 

Jeannine Malcherek-Wirtz: Verstehe ich das richtig, dass du sagst, bei
den 80 % betrifft das wirklich jedes Unternehmen?

Mike Brandt: Also ich glaube, das fängt bei Mittelständlern
zumindest an und dann geht es natürlich hoch zu den ganz, ganz großen
Unternehmen. Was wir mit den AI Design Sprints machen, ist nicht nur, dass wir
Arbeitsprozesse auch automatisieren, sondern wir gehen an drei Stellen ins
Unternehmen: Also einmal geht's darum, dass wir an die Geschäftsleitung
rangehen und sagen: Okay, wir müssen erst einmal strategisch ein bisschen
schlauer werden, was KI betrifft. Das heißt, wir machen einen AI Opportunity Mapping
und das ist was, was Hans-Christian Boos beschreibt, das Automatisieren von
Arbeitsprozessen. Automation und ein anderer Bereich eines Unternehmens sind
natürlich die Produkte und Dienstleistungen, die ein Unternehmen anbietet. Was
verändert sich? Kann ich meine bestehenden Produkte oder Dienstleistungen durch
KI verbessern oder sogar sehr dramatisch verbessern? Oder ich kann natürlich
auch neue Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, mit Hinblick auf KI. Ich
gucke auf Nutzerbedürfnisse, die meine Kunden haben und das ist mein
Startpunkt. Aber das Realisieren oder das Potenzial der Lösung kann schon im KI
Bereich sein.

Jeannine
Malcherek-Wirtz: Ich hatte ja das
Glück, dass ich mal an einem KI Design Sprint mit euch teilnehmen durfte. Das
war wirklich ein Mega-Erlebnis und da wird einem nochmal so bewusst, dass es
nicht um nur technische Frage geht, sondern um einen anderen Blick. Und das
wäre toll, wenn du das nochmal deutlich machen könntest.

Mike Brandt: Jede neue Technologie, ist erstmal sehr technologiegetrieben.
Vielleicht müsste der Prozess eben andersherum sein und so machen wir das eben:
Lass uns doch erst einmal beim Unternehmen anfangen. Wir schauen auf z.B. den
User, Nutzerbedürfnisse. Oder: Was sind denn die Prozesse im Unternehmen? Was
sind die Probleme so im Unternehmen? Und wir identifizieren und markieren diese.
Und dann geht es eigentlich nur darum: Wie kann ich das realisieren? Wie kann
ich das verbessern? Und da gibt es immer Möglichkeiten, Lösungen zu finden im
Bereich KI, wie ich solche Prozesse zum Beispiel verbessern kann. Man sieht
erst einmal alle Möglichkeiten in der Breite von KI. Und dann entwickele ich
Lösungen. Der AI Design Sprint ist dafür da, dass man das als Team dann macht.

Jeannine
Malcherek-Wirtz: Vielleicht
kannst du nochmal erzählen, ganz grob, wie so ein Workshop aufgebaut ist.

Mike Brandt: Also wenn man jetzt auch „Design Sprint“ hört; das
Wort kommt von Google, vom Google Design Sprint. Das ist eben eine Methode, die
sie entwickelt haben, mit der man innerhalb einer Woche Business-Probleme lösen
kann. Das heißt, man fängt an von der Problemstellung. Erster Tag: Montag. Und
am Freitag hat man einen Prototypen entwickelt. Wir haben diese Methodik oder
diese Schritte genommen, haben die noch schneller getaktet und den Fokus auf KI
gelegt. Vor Corona war es wirklich so, dass die Teams zusammenkamen, in einem
Raum am Tisch gearbeitet haben. Wir haben Karten und wir haben einen großen
Canvas. Das ist sehr papierbasiert. Es geht darum, Leute eben mitzunehmen, die
eben nicht technisch versiert sind und wirklich da einen Raum zu schaffen, wo
sie sich wohlfühlen, der sicher ist. Also jeder kann einfach mit eingebunden
werden und dort Konzepte entwickeln. Jetzt findet das eben auch online statt.
Da kann man sich vorstellen, dass das wirklich so ähnlich abläuft. Anstelle,
dass man einen papierlangen Canvas hat, arbeitet man das eben auf dem Online-Board.
Das Ziel ist es, alle Stakeholder mitzunehmen. Es geht darum, alle Mitarbeiter
mitzunehmen, die im Moment diese Arbeitsschritte durchführen. Dann
Entscheidungsträger mitzunehmen. Das heißt, normalerweise können es
Abteilungsleiter sein, die die Prozesse kennen, die aber auch wirklich
Entscheidungen treffen können. Oftmals kann es sein, dass Prozesse über
verschiedene Abteilungen gehen. Das heißt, verschiedene Abteilungen
mitzunehmen. Es geht darum, IT mitzunehmen und dann ein AI- oder KI Experten
mitzunehmen. Diejenigen, die die Prozesse durchführen oder auch die
Entscheidungsträger, die haben natürlich Einsichten in ihre Prozesse, die ein
außenstehender KI Experte gar nicht hat. Das heißt, wir brauchen wirklich die Mitarbeiter
im Unternehmen. Wenn die Leute eine Lösung erarbeiten, die die Prozesse im
Moment durchführen, die sind normalerweise super begeistert von ihrer KI Lösung,
die die entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit, dass wenn wir dann diese Lösung
wirklich ins Leben rufen und wirklich das entwickeln, dass die angenommen wird,
ist natürlich sehr, sehr hoch. Dann ist das so ein Team super begeistert ist,
gewinnt es einfach Geschwindigkeit.

 

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ja klar, weil man sie mitnimmt. Na, weil der
Prozess von innen heraus kommt und nicht von außen aufgestülpt wird.

 

Mike Brandt: Genau. Also wir nehmen uns zurück und es ist wirklich das
Team im Unternehmen, das entwickelt ihre eigene KI Design Lösung.

 

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wir haben Zuhörer, die vielleicht nicht wirklich
wissen, was ein Sprint ist. Das ist ja ein ganz, ganz durch getaktetes,
strukturiertes, schnelles, zielorientiertes Vorgehen. Also kannst du noch mal
ganz kurz was zu der Methodik sagen für die, die das noch nicht erlebt haben,
einen Sprint.

 

Mike Brandt: Ja, vielleicht kann man erst einmal sagen das Herzstück des
KI Design Sprint ist das KI Kartendeck. Für uns war es wichtig, dass nicht ein
KI Experte reinkommt und eine Lösung präsentiert. Und es kommt nicht zu einer
Unterhaltung auf Augenhöhe. Wir möchten gerne, dass das Team im Unternehmen
schlauer wird und KI besser versteht. Das sind über 60 KI Karten und jede
einzelne Karte beschreibt eine spezifische KI Technologie, d.h. es gibt eine
Headline und auf der Rückseite gibt es sogar noch unterschiedliche Cases oder
Beispiele, wie diese angewendet werden. Im AI Design Sprint ist es so, dass wir
zuerst einen Arbeitsprozess skizzieren und dann geht das Team durch diese KI Karten
durch und schaut in jeder Kategorie: Ok, kann ich die und die KI Technologie
verwenden, um diesen Arbeitsschritt zu verbessern? Ja? Nein? Man geht ganz
schnell durch diese Karten durch und man legt sie auf diesen Canvas oder
Arbeitsbogen drauf und geht dann schrittweise weiter und sagt: Okay, jetzt hab
ich hier 10 Karten hingelegt. Jetzt muss ich nochmal rausfinden, was sind die
drei wichtigsten? Dann kann ich schon mal aufschreiben, wie würde ich jetzt
diese drei Karten verwenden, um diesen Arbeitsschritt zu verbessern. Der
nächste Schritt ist dann ein Visualisieren. Ich kann schon mal skizzieren: wie
könnte das dann aussehen? Das heißt, es ist wirklich sehr, sehr visuell und
jeder Design Schritt ist ein sehr, sehr einfacher Schritt, den jeder machen kann.

 

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wenn man jetzt guckt, was so die Vorteile sind
eines Design Sprints, ich glaube, die Herangehensweise – haben wir schon
gesehen – ist eine ganz andere, eine aus dem Unternehmen kommende
Herangehensweise. Es macht Spaß, es bringt eine große Dynamik. Und du hast auch
nicht das Gefühl: „ich muss hier Technik Nerd sein, um überhaupt dem Ding
folgen zu können“. Das, finde ich, ist noch mal ganz wichtig und natürlich auch
dieses sehr stringente Vorgehen. Was sind im Prinzip dann die nächsten
Schritte, wenn ich einen Design Sprint durchgeführt habe?

 

Mike Brandt: Wenn wir jetzt auf den AI Design Sprint gucken und es geht
darum, Prozesse zu automatisieren, dann haben wir erst, was wir eine Framing
Session nennen. Das heißt, da schauen wir erst mal auf eine Abteilung und es
geht darum, erst herauszufinden: Was sind die Prozesse, wo es sich lohnt, KI
anzuwenden, wo sollten wir uns drauf konzentrieren? In dieser Framing Session
findet das Team heraus: Wo sind die Startpunkte? Wo soll ich anfangen in meiner
Abteilung? Angenommen, in einer Framing Session kommen zwei Prozesse raus oder
drei Prozesse. Die nehmen wir rüber in die Konzeptentwicklungsphase oder
Session. Und hier entwickelt eben das Team jetzt Lösungen. Das Ergebnis ist,
dass wir sehr spezifische Konzepte haben und neue Prozesse modelliert haben. Anschließend
gibt es einen Tech Check, d.h. der KI Experte spricht mit der IT-Abteilung des
Kunden und schaut: Was sind die bestehenden Systeme? Wie sehen die Daten aus,
um zu schauen: Okay, was ist jetzt der technische Status-quo? Wie kann ich die
Lösung wirklich realisieren?

Anschließend nach dem
Tech Check gibt es eine Präsentation und Diskussion, wo der KI Experte dann die
Lösungen aufgrund des Tech Checks und des Konzeptes bewertet. Und man hat 3, 4
Konzepte entwickelt und es geht darum zu schauen, was ist der Startpunkt, wo
gibt es technische Herausforderungen und was ist eigentlich so eine Roadmap für
die Implementierung? Das heißt, der Kunde bekommt alles Wissen und alle
Informationen zu sagen: Ja, werde ich umsetzen. Also was wir auch machen, ist
ein Experience Prototyp zu bauen. Es geht darum, dieses Konzept zu
visualisieren und greifbar zu machen, weil natürlich KI normalerweise nicht
greifbar ist. Der nächste Schritt ist dann ein Minimal Viable Produkt, einen
Prototypen (MVP) zu bauen. Und dafür haben wir auch einen Mini-Sprint, indem es
darum geht, genau diesen zu definieren. Normalweise zwei bis drei Wochen und
dann haben wir einen technischen Prototypen. Anschließend nach dem technischen
Prototypen geht‘s wirklich dann in die Implementierung und Bauen der Lösung. KI
ist natürlich die neueste Technologie. Viele haben Angst davor. Es gibt ganz
große Bedenken, vielleicht auch ethische Diskussionen. Und es geht darum,
einfach Leuten die Angst zu nehmen und zu sehen: „Wow, ich kann wirklich eine
aktive Rolle darin spielen, in einer KI Lösung in meinem Unternehmen.

 

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wir wissen, dass das die Technologie der
Zukunft ist. Die ist ja schon längst da. Wir sprechen ja jetzt nicht über
Zukunftsmusik. Und diese vielen Bedenken, die es noch gibt, die wirklich
abzuwenden schafft man nur, wenn man Menschen mitnimmt und wenn sie Teil der
Lösung sind. Und wenn man ihnen nicht sagt: Du musst jetzt hier etwas anwenden,
was irgendjemand entwickelt hat. Aber man sie nie gefragt hat, ob das
tatsächlich wirklich so sinnvoll war. Ich finde, das ist auch vor allem, in der
Zeit, in der wir vor vielen Entwicklungen wie New Work etc., ist das ein ganz,
ganz entscheidender Prozess: Die Menschen, die Mitarbeitenden mitzunehmen bei
solchen hochtechnologischen Dingen wie KI-Lösungen. Wir alle wissen, dass die
Dynamik, die bei Präsenzveranstaltung entsteht, die kann man nicht ersetzen,
dass das soll es auch gar nicht. Aber es gibt ja keinen Grund nicht einen
Design Sprint zu machen, sondern man kann es auch heutzutage schon sehr, sehr
gut virtuell durchführen.

Ja, was nehme ich vor
allem aus der heutigen Podcastfolge von #DigiDUS mit: die Zahl 80 %. 80 %
dessen, was Unternehmen tun, kann durch KI-Lösungen verbessert werden. Das ist
eine Zahl, die ich glaube nicht so schnell vergessen werde. Künstliche
Intelligenz steckt schon heute in zahlreichen Produkten und Dienstleistungen.
Das wissen wir. Und auch nahezu jedes Unternehmen kann von künstlicher
Intelligenz profitieren. Doch da stellt sich natürlich auch oft die Frage: Wo
setze ich eigentlich an, wenn ich künstliche Intelligenz in meinem Unternehmen
implementieren möchte? Diese Frage konnte uns Mike Brandt beantworten und er
hat uns auch gesagt, dass es nicht immer der große Wurf sein muss, der ewig
viel Zeit frisst. Was es aber braucht, ist ein sinnvolles Konzept aus dem
Unternehmen heraus, um wirklich passende Lösungen zu finden. Und das kann in
einem KI Design Sprint entstehen. Denn mit einer guten Struktur, mit einer
zielgerichteten Methodik, mit viel Spaß, Dynamik und Wissen aller Beteiligten
und Mitarbeitenden.

In einer unserer nächsten
Folgen von #DigiDUS schauen wir nochmal stärker in die Unternehmen selber; in
die, die bereits KI Lösung erfolgreich nutzen. Alle bisherigen Podcastfolge von
#DigiDUS finden Sie übrigens auch online bei uns im  Firmenkundenportal der Stadtsparkasse
Düsseldorf zum Nachhören unter www.sskduesseldorf.de/podcast und natürlich
viele, viele Infos und Tipps zum Thema Digitalisierung im Mittelstand. Ja, ich
freue mich, wenn ich sie auch bei der nächsten Folge von #DigiDUS wieder
begrüßen kann. Bis dahin bitte bleiben Sie gesund

Transkript zur Folge #6

Transkript:

Jeannine Malcherek-Wirtz: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von #DigiDUS. Mein Name ist Jeannine Malcherek-Wirtz, und ich freue mich sehr, dass Sie heute wieder zuhören und dabei sind. Ja, heute in unserer Folge dreht sich alles um das Thema Künstliche Intelligenz. KI, das ist ein Thema, dass uns in den letzten Folgen schon des Öfteren begegnet ist und uns denke ich auch in den nächsten Folgen weiter begegnen wird.

Hatten Sie heute schon eine Begegnung mit künstlicher Intelligenz? Ich bin mir sicher, dass Ihre Antwort Ja lautet, denn mittlerweile gehört KI zu unserem Alltag. Ob im Smartphone, beim Online-Shopping oder im Pfandautomaten steckt sie oft mit drin. Und häufig merken wir es nicht einmal. Höchstens unterbewusst, z.B. wenn ein Website-Angebot ganz besonders gut zu unseren Wünschen oder Bedürfnissen passt. Und genau dieses Thema führte mich auch zu meinen heutigen Gesprächspartnern. Tim Hufermann von der Agentur Jungmut setzt nämlich KI für Unternehmen ein, die ihre Kundenansprache verbessern wollen. Und Tim hat uns ein schönes Beispiel aus der Praxis mitgebracht von der Dr. Schutz Group, einem Fachbetrieb für Lacke und Farben, der dank einer KI Lösung von Jungmut sehr gezielt und Bedürfnis gerecht Kontakt mit seinen Endkunden aufnehmen kann. Ja, und auch Wolfram Schäfer von der Walther Flender GmbH berichtet uns, wie das Unternehmen dank KI die Lebensdauer von Zahnriemen ganz spezifisch vorhersagen kann. Ja, wie schön! Herr Schäfer, dass Sie heute bei uns sind, bei #DigiDUS. Ich freue mich sehr. Was ist eigentlich das Besondere an „Lean Drive“? Und was haben Sie für eine KI Lösung bei sich im Unternehmen eingesetzt?

Wolfram Schäfer: Gerne. Also „Lean Drive“ ist eine Berechnungsmethode, wo wir die Lebensdauer, anwendungs- bzw. kundenspezifisch berechnen können. Das ist eine Sache, die es vorher nicht gab, womit wir auch alleine auf dem Markt stehen. Die ist auch patentiert.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wie machen Sie das genau? Also was macht diese KI? Soweit sie überhaupt oder was sie davon überhaupt berichten dürfen. Sie haben selber gesagt, diese Methode ist ja auch patentiert. Was macht diese KI, damit man das noch ein bisschen besser verstehen kann?

Wolfram Schäfer: Also wir haben praktisch die Anwendungen oder auf Anwendungsebene in Zusammenarbeit mit unserem Partner der IMA in Stuttgart ein Versuchsverfahren entwickelt, mit dem man, wenn man die Einflussfaktoren kennt, die die Lebensdauer eines Antriebs bestimmen, in dem Sinne konkret in einen Algorithmus umwandeln kann. Und diesen Algorithmus, wenn man den eben füttert mit Kundendaten, dann kann man Aussagen treffen, wie lange der Antrieb hält. Das sind Faktoren wie die Drehzahl, die Zahnriemenanzahl des Antriebs oder auch Sachen wie Umgebungsbedingungen, wie zum Beispiel die Temperatur. Es ist ein Lernprozess nach wie vor, was alles die Lebensdauer eines Antriebs bestimmt. Daten sind die Basis für KI, für unsere Lösung auch. Und diese Daten wurden in unseren Laboren unter bestimmten Parametern erzeugt. Und diese Daten gehen dann in ein Berechnungsprogramm ein, womit ein Algorithmus erzeugt wird. Und dieser Algorithmus, der ist praktisch die Grundlage unserer KI-Lösung. Und dieser Algorithmus wird auch laufend mit weiteren Daten gefüllt, also praktisch wie bei „Machine Learning“.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Sie haben ja eben selber gesagt, das ist ja was ganz neues, was Sie gemacht haben. Wie haben eigentlich Ihre Kunden darauf reagiert? Auf dieses zusätzliche Angebot? Dieser zusätzliche extreme Mehrwert, den Sie da generiert haben?

Wolfram Schäfer: Also die Kunden – und das ist für uns mit das Wichtigste – die fühlen sich abgeholt, weil dieser Wunsch, indem Sinne die Lebensdauer vorher zu sagen, der ist praktisch ein ganz altes Bedürfnis, dem wir entsprochen haben. Und der Kunde kann jetzt natürlich diese Angaben nutzen, z. B. zur Planung von Wartungsintervallen. Das heißt, er kann wirklich dann, wenn er eh an die Maschinen dran muss, auch die Komponenten tauschen, aber auch nur, wenn die Komponenten das Ende der Lebensdauer erreicht haben. Also er schützt sich auch davor, dass er Sachen gegebenenfalls austauscht, die noch eine lange Lebensdauer haben.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Sie haben Ihre KI-Lösung mit einem Partner zusammen entwickelt. Könnten Sie uns ein bisschen was über Ihren Partner erzählen und wie Sie ihn gefunden haben und wie die Zusammenarbeit mit dem Partner erfolgt ist, damit Sie diese Form der KI-Lösung entwickeln konnten?

Wolfram Schäfer: Es gab so eine Lösung für Zahnriemenantriebe nicht und wir haben uns in dem Sinne im Markt umgeschaut: Wer hat eine entsprechende Expertise im Bereich der Zuverlässigkeitstheorie? Und da ist das IMA in Stuttgart eines der führenden Institute in Deutschland. Das heißt also, wir haben von IMA praktisch die Theorie der Zuverlässigkeit kombiniert mit unserer Erfahrung über die Zahnriemenantriebe.  Vor allem die Vielzahl der Daten, die wir schon hatten, und das ist für unseren KI Ansatz ganz wichtig gewesen, dass wir auch die entsprechenden Test- und Prüf-Möglichkeiten haben. Ohne die ging es nicht.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wir wollen ja vor allem auch unseren mittelständischen Kunden in der Region Mut machen, sich mit KI zu beschäftigen, zu schauen: „Wo habe ich vielleicht auch in meinem Unternehmen die Möglichkeit, mit KI-Lösungen zu arbeiten?“. Und der Einstieg ist ja normalerweise immer eher ein standardisierter. Oder dass man Lösungen verwendet, die schon am Markt existieren und man schaut: Kann ich die nutzen? Kann ich die adaptieren? Muss ich die modifizieren? Sie sind da ja einen ganz anderen Weg gegangen. Sie haben ja wirklich etwas ganz Eigenes entwickelt. Warum haben Sie sich dafür entschieden? Warum haben Sie nicht gesagt, ich guck mal auf den Markt, was es gibt? Wahrscheinlich wäre das gar nicht möglich gewesen in Ihrem Fall. Aber trotzdem, das war ja ein Marathon, den Sie da auch hingelegt haben mit der Entwicklung so einer Lösung. Warum sind Sie diesen Weg gegangen?

Wolfram Schäfer: Sie haben es gerade gesagt, weil es in dem Sinne im Markt das nicht gab. Das ist einzigartig. Und deswegen mussten wir diesen langen Weg gehen, der natürlich auch gekennzeichnet war von Rückschlägen, der aber auch von entsprechenden Investitionen gekennzeichnet war. Und der Weg ist noch nicht zu Ende. Aber wie vorhin schon gesagt, haben wir viel mitgenommen. Es werden auch weitere Produkte basierend oder aufsetzend auf dem KI-Ansatz in den nächsten Wochen ausgerollt. Aber sagen wir realistisch eher in Monaten oder Jahren entsprechend ausgerollt werden können. Und die Belohnung für uns ist eben, dass der Kunde sagt: „Alles richtig gemacht!“ Ihr habt unsere Bedürfnisse aufgenommen und die Belohnung in der Form ist auch, ich hatte es schon erwähnt, dass dieses Verfahren patentiert worden ist, dass wir also wirklich als Mittelständler, als Düsseldorfer Familienunternehmen diesen Schritt gegangen sind.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Eine Frage noch, und das ist sicherlich auch so ein Punkt, gerade weil Sie diesen, ich sag jetzt mal wirklich auch vielleicht ja zu Anfang schwierigeren Weg gegangen sind. Dinge oder eine Lösung selber zu entwickeln, gab es ja sicherlich auch immer mal wieder Rückschläge. Wie geht man damit um?

Wolfram Schäfer: Die Rückschläge haben wir, auch wenn wir andere Themenbereiche bearbeiten. Also wir sind ein Unternehmen, was eine sehr hohe Fertigungstiefe hat. Also wir haben immer schon Produkte auch selber entwickelt. Und wenn man Produkte selber entwickelt, dann hat man eine Idee, hat das mit Kunden abgestimmt und trotzdem sieht man oft, dass die Umsetzung eine andere ist. Und das, was wir daraus gelernt haben ist, dass wir immer eher in kleinen Schritten denken, dass wir Schritt für Schritt aufsetzen und wenn es mal nicht klappt, dass wir in dem Sinne sagen man geht trotzdem weiter. Wir können den Zuhörern raten, dass man möglichst die Kunden auch früh einbindet. Wir bekommen vom Kunden auch Zuspruch, „Macht doch weiter!“. Und: „Wie sieht es damit aus?“ Und das ist sehr schön, wenn man das erfährt, dass die Kunden auch einen teilweise, wenn man mal eine Durststrecke hat, auch so ein bisschen mitziehen und warten und Fragen „Wann seid ihr so weit? Wann können wir das Produkt haben, wann können wir testen?“.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ja, super. Ich glaube, das ist das beste Feedback, das man bekommen kann. Das haben Sie wirklich sehr, sehr schön gerade noch mal formuliert. Das ist dieses vom Kunden aus Denken. Und wenn der Kunde mir signalisiert: „Das, was ihr macht, ist super und ich werde das zukünftig brauchen“, ist das sicherlich der richtige Weg, den man einschlägt. Und nichtsdestotrotz Rückschläge wird es immer geben und Sie haben es gesagt. Ich glaube, das ist auch etwas, was wir aus den Erfahrungswerten anderer Unternehmen so mitgenommen haben. Oder vor allem ich, wenn ich mit Kunden gesprochen habe, dieses in kleinen Schritten zu gehen und immer wieder Schritt für Schritt weiter zu sehen und sich dann eben von diesen Rückschlägen, die halt immer vorkommen können, nicht zu sehr zurückwerfen zu lassen. Ich finde, das haben Sie sehr, sehr schön gesagt.

Also wie ich schon in meiner Eingangsmoderation gesagt habe, freue ich mich, dass wir heute noch einen Gast haben bei #DigiDUS, der uns quasi in seinem Gepäck auch noch ein tolles Beispiel zum Thema Best Practice KI Lösungen für Unternehmen mitgebracht hat. Und zwar ist das Tim Hufermann von der Agentur Jungmut. Hallo Tim, ich freue mich, dass du da bist. Heute geht's bei #DigiDUS speziell nochmal um das Thema Best Practice. Was du erklären könntest, wie man KI-Lösungen eigentlich ins Unternehmen bringt. Was erste Schritte sind. Da hast du ja auch ein schönes Beispiel mitgebracht von der Dr. Schutz Group. Bevor wir da nochmal gleich gezielt drauf eingehen, habe ich vorab nochmal eine Frage: Und zwar ich weiß, dass ihr bei euch in der Agentur sehr viel mit dem Thema „Lead Scoring“ beschäftigt. Wie kann man Leads generieren, die besonders ich sage jetzt mal aussichtsreich sind, viel Potenzial aus vertrieblicher Sicht bieten? Ich weiß, dass ihr mit einem webbasierten CRM-System arbeitet. Kannst du uns noch ein bisschen mehr dazu sagen, wie ihr das eigentlich macht? Also wie bekomme ich eigentlich Leads, von denen ich weiß, dass die mir ja besonders viel ich sage es jetzt mal übertrieben Geschäft bringen?

Tim Hufermann: Ja, mache ich total gerne. Im Kern ist das eine Web-Software, wie du schon gesagt hast, an die wir alle unsere Kanäle angestöpselt haben. Also z.B. unsere Social-Media Kanäle, die Website, weil da ja die Leads herkommen in der Regel, wir haben die Onlinewerbe-Kanäle auch integriert, sodass wir halt schon mal messen können, wer klickt z.B. auf eine Anzeige in der Suchmaschine und landet dann auf unserer Website. Und was macht er denn da? Oder ist er wieder weg? Oder kommt er irgendwann wieder und füllt irgendwann ein Formular aus? Weil erst dann, wenn ein Formular auf unserer Webseite ausgefüllt wird, wissen wir ja, wer ist die Person ist und können den Weg nachvollziehen. Und wenn dann die Anfrage erstellt ist, ist es so, dass wir die Software auch als CRM-System nutzen und unseren Vertrieb damit tracken. Das bedeutet, dass wir nicht nur sehen, wer zum Beispiel auf eine Anzeige klickt, auf unserer Website war und eine Anfrage gestellt hat, sondern auch, ob daraus möglicherweise ein Deal entstanden ist? Wie lang hat das gedauert? Von der ersten Kontaktaufnahme bis zu einem ersten Meeting bis zur Angebots- erstellung, bis dann vielleicht auch ein Vertrag erstellt wurde? Und welcher Deal ist im Endeffekt abgeschlossen worden? Und dadurch, dass wir das alles in einer Lösung haben, können wir auch den kompletten ROI, also den Return on Invest, auf unsere Marketingkosten messen. Ich weiß genau, wir haben einen Online-Marketing ROI von xy Prozent, weil wir halt alle Daten im System haben und halt wirklich von den Werbeausgaben wissen, was ist am Ende dabei rumgekommen.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wenn du das jetzt so beschreibst, dann glaube ich, macht es total Sinn, jetzt doch mal konkret auf das Beispiel einzugehen von der Dr. Schutz Group. Ich glaube, daran wird das nochmal deutlicher. Du warst ja auch schon beim Mittelstandstag mit Herrn Knott zusammen auf unserem KI Experten Sofa. So will ich es mal benennen und habt ein bisschen von eurem gemeinsamen Case berichtet. Und da wäre es eigentlich ganz cool, wenn du nochmal erklären könntest: Was hat diese Webanwendung der Dr. Schutz Group für einen Mehrwert gebracht? Was haben sie dadurch gewonnen? Vielleicht kannst du das nochmal ein bisschen beschreiben. Was habt ihr da gemacht?

Tim Hufermann: Wir sind gemeinsam auf einer Reise gestartet und haben ein zusätzliches Business-Model im ersten Schritt entwickelt. Das Model der „Floor Remaker“ bedeutet, dass die Dr. Schutz Group nicht mehr die Farben und Lacke an Handwerker verkauft, sondern die Dr. Schulz Group verkauft über Floor-Remaker den kompletten Service: Ich lasse meinen Boden aufwerten und sanieren. Das kann z.B. im Hotel der Parkettboden sein, der abgeschliffen und neu versiegelt wird. Das kann aber auch bei großen Konsumgüter-herstellern ein Labor sein, wo der Boden dann ertüchtigt wird oder auch in einer Arztpraxis oder für einen Operationssaal. Spezielle Böden, die da eingebracht werden und die Leistung, die verkauft wird, ist dann das Rundum-Sorglos-Paket. Bedeutet, die Zielgruppe hat sich auch verändert von Handwerkern hin zu gewerblichen Endkunden, also z.B. jemand, der in einer Stadt verantwortet, dass die Turnhallenböden saniert werden und dadurch, dass sich die Zielgruppen verändert haben, konnten wir halt ganz klar sagen: Es gibt bestimmte Branchen-Cluster; es gibt einen Branchen-Cluster für Gesundheit, es gibt einen Branchen Cluster für Pflege. Und auf diese Branchen-Cluster haben wir zielgerichtet Anzeigen geschaltet, um Personen, die da arbeiten und eine Verantwortung fürs Gebäudemanagement im Endeffekt haben, „getargeted“ werden. Die werden dann auf eine spezifische Landingpage geführt. Auf der Landingpage werden die branchenspezifischen Angebote vorgestellt. Es werden Cases vorgestellt. Testimonials, um halt wirklich zu beweisen, sag ich mal, dass das gut funktioniert und dass die Dr. Schutz Group mit Floor Remaker Experten sind. Ende der Seite ist natürlich immer ein Kontaktformular oder ein Anfrageformular und von da aus geht's dann weiter. Im Prinzip laufen die Daten von da aus dann in das System und werden von da aus an die Partner vor Ort deutschlandweit automatisiert zugewiesen. Also, dass niemand mehr hingehen muss und muss jetzt von der Zentrale aus etwas händisch steuern, sondern es gibt deutschlandweit Partner, die das umsetzen können. Und die gehen dann wiederum hin, bekommen automatische Anfragen, Termine werden vereinbart. Also bedeutet es wird ganz viel Abstimmungsaufwand hier schon rausgenommen und die Partner bekommen vorqualifizierte Leads, mit denen sie weiterarbeiten können. Und diese Information haben wir wiederum automatisiert in der Deal Pipeline integriert. Es ist dann wiederum so, dass die Zentrale, also die Dr. Schutz Group, auch immer sieht, welcher Partner wie aktiv ist, welche Angebote sind draußen? Wie lange brauchen sie ungefähr, bis die bearbeitet werden und hat dadurch ganz andere Steuerungsmöglichkeiten. Und durch die Daten, die wir dann wiederum deutschlandweit im System sammeln, können wir nach hinten raus hingehen und können bewerten: Welche Branchen sind besonders einträglich im Endeffekt oder welche Branchen nehmen die Angebote besonders gerne an und wir können deswegen wiederum die Werbemaßnahmen zielgerichtet optimieren.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Was macht die KI genau? Verknüpft oder interpretiert sie intelligent die Daten, die ihr sammelt?

Tim Hufermann: Genau das macht die KI noch nicht einmal. Also das wäre für mein Empfinden noch nicht mal KI, sondern das sind im Prinzip einfach nur vorkonfigurierte Workflows. Also was die Zuweisung angeht, postleitzahlenbasiert oder ein automatisiertes Nachfassen. Das sind halt Dinge, die ich im Vorfeld ganz einfach festlegen kann. Und das, was dann KI macht, ist im Prinzip das Scoring nach hinten raus. Also das ich mit den Daten arbeite, die ich im System habe. Und daraus ziehe ich Erkenntnisse: Welcher Kontakt ist besonders wertvoll für mich?

Jeannine Malcherek-Wirtz: Eine Frage finde ich noch ganz wichtig, weil wir bei #DigiDUS uns ja vor allem auch an mittelständische Kunden sichten. Auch so aus der Erfahrung mit den Kunden, mit denen ich zu tun habe, ist oftmals immer wieder dieses Thema Daten, Daten und nochmals Daten so ein Lieblingsthema. Wie oft hörst du das, wenn du vielleicht tatsächlich mit mittelständischen Kunden oder kleineren Kunden zu tun hast, die sagen „Ich weiß gar nicht, ob ich Daten habe“ oder „wenn ich Daten habe, wie ich diese sammeln soll, geschweige denn, wie ich die auswerten soll“. Was entgegnest du diesen Kunden, wenn sie genau mit so einer Hürde auf dich zukommen?

Tim Hufermann: Mit der Frage „Haben Sie eine Website?“ „Ja!“ – und schon habe ich Daten. Oder bin ich auf Facebook? Bin ich auf LinkedIn? Bin ich auf Instagram? Bin ich bei YouTube? Habe ich vielleicht bei Google einen Standort angelegt und sammele ich darüber Bewertungen? All das sind im Prinzip schon Daten, mit denen ich arbeiten kann.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wie siehst du das? Wenn Unternehmen oder kleinere Unternehmen vor allem sagen „So ganz alleine schaffe ich das nicht. Ich brauch externe Expertise.“ Wo finden sie die?

Tim Hufermann: Im Partner Netzwerk der Sparkasse Düsseldorf natürlich, also von: „Wie mach ich Daten im Marketing nutzbar?“ bis hin zu: „Wie kann ich neue Geschäftsmodelle mit Daten entwickeln?“, „Wie kann ich aber auch hingehen und z.B. meine Prozesse datenbasiert oder KI-basiert optimieren?“ Und sei es einfach nur, dass die Rechnungen, die reinkommen, automatisiert ausgelesen und vorgebucht werden, damit der Steuerberater weniger Arbeit hat. Da macht es total Sinn, auf die Firmenkundenbetreuer zuzugehen und zu fragen, welcher Partner da in Frage kommt. Und ein Erstgespräch mit den Partnern zu suchen. Und so wie ich die Partner kennengelernt habe, können die dann halt auch relativ schnell einschätzen, macht das überhaupt Sinn oder gibt es vielleicht einen anderen Partner, der das besser kann, der mir da weiterhilft? Weil ganz klar: Der Blick von außen tut total gut.

Jeannine Malcherek-Wirtz: Wenn es jetzt darum geht, was mache ich eigentlich aus diesen Daten? Vor allem in der Dienstleistungsbranche und auch für Kommunikatoren und Marketing-Menschen, die werden jetzt sagen: das Mindset, diese Veränderung, auch anders auf Daten zu gucken, wir wollen kundenzentrierter arbeiten, dann fallen Begriffe wie Customer-Journey. Bei uns in der Stadtsparkasse sehen wir das auch, wie schwierig das ist, diesen Shift hinzukriegen und zu sagen: Kunden erwarten heute etwas anderes. Sie erwarten nicht – auch wenn ich weiß, dass das ein Kunde ist, den ich vielleicht auf das Thema ansprechen könnte, weil er Potenzial hat – dass ich mit der Axt ins Haus falle. Wie kriege ich da auch dieses andere Denken, diese andere Herangehensweise in den Köpfen der Menschen hin? Wenn es darum geht, wie ich dann hinterher den Weg gestalte, diese Kunden auch anzusprechen. Ich erinnere mich an ein paar Beispiele, dass wir mal sogar mit dir zusammen versucht haben, eine Customer-Journey für ein Projekt zu entwickeln. Und es ist unglaublich schwierig gewesen für alle Anwesenden, überhaupt diese Perspektive des Kunden einzunehmen. Zu sagen: Was braucht der eigentlich? Wie spreche ich den Kunden an? Wie lange spreche ich den Kunden an? Und ich glaube, dass das oftmals dann ja keine technische Frage ist, sondern das ist ja wirklich auch eine Frage des Mindsets, ohne dass es jetzt esoterisch klingt. Und wie nehme ich vor allem auch Teams mit, um dieses Umdenken hinzukriegen.

Tim Hufermann: Übung und immer wiederholen. Die besten Tools helfen mir überhaupt nichts, wenn ich am den Kunden vorbei kommuniziere oder wenn ich Produkte im Angebot habe oder Produkte entwickle, die halt keine Abnehmer finden. In einem ersten Schritt starten wir – und das machen wir auch häufig gerne am liebsten mit man sagt so schön crossfunktionalen Teams, also Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, vom Vertrieb, vom Marketing, von der Unternehmensführung, aber auch vom Service und vom Kundensupport. Oder auch wenn ich in einer Autowerkstatt bin, jemand, der halt an den Autos herumschraubt, mitzunehmen. Also wirklich Menschen, die unterschiedliche Perspektiven auf die Kund:innen haben und die mit in den Workshop zu nehmen und zu schauen: Was sind überhaupt die Probleme, die immer bei uns aufpoppen? Wie ticken unsere Kunden? Was nehmen wir so wahr? Womit kommen die auf uns zu? Wie sehen die typischerweise aus im Sinne von „Was ist das typische Alter?“ Was für Herausforderungen haben die? Und das hilft mir schon beim Verstetigen. Also wirklich üben. Wiederholen. Ständiges Aktualisieren. Mich damit beschäftigen, einen besseren Einblick auf die Kunden zu gewinnen und dann halt auch zu schauen, was brauchen sie. Also im Sinne von „Was ist mein passendes Produktangebot für diese Kunden?“ Und wie kann ich diese Kunden dann adressieren? Dadurch, dass wir es im Digitalen so gewohnt sind, erwarten wir das mittlerweile in allen Lebensbereichen. Und deswegen ist es für alle wichtig zu schauen „Was brauchen meine Kunden eigentlich, wie ticken meine Kunden und was kann ich an Angeboten für sie bauen“?

Jeannine Malcherek-Wirtz: Ja, ob Standardlösung oder individuelle KI Anwendung: Ich finde, unsere heutige Folge von #DigiDUS hat wieder gezeigt, dass gerade für Mittelständler die Chancen sehr, sehr gut stehen, von künstlicher Intelligenz profitieren zu können. Sie können den Weg selbst beschreiben, ihn gemeinsam mit Mitarbeitenden entwickeln und sie finden erfahrene Wegbegleiter, die sie unterstützen. Ob im Netzwerk von Verbänden, Kammern oder auch bei uns, der Stadtsparkasse Düsseldorf. Nur gehen muss man diesen Weg. Daran führt wiederum kein Weg vorbei. Aber ich finde, unsere Folge hat auch gezeigt, dass es sich lohnt, weil KI unter anderem dabei helfen kann, Kundenbedürfnisse besser und effizienter zu bedienen. Weil KI dabei helfen kann, dass sich Mitarbeitende auf das Wesentliche konzentrieren können. Oder schlicht und ergreifend, weil die Konkurrenz sich ebenfalls schon auf den Weg gemacht hat. Vielen Dank nochmal an Wolfram Schäfer und Tim Hufermann, dass sie uns von ihren Erfahrungen berichtet haben. In der nächsten Podcastfolge von #DigiDUS geht es auch um ein Thema, das mir sehr, sehr gefällt. Und zwar um das Thema Start-ups und Mittelständler, wie sie gemeinsam Sache machen können und wie auch beide Seiten davon profitieren. Alle bisherigen Podcast Folgen finden Sie übrigens online auf unserer Website zum Nachhören unter www.sskduesseldorf.de/podcast und weitere Infos und Tipps zum Thema Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Mittelstand finden Sie wie immer auch in unserem Firmenkundenportal unter www.sskduesseldorf.de. Ja, wir freuen uns, wenn Sie auch in der nächsten Folge wieder zuhören. Bis dahin alles Gute und bleiben Sie gesund.

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