Kunst im Blick

Kunst erleben ist einfach.

Kunst im Blick

Kunst erleben ist einfach.

Wie wirkt Kunst hinter verschlossenen Türen?Gar nicht, finden wir!
Deshalb möchten wir sie für die Düsseldorfer noch einfacher zugänglich machen.

Für unsere KundenJeden Samstag: Kunst für zwei im Kunstpalast und im NRW-Forum. Wenn Sie eine EC- oder Kreditkarte der Stadtsparkasse Düsseldorf (Debit- oder Kreditkarte) besitzen, schenken wir Ihnen zu Ihrem eigenen Ticket den Eintritt für Ihre Begleitperson: Über den Webshop Kunstpalast oder direkt im Museum.

Kunst im Blick

Im Rahmen des Art:walk Festivals 2026 geht es ganze fünf Stockwerke unter die Erde. Der Ausstellungsraum im 5. UG der Stadtsparkasse Düsseldorf wird am 13. Juni 2026 erstmalig für die Öffentlichkeit zugänglich sein. In der Ausstellung „CLOSE-UP: Portraits aus der Kunstsammlung der Stadtsparkasse Düsseldorf“ werden ausgewählte Werke zum Thema „Portrait“ mit einem Schwerpunkt auf fotografischen Arbeiten gezeigt. Seien Sie gespannt und freuen Sie sich auf eine spannende Entdeckungsreise mit Thomas Ruff, Bernd Jansen, Katharina Sieverding, Katharina Mayer und weiteren Künstlerinnen und Künstlern.
Das Werk „Glauben Sie an Wiedergeburt?“ von Katharina Mayer nehmen wir hier näher in den Blick. Es wird in unserer Ausstellung zu sehen sein.

Katharina Mayer, Glauben Sie an Wiedergeburt?, C-Print, 1996

1992 sah die deutsche Fotografin und Videokünstlerin Katharina Mayer in einer Tageszeitung ein Phantombild von Mozart. Das Bundeskriminalamt in Wiesbaden hat im Auftrag des Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museums für die Ausstellung „176 Tage W.A. Mozart in Mannheim“ ein Phantombild des Komponisten erstellt. Als Grundlage für das Phantombild dienten nach Angabe der Museumsdirektorin vier als besonders authentisch geltende zeitgenössische Portraits des im Jahre 1791 gestorbenen Musikers. Das Bundeskriminalamt habe dazu aus seiner umfangreichen Kartei Bilder „aktueller Gesichtspartien“ beigesteuert. Das Phantombild wurde dann von Fachleuten im sogenannten Mischbildverfahren hergestellt.
Daraufhin beschäftigte sich die Künstlerin Katharina Mayer mit dem Phantombild. Wie wenig ein Phantombild - sei es zeichnerisch, photographisch und inzwischen digital hergestellt - mit der fotographischen Abbildung zu tun hat und trotzdem immer etwas von der Person einfängt, fasziniert die Künstlerin und sie beginnt die Serie Phantom
Das entstandene Doppelporträt „Glauben Sie an Wiedergeburt?“ von 1996 ist der Beginn dieser Serie.
Zeitlich sind beide Portraits, die auf dem Werk zu sehen sind, weit voneinander entfernt. Und dennoch gibt es eine Verbindung. Beide Personen sehen sich doch verblüffend ähnlich, oder? Nur liegen über 480 Jahre zwischen der Erstellung beider Bilder.
Das abfotografierte Gemälde von ca. 1508 auf der linken Seite der fotografischen Arbeit ist von Lorenzo Lotto, einem wichtigen Vertreter der Renaissance-Malerei. Es handelt sich um das Bild eines anonymen jungen Mannes. Lorenzo Lotto war der Begründer des sogenannten psychologischen Portraits in der Renaissance. In dieser Zeit spielte das Wesen der Person eine Rolle, wobei gleichzeitig nur wenig preisgegeben werden sollte vom Menschen. Mit dem Kommentar: „Wer mag das wohl sein?“, schickte eine Freundin von Katharina Mayer ihr damals eine Abbildung dieses Renaissancegemäldes zu, da sie darin eine Ähnlichkeit zu Mayer sah. Für Mayer begann damit das Nachdenken über Fotografie, über Zeit, über Wiederholung.
Mit einer schwarzen Kappe und einem schwarzen Gewand bekleidet, erstellt die Künstlerin daraufhin ein Selbstporträt von sich vor einem weißen Vorhang. Im Dreiviertelprofil posiert sie mit ernstem Gesichtsausdruck. Akribisch achtet sie auf die Lichtverhältnisse und Verschattungen im Gesicht und auf die Faltenwürfe des Vorhangs, sodass eine beeindruckende Gegenüberstellung mit dem Gemälde Lottos entsteht.
Ihr Werk macht deutlich, dass bildliche Darstellungen nie reine Abbilder der Wirklichkeit sind, sondern stets Interpretationen, die dennoch etwas Wesentliches einer Person erfassen können. Durch die konstruierte Ähnlichkeit zwischen ihrem Selbstporträt und dem Renaissancegemälde wird die Idee von Wiederholung künstlerisch reflektiert und zugleich mit subtilem Humor hinterfragt.

Zur Künstlerin:

Katharina Mayer wurde 1958 in Rottweil geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Düsseldorf. Sie studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Geschichte in Freiburg, danach folgte ein Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher und Nan Hoover mit den Schwerpunkten Fotografie und Video. Nach diversen Lehraufträgen, übernahm Mayer eine Gastprofessur an der Universität für angewandte Kunst Wien. 2000 gründete sie die Schule für künstlerische Fotografie in Düsseldorf und war Mitbegründerin des onomato Künstlervereins Düsseldorf. Seit 2005 ist sie erste Vorsitzende bei fiftyfifty, ein Verein zur Unterstützung von Obdachlosen. Im Jahr 2020 hat sie den Projektraum Impro 97 mitgegründet. Seit 2012 ist Mayer als Professorin für Fotografie an der UE Berlin tätig. 2023 gründet sie die Akademie der Straße (in Kooperation mit Housing First e.V. – Kunst für Menschen von der Straße).
Mayer arbeitet mit den Medien Fotografie, Zeichnung, Performance und Video. Sozio- und interkulturelle, oft partizipativ angelegte Projekte kennzeichnen das Gesamtwerk, in dem es immer um existenzielle Fragen des Menschseins geht. In langfristig angelegten Werkgruppen steht der kontinuierliche Erkenntnisprozess im Hinblick auf kulturelle und (kunst-) historische Ereignisse im Fokus. Fragen zu Identität, Sprache, Verortung und Formfindung stehen im Zentrum der künstlerischen Forschung.

Weitere Informationen zur Künstlerin unter: https://katharinamayer.com/

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